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Miteinander statt gegeneinander arbeiten

08.10.20 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Als die Debatte um eine Trennung von Netz und Betrieb noch ernsthaft geführt worden ist, da waren sich die Befürworter des integrierten Konzerns einig, dass dieser die Chance einer Zusammenarbeit bietet, die es bei unabhängigen Netzgesellschaften gar nicht geben könne. Eisenbahner sind oft der Ansicht, dass es irgendwelche Dinge gar nicht geben kann, vor allem wenn es um Leistungsausweitungen, Angebotsverbesserungen und Qualitätsoffensiven geht.

Dabei ist die Konzernstruktur der heutigen DB AG genau umgekehrt ein Problem: Dadurch, dass der Konzern zwar integriert ist, es sich aber dennoch nur um eine Dachgesellschaft verschiedener operativer Unternehmen handelt, arbeiten die oftmals eben längst nicht so eng verzahnt, wie man sich das wünschen würde.

Das Verkehrsunternehmen, auch innerhalb des Konzerns, ist nicht verantwortlich, wenn bei der Infrastruktur gepennt wird, DB Netz hat nichts mit den kaputten Rolltreppen im Bahnhofsbereich zu tun, die Echtzeitauskunft funktioniert nur im Prinzip, weil sich verschiedene Stellen im Konzern gegenseitig die Schuld für die defekten Datenübermittlungen in die Schuhe schieben und wenn ein Lokomotivführer kann vom Fahrkartenschalter nicht mal eben dienstlich telefonieren, weil die Kosten dafür nicht abgerechnet werden können.

Umso besser ist, dass man es jetzt bei einem der wichtigsten deutschen S-Bahnnetze, der S-Bahn in München, geschafft hat, sicherzustellen, dass der Aufgabenträger, die zur DB AG gehörende S-Bahn GmbH und auch die beiden zuständigen Infrastrukturgesellschaften an einem Strang ziehen. In Sonntagsreden heißt es oft genug, dass der Gegner nicht innerhalb der Eisenbahnbranche sei, sondern das Auto.

Und das stimmt sogar in einer Stadt wie München, in der es nicht gerade spaßig ist, im Stau zu stehen. Aber um ein gutes Produkt auf die Beine zu stellen, muss jeder seine Rolle so gut spielen wie es geht. Ich kenne die Eisenbahnermentalität zur genüge, dass man in ellenlangen Adhoc-Vorträgen erklären kann, wieso man das und das und das jetzt gerade nicht machen kann, wieso das nicht geht, wieso bereits die Frage danach polemisch ist, doch es muss in die umgekehrte Richtung gehen: Wir brauchen lösungs- und erfolgsorientierte Ansätze.

Seit einiger Zeit gibt es die Forderung nach einer „Kultur der Anerkennung“ und genau eine solche brauchen wir: Ein Unternehmen muss aufzeigen können, was man alles geleistet hat, so man innovativ war, wo man etwas verbessert hat und nicht, wieso man irgendwas nicht machen kann. Manchmal im Leben gibt es Situationen, da ist es wichtiger, Fehler zu beseitigen statt die Schuldigen zu suchen.

Jetzt müssen natürlich alle beteiligten Akteure ihre Vereinbarungen auch im Alltag umsetzen und auch hier gucken, dass man so unbürokratisch es geht zusammenarbeitet. Hier hat man jetzt die Grundlage geschaffen, die Voraussetzungen sind jetzt erfüllt. Viele motivierte Mitarbeiter sind nun gefragt, das umzusetzen. Aber auch hier denke ich, ist der eingeschlagene Weg ein guter und man darf optimistisch sein.

Siehe auch: Maßnahmenplan zur S-Bahn München

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