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„Schwarz“ fahren trotz Abo-Ticket

03.07.12 (VRR) Autor:Jürgen Eikelberg

Kann man mit einem gültigen Abo-Ticket schwarz fahren? Eigentlich nicht, lautet die Antwort eines Inhabers solcher Abos. Doch der Teufel liegt im Detail. Man kann. Diese Erfahrung musste gestern eine langjährige Kundin im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) machen. Doch der Reihe nach.

Es gibt im VRR personengebundene und übertragbare Abo-Tickets. Das Ticket2000 ist als einziges Abo-Ticket übertragbar, jeder der es in Händen hält ist berechtigt, innerhalb des jeweiligen Gültigkeitsbereiches mit Bus und Bahn zu fahren. Ehepaare oder befreundetet Personen können sich somit ein Ticket2000 teilen, allerdings darf nur einer zur gleichen Zeit damit unterwegs sein. Alle anderen Abo-Tickets sind personengebunden.

Damit bei einer Kontrolle auch überprüft werden kann, ob der Fahrgast auch der berechtigte Abo-Kunde ist, wird in den Vertragsbedingungen festgeschrieben, dass er einen Lichtbildausweis mitzuführen hat. Das ist auch auf der Plastikkarte deutlich lesbar angebracht. Bei den meisten Kontrollen begnügen sich die Fahrausweisprüfer jedoch mit dem Vorzeigen des Tickets. Streng genommen müssen sie aber auch einen Lichtbildausweis prüfen. Das kann ein Personalausweis, ein Führerschein, ein Mitgliedsausweis des Fußballvereins oder sonst etwas mit Lichtbild sein. Wer sich nicht mit einem Lichtbildausweis legitimieren kann, hat trotz eines bezahlten Abo-Tickets keinen gültigen Fahrschein.

Gestern bestieg der Autor eine S-Bahn im VRR. Er bemerkte, das eine erregte Frau sich bei der Kontrolle durch ein Team von Fahrausweisprüfern beschwerte. Sie besaß ein Ticket1000, das nicht übertragbar ist. Doch sie hatte keinen Lichtbildausweis dabei, allenfalls eine Code-Karte ihres Arbeitgebers zum Ein- und Ausstempeln, doch ohne Lichtbild.

Ein klassischer Fall, den die Kontrollteams aufnehmen müssen. Die Dame hat anschließend die Möglichkeit, mit ihrem Ticket1000, ihrem Personalausweis sowie der Fahrpreisnacherhebung bei dem Verkehrsunternehmen vorzusprechen. Dann zahlt sie eine Bearbeitungsgebühr von fünf Euro und die Angelegenheit ist aus der Welt.

Allerdings hat sich einer der Fahrausweisprüfer etwas ungeschickt verhalten. Und das war nicht derjenige, welcher die Kundin kontrolliert hat. Er versuchte es über die Köpfe anderer Fahrgäste damit zu erklären, dass die Geldbörse entwendet gewesen sein könnte. Das brachte die Dame verständlicherweise noch mehr in Rage. Zugute halten möchte ich der Teamleiterin, das sie diesen Kollegen fortschickte und beruhigend auf die Frau einzuwirken versuchte. Allerdings erfolglos.

7 Responses


  1. ÖPNV-Nutzer
    03.07.12 um 17:22

    Ich verstehe den Wirbel nicht. Es gibt Kontrollteams, welche in genau so einem Fall (die Identität der Frau kann nicht festgestellt werden) die Polizei zur Identitätsfeststellung hinzuziehen…. Also ist die Dame wohl noch recht glimpflich davon gekommen. Im übrigen ist ein amtlicher Lichtbildausweis mitzuführen. Ob im zweifelsfall irgendeine Clubkarte hier ausreicht, darf bezweifelt werden…Auch an der Aussage „die Tasche könnte gestohlen sein…“ finde ich nicht verwerflich, solange er sie nicht direkt mit dem Vorwurf konfrontiert….

  2. @ÖPNV-Nutzer
    Achja, diese blöden Abo-Kunden, überweisen einem regelmässig Geld und finanzieren die Kontrollen dadurch…Ironie Ende. Wieso nimmt man die Daten nicht auf und macht ein Foto der kontrollierten Frau, diese zeigt ihre Sachen nach und das Bild wird gelöscht, Sache erledigt… überhaupt von einem Kunden extra Geld zu verlangen ist unverschähmt und vergrault die Kunden… 5€ Bearbeitungsgebühr richtet hier mehr Schaden als Nutzen an… Alleine dass die Frau extra vor Ort vorbeischauen muss ist Strafe genug.

  3. Das machen andere Bahnen auch mal anders und kundenfreundlicher: Seit Mitte April 2012 können die Zeitkarten beim Metronom in Niedersachsen nachträglich direkt beim Zugbegleiter auf der Fahrt vorgezeigt werden.
    Eine Bearbeitungsgebühr muss aber auch bezahlt werden (2,50 oder 7,50 Euro je nach Tarif).

    Und nein, ich bin nicht der Pressesprecher vom metronom;-)


  4. ÖPNV-Nutzer
    04.07.12 um 14:44

    Blöde Abo-Kunden? Ich würde mich nicht als blöd bezeichnen. Aber wie jedes „Fehlverhalten“ (und dies stellt der vergessene Lichtbildausweis eben dar – siehe Beförderungsbedingungen) wird auch dieses „sanktioniert“. Da dem Verkehrsbetrieb durch die Aufnahme und Verarbeitung der Daten extra Arbeit entstanden ist (und die entsteht egal ob man nen Foto macht oder was auch immer) finde ich auch die Bearbeitungsgebühr vollkommen in Ordnung. Die Kontrollen werden sich übrigens selber finanzieren ;)


  5. Bahnfreund
    06.07.12 um 17:44

    Wieso machen die es nicht wie bei der Bahn und drucken ein Lichtbild des Inhabers auf das Ticket?

  6. @Bahnfreund
    Weil ein Ticket zum Fortbewegen gedacht ist und nicht um sich Auszuweisen, dafür wird ja dann der Perso oder der Schülerausweis verwendet.

  7. auch wenn dieser Thread alt ist: Warum wird eigentlich immer noch kein Lichtbild auf den Ausweis angebracht?
    Immer mehr Kundenkarten haben diese Sicherheitsfunktion, inklusive Bahncard. Die Herstellung der Karten ist dadurch auch nicht wirklich teurer, einzig bei der Anschaffung muss man ein Bild einreichen. Und dass ist bei dem inzwischen schon übersättigten Smartphone Markt auch kein großes Problem.
    Das Bild muss nicht mal dauerhaft gespeichert werden, genau wie es inzwischen ja schon Hersteller von Schokoriegeln als zusätzliches Feature verkaufen.

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