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Neue Güterkorridore werden vermarktet

16.11.15 (Europa, Güterverkehr) Autor:Stefan Hennigfeld

Seit letzte Woche können Eisenbahnverkehrsunternehmen und zugelassene Antragsteller im grenzüberschreitenden Schienengüterverkehr neue Korridore in Anspruch nehmen: Die europäischen Schienengüterverkehrskorridore 3 „Scandinavian-Mediterranean“ und 8 „North Sea-Baltic“ sind in Betrieb. Sie sind Bestandteil der insgesamt neun auf Basis der Verordnung (EU) Nr. 913/2010 beschriebenen Güterverkehrskorridore, deren Ziel die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Qualität des grenzüberschreitenden Schienengüterverkehrs ist.

Bereits seit 2013 steht der Korridor 1 „Rhine-Alpine“ zur Verfügung, auf dem allein im vergangenen Jahr 9.154.000 Trassenkilometer zugewiesen wurden. „Nach den guten Erfahrungen mit dem Güterverkehrskorridor 1 freuen wir uns, nun mit attraktiven Angeboten auf zwei weiteren wichtigen Magistralen in den Markt zu gehen“, betont Oliver Sellnick, Leiter für Europäisches Korridormanagement der DB Netz AG.

„Insbesondere mit Blick auf die perspektivisch wachsenden Verkehre bieten die europäischen Korridore eine hervorragende Möglichkeit, Gütertransporte effizient auf der Schiene zu realisieren. Fahrpläne und Angebote für grenzüberschreitende Trassen können dabei einfach und exklusiv aus einer Hand bei unseren Mitarbeitern im jeweiligen Corridor-One Stop Shop eingesehen und gebucht werden.“ Der Korridor 3 „Scandinavian-Mediterranean“ verläuft als wichtige Nord-Süd-Achse von Skandinavien durch Deutschland und Österreich bis nach Italien.

Großprojekte wie die Fehmarnbelt-Querung und der Brenner-Basistunnel sind Bestandteil dieser wichtigen, über 7.000 Kilometer langen Magistrale. Die beteiligten Infrastrukturunternehmen Jernbaneverket (NO), Trafikverket (SE), Banedanmark (DK), DB Netz AG (DE), ÖBB Infrastruktur AG (AT), Rete Ferroviaria Italiana S.p.a. (IT) und das Øresundsbro Konsortiet (SE, DK) entscheiden über die Umsetzung der Maßnahmen aus der Verordnung in einem Management Board. Die Mitgliedstaaten geben die allgemeinen Ziele des Korridors mit Hilfe eines Executive Boards, bestehend aus Vertretern der Verkehrsministerien, vor.

Als bedeutende Ost-West-Route verbindet der über 6.000 Kilometer lange Korridor 8 „North Sea-Baltic“ die wichtigsten Nordseehäfen mit Mitteleuropa und den baltischen Staaten. Bis 2020 soll der Korridor sukzessive zur Polnisch-Ukrainischen Grenze sowie im Rahmen des Großprojekts „Rail Baltica“ nach Estland und Lettland verlängert werden. Das Management Board bilden auf diesem Korridor die beteiligten Infrastrukturunternehmen Infrabel (BE), ProRail (NL), DB Netz AG (DE), PKP Polskie Linie Kolejowe S.A. (PL), SŽDC (CZ), Lietuvos Geležinkeliai (LT) und die litauische Zuweisungsstelle (Valstybinė geležinkelio inspekcija prie Susisiekimo ministerijos). Das Executive Board wird wiederum durch die beteiligten Verkehrsministerien gestellt. So wird es für die Verkehrsbetreiber ohne großen Aufwand möglich, die Trassen über tausende Kilometer quer durch Europa zu buchen.

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