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Pro Bahn kritisiert Fußball-affine Gewalt im ÖPNV

18.05.12 (Verkehrspolitik, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Nachdem Fußballanhänger in dieser Woche nach einem Relegationsspiel in Düsseldorf einmal mehr einen hohen Sachschaden verursacht haben, weist der Fahrgastverband Pro Bahn darauf hin, wie spürbar die Beeinträchtigungen für normale Bahnkunden sind. Gewalt und der kommerzielle Fußball sind eng miteinander verwandt – längst nicht mehr nur im Stadion, sondern auch auf dem Hin- und Rückweg.

Mittlerweile sind auch Fernverkehrszüge regelmäßig betroffen. Auch das Zünden bengalischer Feuer in Bahnhöfen von stark alkoholisierten Fußballzuschauern gehört, so der Fahrgastverband, längst zur Tagesordnung. Die Störungen verursachen hohe volkswirtschaftliche Schäden, denn die Fahrzeitverlängerungen, die durch Sachbeschädigungen Wochenende für Wochenende entstehen belaufen sich pro Zug teilweise auf über eine Stunde – vor allem Geschäftsreisende sind stark beeinträchtigt.

Aus diesem Grund fordert Pro Bahn deutlich stärkeren Polizeieinsatz, insbesondere an Bahnhöfen und in den Zügen sowie ein konsequentes Alkoholverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln. Man verweist auf den Erfolg des absoluten Alkoholverbotes der Metronom Eisenbahngesellschaft. Aber auch „erhebliche ordnungsrechtliche Mittel“, speziell im Bereich der Anreise- und Aufenthaltsverbote werden gefordert. Man verzichtet allerdings darauf, über die Finanzierungsfrage zu sprechen. Die in der Bundesliga tätigen Fußballfirmen müssen sich nicht an den Kosten, die ihre Großveranstaltungen verursachen, beteiligen.

Im Gegenteil: Erst in der letzten Woche bestellte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) trotz desolater Finanzlage zahlreiche Sonderzüge für eine groß angelegte Meisterfeier der Borussia Dortmund GmbH & Co.KGaA. Zudem wies man darauf hin, dass man Kooperationspartnerschaften mit allen Fußballfirmen aus dem Verbundraum hat, die in der ersten und zweiten Bundesliga aktiv sind. Zuschauer können daher ohne Aufpreis mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadien fahren.

7 Responses

  1. Hiermit ist der Verein Pro Bahn für mich eine Etage tiefer gerutscht, „ein konsequentes Alkoholverbot“, so ein Quatsch… Ich bin von Pro Bahn qualifizierteres gewohnt.


  2. Bahnfreund
    18.05.12 um 20:00

    Es gefällt mir garnicht, dass hier von „Fußballfirmen“ statt von Vereinen gesprochen wird!

  3. „Verein“ hat umgangssprachlich immer noch einen Anklang von Gemeinnuetzigkeit, und davon kann hier wahrlich nicht die Rede sein, waehrend in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und der damit verbundenen Kapitalismuskritik „Firma“ einen gemeinschaedlichen Anklang gefunden hat, womit „Fussballfirmen“ doch eindeutig eine angemessene und gut getroffene Wortwahl ist!


  4. Sportnihilist
    18.05.12 um 20:32

    @ Bahnfreund

    Ich will mich jetzt nicht in das Vereinsrecht stürzen, aber Borussia Dortmund ist eine Aktiengesellschaft. Auch die anderen „Vereine“ in den höheren Ligen sind mindestens eine GmbH. Und eine GmbH ist nun mal eine „Firma“.

    Das ist leider ein Problem, das mit der Professionalisierung des Sports aufgekommen ist.


  5. Bahnfreund
    19.05.12 um 01:01

    Ja, da haben sie recht. Das will ich auch garnicht anfechten dass es offiziell so heißt bloß klingt das alles sehr abstrakt und im allgemeinen spricht man eher von Vereinen, auch wenn es AGs oder GmbHs sind, und es klingt halt angenehmer. Aber ich denke das ist Ansichtsache …

  6. Der sogenannte „Profi-Sport“ ist sowieso nur eine riesige Showveranstaltung, oder wird etwa auf den Rängen Fußball gespielt? Trotzdem sind diese Firmen, wie jede andere auch, nicht für Straftaten anderer verantwortlich, wo kämen wir hin, wenn die DB für asoziale Fahrgäste verantwortlich gemacht würde und eventuell für diese zahlen müsste…

  7. @Frank: Das stimmt schon, aber vielleicht könnte ja mal überlegt werden inwiefern sie sich an den Kosten, die durch die Fans entstehen, beteilligt werden können. Das fände ich gar nicht so verkehrt.

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