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Auto und öffentliche Mobilität – kein Gegensatz

21.09.11 (NVR, Verkehrspolitik) Autor:Jürgen Eikelberg

Pendler aus dem Erftkreis kennen und schätzen sie, die Park & Ride Anlage Weiden-West. In unmittelbarer Nähe zur Autobahn 4 (Aachen – Köln) liegt sie nur einen Kilometer von der Anschlussstelle „Frechen-Nord (9a)“ entfernt an der Aachener Straße. Diese Anschlussstelle ist speziell für Park & Ride Nutzer errichtet worden. Eine Besonderheit weist diese Anschlussstelle auf, man kann sie nur aus und in Richtung Aachen benutzen.

An dieser Park & Ride Anlage haben die Pendler Anschluss an die Stadtbahnlinie 1 der Kölner Verkehrsbetriebe, die sie in rund 23 Minuten zum Heumarkt bringt, aber auch zu den vielen Zwischenzielen an de Aachener Straße. Oder sie haben die Möglichkeit in die S-Bahn-Linien 12 oder 13 umzusteigen und sind in 13 Minuten am Hauptbahnhof der Domstadt.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) haben heute bei einem gemeinsamen Pressegespräch über die Herausforderungen zukünftiger Mobilität in Ballungsräumen gesprochen. ADAC-Präsident Peter Meyer und VDV-Präsident und Vorstandssprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) Jürgen Fenske sind sich einig: Entscheidend ist die sinnvolle Vernetzung und Verfügbarkeit von verschiedenen Mobilitätsangeboten. Und dieser Park & Ride Platz ist einer von vielen in der Region. Aber wahrscheinlich der am meisten genutzte. Die Belegungsquote liegt bei 90 bis 100 Prozent.

,,Aus ADAC Sicht stellen Bus und Bahn einen unverzichtbaren Baustein des stadtverträglichen Verkehrs dar. Weder der motorisierte Individualverkehr noch der Öffentliche Personennahverkehr (OPNV) sind aus Kapazitätsgründen allein in der Lage, alle Mobilitätsansprüche der Stadt- und Umlandbewohner zu befriedigen“, erklärt ADAC Präsident Peter Meyer im gemeinsamen Pressegespräch mit dem VDV. ,,Es ist daher nicht sinnvoll, die einzelnen Verkehrsangebote in Konkurrenz zueinander antreten zu lassen. Das Ziel muss es sein, alle in einer Stadt zur Verfügung stehenden, komplementären Mobilitätsangebote für den Kunden effektiv miteinander zu vernetzen“, sagt VDV-Präsident Fenske.

Die sinnvolle und gemeinsame Nutzung von Auto, Bus und Bahn, gewinnt nach Auffassung des ADAC insbesondere im städtischen Raum mehr und mehr an Bedeutung. Umso wichtiger ist es, die Stärken des jeweiligen Verkehrsmittels optimal auszunutzen und den Umstieg untereinander zu verbessern. Der richtige Mix aller Verkehrsmittel macht es aus, denn nicht immer ist das Auto auf der Kurzstrecke aus ökologischer und ökonomischer Sicht das optimale Verkehrsmittel und der ÖPNV hat – gerade im ländlichen Raum – Nachteile.

Damit Autofahrer die öffentlichen Verkehrsmittel als echte Alternative zum Individualverkehr annehmen, müssen Bus und Bahn allerdings nicht nur durch Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und Komfort sondern auch durch niedrige Kosten überzeugen. Dies ergab ein europaweiter ADAC-Test aus dem Jahr 2010.

Das schließt sich an die im Mai diesen Jahres von Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und dem ADAC initiierte Aktion „Du misch auch!“ wie Dr. Wilhelm Schmidt-Freitag, Geschäftsführer des VRS betonte.

,,Der Stadtverkehr muss in erster Linie energieeffizienter gestaltet werden“, sagt VDV-Präsident Jürgen Fenske. ,,Einerseits wachsen die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in Städten, anderseits müssen die CO2-Emissionen weiter reduziert werden. Hier sind innovative Mobilitätsstrategien notwendig“, so Fenske weiter. Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) nutzen immer weniger junge Erwachsene den eigene Pkw.

Dennoch möchten sie nicht auf die Vorteile der individuellen Mobilität verzichten. Die Kombination von ÖPNV mit Mietsystemen und Elektromobilität wie Car-Sharing oder ,,Bike & Ride“ werden schon heute von deutschen Nahverkehrsunternehmen angeboten. Integrierte Mobilitätskonzepte müssen weiterentwickelt und optimiert werden. Sie müssen vor allem einfach, flexibel und bezahlbar sein“, betont Fenske.

Für den VDV und ADAC ist die Forderung der ,,vernetzen Mobilitat“ daher der richtige Weg, um gegen die starke Verkehrsbelastung der Ballungsraume anzugehen und zugleich umweltschonend zu agieren. Langfristig ist auch eine so genannte „Mobil-Card“ geplant, welche die Benutzung von Mieträdern und Car-Sharing neben dem öffentlichen Verkehr einschließt. Pilotprojekte laufen derzeit in Hannover und Berlin. Jürgen Fenske, Vorsitzender des VDV wollte sich aber nicht festlegen, wann das sein wird.

Bild: Jürgen Eikelberg

Ein Kommentar

  1. Ich kann Fenske nur zustimmen: ,,Einerseits wachsen die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in Städten, anderseits müssen die CO2-Emissionen weiter reduziert werden. Hier sind innovative Mobilitätsstrategien notwendig” – Dafür gibt es ja schon viele Lösungen. Bis die E-Autos richtig serienmäßig funktionieren, sollten meiner Meinung nach Autos mit möglichst wenig Bezin/100 km benutzt werden, wie das hier bspw. Mieträder und Car-Sharing sind aber auch sehr gute konzepte.

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