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Bayer Leverkusen sagt Fanzüge zu Auswärtsspielen ab

20.02.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Wie der Fußballbundesligist Bayer 04 Leverkusen seinen Fans mitteilt, ist die Finanzierung von Sonderzügen zu Auswärtsspielen für mitreisende Schlachtenbummler bis auf weiteres vollständig gestrichen. Auslöser sind die teilweise katastrophalen Zustände in den bislang eingesetzten Zügen. Eine bereits bestellte Leistung nach Freiburg wurde kurzfristig storniert.

Dazu kämen zahlreiche Fälle von mutwilliger Zerstörung, demolierten Fenster, Sitzen, abgerissenen Gepäcknetzen und vielen anderen unschönen Dingen. So seien Türen herausgerissen worden, es sei zu Aggressionen gekommen, Böller sollen gar aus den Zügen auf die freie Strecke geschmissen worden sein bis hin zum Absingen des Zyklon-B-Liedes.

Das sind alles zweifelsfrei Zustände, die nicht nur aus bahnbetrieblicher Sicht ein absolutes No-Go sind, sondern auch ein schlechtes Licht auf den friedlichen Fußballanhänger wirft. Die große Mehrheit der Zuschauer in den Stadien verfolgt die Fußballspiele und fährt ohne Radau zu machen wieder nach Hause.

Jedoch muss man sich fairerweise die Frage stellen, was die Fanbetreuung der traditionsreichen Werkself damit bezweckt: Sie verhindert ja gerade nicht, dass eine dem Rechtsextremismus und zu Gewaltstraftaten neigende Minderheit mit zu Auswärtsspielen reist. Im Gegenteil: Durch Angebote wie das Schönes-Wochenende-Ticket (SWT) ist wohl davon auszugehen, dass gerade dieses Publikum häufiger samstags in den Regionalzügen zu finden sein wird.

Ist das den Verantwortlichen bei Bayer 04 nicht klar? Oder versuchen sie hier gezielt, ihr Problem zu einem Problem von Aufgabenträgern, Bundespolizei, DB Netz und zuständigen Eisenbahnverkehrsunternehmen zu machen? Die können nämlich nicht einfach ihre Züge streichen, sondern sie müssen fahren – Vandalismusschäden gehen auf ihr Risiko und werden somit zu einem potentiellen Problem des Steuerzahlers.

Wenn man bei den Aufgabenträgern nach Fußballzügen fragt, dann antworten sie regelmäßig – wohl auch nicht so fälschlicherweise – dass die Bestellung solcher Leistungen nicht Teil öffentlicher Daseinsvorsorge ist. Nichtsdestotrotz müssen sie mit ihren Eisenbahnverkehrsunternehmen Lösungen für Probleme finden, die ihnen von den Fußballvereinen zugeschoben werden.

Natürlich gibt es, gerade im Fall Leverkusen, Auswärtsspiele, zu denen viele Fans nicht mehr mitfahren werden, wenn es keine Sonderzüge gibt. Da dürfte Freiburg wegen der Lage im äußersten Südwesten Deutschlands zugehören. Aber zu vielen anderen Spielen wird es sie geben, die Fußballfans. Und hier ist es nicht zuletzt auch Sache der Politik, bei den Fußballvereinen einzufordern, sich an den notwendigen Problemlösungen zu beteiligen.

5 Responses


  1. Huettental-Geisweid
    20.02.11 um 10:05

    Ist dies jetzt eine Meldung oder eher ein Kommentar? Ich wünsche noch einen schönen Sonntag!


  2. trainguide
    20.02.11 um 13:18

    @Hüttental-Geisweid

    Fußball wird seit Jahren mit zig Millionen subventioniert. Ich erinnere nur an die GEZ-Anteile, die für diese Art von Sportübertragungen zweckentfremdet werden. In Anbetracht der öffentlichen Zwangsgelder, die die Vereine erhalten, sollten sie schon mehr für die Allgemeinheit unternehmen. In Anbetracht des Gesindels, das sich um Umfeld dieser Sportart seit Jahren als „Fan“ tummelt, habe ich mich schon lange von dem Sport abgewandt. Man kann dieses Gesindel auch in Busse packen. Da ist die soziale Kontrolle höher.


  3. Jürgen E.
    20.02.11 um 18:14

    Wie schon trainguide anmerkte, es wird viel zu viel öffentliches Geld in dieser Sportart verbraten. Die alten Römer nannten es „Brot und Spiele“.

    Wenn es nach mir ginge, würde (jeglicher Profi-) Sport nur im Pay-TV übertragen und wer das „Ereignis“ selbst erleben möchte, soll auch für die (Reise-)Kosten aufkommen.

    Die Meldungen über das Spielergebnis reichen im öffentlich rechtlichen Rundfunk/Fernsehen aus.

  4. Solange Leverkusen die Züge selber gezahlt hat ist es ja egal sind ja keine öffentlichen Gelder die da verbrannt werden. Zudem, nur das wichtigste darf im ÖR Fernsehn laufen dazu gehört sicher nicht eine 18:30 Sportschau für 100 Millionen.

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