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Deutsche Bahn und Privatbahnen kritisieren Streikankündigung der GDL

04.02.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Sowohl die sechs großen Privatbahnkonzerne Abellio, Arriva Deutschland, BeNex, die Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia als auch die DB AG haben scharfe Kritik an der Streikankündigung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) geübt. Der GDL-Vorstand bereitet eine Urabstimmung über unbefristete Streiks vor, schon übernächste Woche ist mit Warnstreiks zu rechnen.

Alle Beteiligten halten diese Arbeitsniederlegungen für eine ungerechtfertigte Machtdemonstration, die den Abschluss eines Branchentarifvertrages unnötig gefährde. Sie verweisen darauf, dass die GDL während der gesamten Verhandlungen bei ihren Ausgangsforderungen geblieben ist, die ein Lohnniveau von 105% des DB-Tarifes vorsieht, eine Arbeitszeitverkürzung auf 38 Stunden in der Woche und ein faktisches Berufsverbot für Hauptschulabsolventen.

Am 14. Februar werden die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die sechs großen Privatbahnen und die Deutsche Bahn den Branchentarifvertrag unterschreiben. Dieser wurde in einem Schlichtungsverfahren unter Leitung des früheren Bundesverteidigungsministers Peter Struck (SPD) ausgehandelt. Die GDL lehnte einen Eintritt in dieses Schlichtungsverfahren im Vorfeld jedoch ab.

GDL-Chef Weselsky hält die EVG für nicht legitimiert, einen solchen Abschluss zu vereinbaren: „Wer mit der EVG, die keine zehn Prozent der Lokomotivführer in Deutschland organisiert, einen Branchentarifvertrag abschließt und diesen auf unsere Mitglieder anwenden will, ignoriert die Realität.“ Er wirft der Arbeitgeberseite vor, das Lohnniveau von 90% der Eisenbahner absenken zu wollen.

Auch die DB hält das Verhalten der GDL für inakzeptabel Personalvorstand Ulrich Weber: „Es gibt in der Sache keinen vernünftigen Grund für das Verhalten der GDL. In den Gesprächen zwischen der DB und der GDL gab es bis zuletzt Fortschritte und in vielen Punkten sogar Einigkeit. Wir haben der GDL ein weitreichendes und faires Angebot gemacht – mit Einkommenssteigerungen, Verbesserungen bei Altersvorsorge, Zulagen, Arbeitszeit und einem Rahmentarifvertrag für alle Lokführer.“

Weber: „Doch die GDL zeigt kein Interesse an sachgerechten Lösungen. Die DB und ihre Kunden sollen in eine Auseinandersetzung hineingezogen werden, nur um den Druck auf Wettbewerber der DB zu erhöhen. Verhandlung statt Verweigerung ist in dieser Tarifrunde der Königsweg.“

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