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SNCF-Chef warnt vor deutscher Allmacht

10.06.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

TGV auf der EnztalbrückeSNCF-Chef Guillaume Pepy warnte in der Financial Times Deutschland vor der Allmacht eines deutschen Maga-Unternehmens im Bahnwesen und forderte die EU-Kommission auf, genau hinzusehen „was die Expansion der DB für den Wettbewerb in Europa bedeutet.“

Der DB-Vorstand rechnet damit, daß die Deutschland-Aktivitäten Arrivas verkauft werden müssen. Allerdings wäre selbst für diesen Fall davon auszugehen, daß die Buchhaltungsabteilung die Kalkulation der deutschen Arriva-Unternehmen genau prüfen wird.

TGV und ICE in FrankreichBesonders brisant an Pepys Kritik ist aber, daß Keolis, an der die SNCF Mehrheitsaktionär ist, im verganenen Winter eine Fusion mit Arriva sondiert hatte. Ohne den Einstieg der Deutschen Bahn wäre möglicherweise die SNCF in das Unternehmen gekommen. Dabei halten Kritiker der Franzosen vor, aus einem geschlossenen Markt heraus ins Ausland zu expandieren. Ausschreibungen von Regionalverkehrsstrecken gibt es an der Seine nicht. In Frankreich wird die Staatsbahn geschützt und in Deutschland ist sie u.a. über die Eurobahn aktiv und hat auch Interesse, die deutschen Arriva-Aktivitäten zu übernehmen. Pepy geht davon aus, daß der Weiterverkauf „Gegenstand eines transparenten und fairen Prozesses ist. Das ginge zum Beispiel durch die Versteigerung der betroffenen Arriva-Teile.“

Der französische Bahnchef erwartet zudem in den nächsten Jahren Konkurrenz von der DBAG im Fernverkehr. „Das Eldorado sind die grenzüberschreitenden Strecken, nicht die gesättigten Märkte auf Verbindungen innerhalb der europäischen Länder.“ Bislang können die deutschen ICE 3 aufgrund fehlender Zulassung nicht durch den Eurotunnel nach Londen fahren. Im Gegenzug dürfen Thalys und TGV nicht von Köln über die Westerwaldachterbahn nach Frankfurt am Main fahren. Denn diese Rennstrecke wurde gerade so gebaut, daß die französischen Züge die Anforderungen nicht erfüllen.

Bilder: Deutsche Bahn AG

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