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EVAG legt Bilanz für 2011 vor

25.06.12 (VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Essener Verkehrs AG hat ihre Bilanz für 2011 vorgelegt. Der Verlust beträgt 33,4 Millionen Euro und entspricht der mit dem Gesellschafter und Aufgabenträger Stadt Essen vereinbarten Zielgröße. Trotzdem ist das Defizit im Vergleich zu 2010 um rund zwei Millionen Euro gestiegen. Wie sich die jährliche Kilometerfahrleistung entwickelt hat, wird nicht genannt. Der Fahrbetrieb ist komplett von der Via Verkehr übernommen worden.

Die Lohnkosten sanken u.a. infolge dessen von 99,4 Millionen Euro 2010 auf 97,9 Millionen Euro 2011. Was die EVAG nicht verrät ist dass das u.a. mit der Einführung der neuen Entgeltgruppe 5a im Tarifvertrag Nahverkehr (TVN) zusammenhängt. Bereits seit vielen Jahren werden Neueinstellungen nicht mehr nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD), sondern nach dem neuen TNV bezahlt.

2010 wurde diese um die Entgeltgruppe 5a erweitert, die Löhne für das Fahrpersonal sanken infolge dessen noch weiter – eine Entwicklung, die so weitergehen wird, denn jedes Jahr scheiden Leute mit hoher Bezahlung aus und deren Nachfolger werden zu deutlich schlechteren Bedingungen eingestellt. Damit wurde das Lohnniveau an das des Tarifvertrages für Subunternehmen mit der sogenannten „Christlichen Gewerkschaft öffentlicher Dienst und Dienstleistungen“ (GÖD) herangeführt. Es gibt allerdings keinen Arbeitsgerichtsbeschluss, der der GÖD die Tariffähigkeit abspricht. Im Rahmen des Tariftreuegesetzes wird dieser Tarifvertrag jedoch voraussichtlich nicht mehr anerkannt werden. Was das für die Finanzierung des kommunalen Busverkehrs im VRR bedeutet, bleibt abzuwarten.

Das Fahrgastaufkommen ist 2011 nicht gesteigert worden. Zur Entwicklung des Modal Split macht die EVAG in ihrem Geschäftsbericht keine Angaben. Ob auch das Gesamtverkehrsaufkommen in Essen gesunken ist oder ob der ÖPNV weniger Marktanteil hat, bleibt daher offen. Trotzdem stiegen die Fahrgeldeinnahmen – seit Jahren ist es im VRR Standard, dass die Fahrpreise deutlich über der Inflationsrate angehoben werden, manchmal sogar zweimal im Jahr.

Die EVAG investiert derzeit in 27 neue Niederflurstraßenbahnen, die einen Teil der stark veralteten M-Wagen in Meterspur ablösen soll. Die erste Rate an den Hersteller Bombardier wurde aus den Verkaufseinnahmen des Bürohauses Bredeneyer Tor finanziert. Dort hat u.a. die frühere EVAG-Expansionstochter Abellio ihre Zentralverwaltung.

Bild: Essener Verkehrs AG

Ein Kommentar

  1. Wie hoch der Kostendeckungsgrad wohl bei fairen Ausschreibungswettbewerben wäre? Man weiß es nicht. Tatsache ist aber, daß die kommuanale VGF in Frankfurt noch nie ein Wettbewerbsverfahren gewonnen hat. Die kommunalen Verkehrsbehörden können ohne Marktabschottung nicht überstehen.

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