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National Express: Noch gut sieben Monate

29.04.15 (Nordrhein-Westfalen) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Frühling hat noch nicht richtig angefangen, da denkt niemand an Weihnachten. Dennoch, gerade wenn man bedenkt, wie schnell die Zeit seit Neujahr vergangen ist, steht die Betriebsaufnahme der National Express Rail GmbH (NX) im Dezember auf den nordrhein-westfälischen Linien RE 7 (Rheine – Köln – Krefeld) und RB 48 (Wuppertal – Köln- Bonn) unmittelbar bevor. Neue Triebfahrzeugführer, die jetzt mit ihrer Ausbildung beginnen, werden im Dezember nicht fertig sein. Die Vorbereitungen laufen jedoch bereits auf Hochtouren.

„Wir versuchen eine Mischung aus neuen, alten und Leihlokführern für den Betriebsstart im Dezember hinzukriegen“, so Geschäftsführer Wolfgang Schuster. Konkret bedeutet das, dass das Unternehmen mit Personalservicegesellschaften Rahmenverträge abgeschlossen hat, aus denen man zum Betriebsstart bis zu 35 Triebfahrzeugführer abrufen kann. Darüber hinaus gibt es Verträge mit einer zweistelligen Anzahl von Personen, die bereits ausgebildet sind und wechseln werden. „In unserer Kalkulation“, so Schuster, „gehen wir davon aus, dass wir niemanden von DB Regio werden übernehmen können, da unsere dortigen Kollegen selbst einen sehr hohen Personalbedarf haben. Wir freuen uns aber dennoch über jede Bewerbung und zwar sowohl von aktuellen Mitarbeitern der DB Regio als auch von anderen Wettbewerbsbahnen.“

Großen Wert legt man jedoch auf die Feststellung, dass man niemanden gezielt abwirbt. Das sei auch mit den Aufgabenträgern vereinbart worden, um Zugausfälle bei anderen Betreibern zu verhindern. Neben den örtlichen Jobcentern, die Partner vieler Eisenbahnverkehrsunternehmen (auch der DB AG) sind, ist vor allem die Schließung des Bochumer Opelwerkes relevant. Die Ausbildung finanziert National Express, den Lebensunterhalt die Transfergesellschaft der Adam Opel AG, die TÜV NORD Transfer. Schuster: „Wir haben aktuell einen fest angestellten Fahrlehrer für Triebfahrzeugführer und wollen auf absehbare Zeit noch einen zweiten fest einstellen.“

Auch bei der Fahrzeuglieferung ist man optimistisch: Aktuell stehen sechs von 35 Fahrzeugen auf dem Rangierbahnhof Wustermark bereit, man geht fest davon aus, dass bis Dezember alle Fahrzeuge fertig sein werden. National Express ist 2012 kurz nach dem Abellio-Urteil in den Markt eingestiegen und hat seitdem zwei große Ausschreibungen für sich entscheiden können. Ein relevanter Faktor könnte dabei der Themenkomplex Instandhaltung sein: „Die für kleinere und mittlere Netze gebauten Werkstätten sind immer nahezu gleich“, sagt Wolfgang Schuster weiter „und leiden alle an einer relativ schwachen Auslastung. Wir haben uns deshalb, wie in unserem britischen Heimatmarkt üblich, für die externe Instandhaltungslösung unserer Züge entschieden.“ Das Unternehmen hat einen entsprechenden Auftrag ausgeschrieben und DB Regio sicherte sich den Zuschlag.

Die Züge werden an den Standorten Münster und Düsseldorf beheimatet. Auch bei der S-Bahn Nürnberg, die voraussichtlich ebenfalls an National Express gehen wird (beide Lose), werden Wartung und Instandhaltung extern vergeben. Gerüchten, wonach der Fahrzeughersteller Škoda die Züge am tschechischen Standort Plzeň beheimaten würde, erteilte Schuster dabei eine klare Absage: „Rund zweihundert Kilometer von Nürnberg entfernt ist das völlig unrealistisch, entsprechende in der Branche kursierenden Gerüchte sind definitiv falsch.“ Trotz der für einen Markteinsteiger relativ hohen Zahl der gewonnen Ausschreibungen tritt man Gerüchten entgegen, mit Unterkosten- oder Markteinstiegspreisen geboten zu haben. Schuster: „Jeder Verkehrsvertrag ist über die gesamte Laufzeit hinweg auskömmlich und gewinnträchtig. Wir haben in Großbritannien einmal schlechte Erfahrungen mit politischen Preisen gemacht und werden das in Deutschland nicht wiederholen.“

Die bereits angesprochene Werkstattsituation sei hier ein entscheidender Faktor. „Drei Werkstätten mit acht Stunden täglicher Auslastung nebeneinander sind unwirtschaftlich“, so Schuster. Bei der laufenden RRX-Vergabe sei das aufgrund der Größe des Gesamtnetzes noch einmal etwas anderes, jedoch habe sich das Prinzip der externen Wartung in Großbritannien bewährt. Man wird also auch bei zukünftigen Vergaben Wert darauf legen, die Wartung extern zu beauftragen. Denn das Unternehmen plant die weitere Expansion: „Wir wollen groß werden und groß sein“, so Schuster. Auch wenn das in den nächsten Jahren erheblichen Aufwand bedeutet, die Ansprüche sind hoch.

Siehe auch: Controlling sichert Qualität

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