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Niederrheinbahn: Kamp-Lintfort fordert SPNV-Anschluss

14.05.12 (VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Stadt Kamp-Lintfort im Kreis Wesel fordert den Ausbau der Niederrheinbahn und einen Anschluss an den SPNV. Es handelt sich nach Herten, Nordhorn und Aurich um die viertgrößte deutsche Stadt ohne Schienenpersonenverkehr. Gleich zwei der Top Vier liegen im Gebiet des VRR. Ein Gutachten von BVS Rödel & Pachan sowie KCW beschreibt, dass die Stilllegung des Berwerkes West im Hinblick auf eine Weiternutzung der Zechenbahntrasse gute Chancen bieten.

Vor Ort treibt man schon seit längerem die Anbindung an den SPNV voran. Es ist das dritte Gutachten nach 1998 und 2003, das sowohl die betriebliche Sinnhaftigkeit als auch den ökonomischen Nutzen belegt. Die Zechenschließung wirke sich, so heißt es in einer Presseerklärung der Stadt, positiv auf einen Bahnanschluss aus. So werde sich der Güterverkehr deutlich reduzieren, was die betrieblichen Rahmenbedingungen erheblich vereinfache. Weitere städtebauliche Maßnahmen, wie die Errichtung einer Hochschule, die Errichtung des Einkaufszentrums Drei Eichen und die Ansiedlung von Logistikunternehmen auf dem Kohlenlagerplatz machen eine SPNV-Anbindung attraktiver.

Dabei werden drei verschiedene Varianten bewertet: Einmal nur Personenverkehr sowie Mischverkehr mit Mehrzug- und Einzugbetrieb im Güterbereich. Eine Abwicklung des Güterverkehrs außerhalb der Betriebszeiten des Personenverkehrs stellt laut Gutachten die wirtschaftlichste Variante dar. Die Gutachter halten jedoch alle drei Möglichkeiten für sinnvoll und weisen darauf hin, dass diese nah beieinander liegen. Auch die Umstellung zwischen den Varianten sei im Nachhinein noch immer möglich. Man fordert eine Regionalbach von Duisburg über Moers nach Kamp-Lintfort. Neben einer vollkommen neuen Linie käme auch ein Flügelkonzept auf der Linie RB 31 in Frage. Hier fährt die Nordwestbahn derzeit von Duisburg über Moers nach Xanten.

Die Stadt Kamp-Lintfort begründet die Forderung nach einer SPNV-Anbindung unter anderem mit den auswärtigen Studierenden der Hochschule Rhein-Waal und auch mit vielen Pendlern in und um Kamp-Lintfort, denen man so eine attraktive Alternative zum Auto bieten könnte. Die Endhaltestelle soll direkt an der Hochscule entstehen. Im Rahmen der anstehenden Ideenkonkurrenz zur Nachnutzung der Zechenfläche soll ein Korrior mittig für das liegende Hauptgleis freigehalten werden. Alternativ könnte die Strecke auch auf der östlichen Gleisanlage entlang der Zechenmauer Ringstraße verlaufen.

Die Gutachter rechnen mit rund 3.100 Fahrgastfahrten pro Tag. Die Hochschule ergebe einen Ausgleich zum Berufspendlerverkehr, so dass eine wirtschaftliche Auslastung ganztags gewährleistet sei. Die Investitionskosten werden auf sechs bis acht Millionen Euro veranschlagt, die Betriebskosten auf jährlich deutlich unter einer Million Euro. Dies sei im Verhältnis zum Zuschussbedarf in anderen Teilen des VRR relativ gering und aufgrund der kurzfristigen Umsetzbarkeit sowie der Kostenbeteiligung durch den Güterverkehr sieht man an dieser Stelle gute Chancen für die Niederrheinbahn.

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