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Schlüsselübergabe an die ODEG

28.11.11 (Berlin, Brandenburg) Autor:Jürgen Eikelberg

Das Berliner Stadtbahnnetz erhält ab dem 11. Dezember 2011 auf den Regionalbahnlinien zwischen Berlin-Wannsee und Jüterbog (OE33) sowie Rathenow und Brandenburg an der Havel (OE51) neue Züge. Hergestellt werden die Fahrzeuge für die Verkehrskonzerne BeNEX und NETINERA Deutschland GmbH, deren Tochtergesellschaft ODEG – Ostdeutsche Eisenbahn GmbH – die beiden Regionalbahnlinien betreiben wird.

„Wir freuen uns, dass wir mit dem GTW Gelenktriebwagen auch das Netz Stadtbahn Berlin / Brandenburg versorgen dürfen“, berichtet Michael Daum, Geschäftsführer der Stadler Pankow GmbH, ein Tochterunternehmen der Schweizer Stadler Rail Group. „Die Züge haben ihre Testfahrt in unserem Servicezentrum in Velten erfolgreich absolviert und werden fristgerecht der ODEG übergeben.“

Die sechs dieselelektrischen Gelenktriebwagen zeichnen sich durch großzügige, klimatisierte Fahrgasträume aus, die 100 Sitzplätze und 158 Stehplätze umfassen. Die Fahrzeuge ermöglichen einen umweltfreundlichen Betrieb und erfüllen neben der Brandschutzklasse I die neue EU-Crash-Norm. Mit einem Niederfluranteil von > 75 Prozent und dem Einsatz eines Schiebebretts zur Spaltüberbrückung berücksichtigt der GTW die Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Personen. „Eine Besonderheit des GTW ist das Power Modul, ein Antriebsmodul, das mittig zwischen beiden Fahrgastbereichen liegt“, erklärt Daum. „Der Fahrer sitzt aber – wie üblich – in einem der beiden Führerstände am jeweiligen Ende des Fahrzeugs.“ Hohe Beschleunigungswerte und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h gewährleisten eine schnelle Beförderung der Fahrgäste.

Die sechs GTW Gelenktriebwagen für die ODEG sind erst der Anfang. Das Unternehmen gewann die Ausschreibung der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, welches neben den Regionalbahnlinien auch den Betrieb von zwei Regionalexpresslinien umfasst. „Durch den größten Auftrag der ODEG-Unternehmensgeschichte können wir unsere Verkehrsleistung auf weiteren 7,2 Mio. Zugkilometern unter Beweis stellen und unseren Betriebsumfang somit verdoppeln“, sagt Arnulf Schuchmann, Sprecher der ODEG-Geschäftsführung. „Wir freuen uns, dies mit neuen Fahrzeugen und weiteren neuen Mitarbeitern gemeinsam umzusetzen.“

Neben den Regionalbahnlinien OE33 und OE51, die mit dem GTW im Dezember 2011 den Betrieb aufnehmen, wird die ODEG ab Dezember 2012 auch die derzeitigen Regionalexpress-Linien RE2 Cottbus–Berlin–Rathenow–Stendal und RE4 Jüterbog–Berlin–Wittenberge–Wismar mit 16 vierteiligen elektrischen Stadler-Doppelstocktriebzügen des Typs KISS versorgen. Ab Dezember 2011 wird die ODEG zudem die Regionalbahn-Linie OE35 zwischen Fürstenwalde (Spree) und dem Haltepunkt Bad Saarow Klinikum mit einem fabrikneuen RegioShuttle RS1 der Stadler Pankow GmbH betreiben. Schuchmann ergänzt: „Durch die gewonnene Ausschreibung von Netz Stadtbahn Berlin / Brandenburg gelingt uns der betriebliche Brückenschlag zwischen unseren Betriebsgebieten Berlin-Brandenburg, Süd-Mecklenburg und der Lausitz.“

Der Gelenktriebwagen GTW von Stadler ist im europäischen Schienennahverkehr eine der meistverkauften Vollbahnen. In Deutschland ist der GTW u. a. bei der Kurhessen- und Dreieichbahn sowie der Usedomer Bäderbahn im Einsatz. Auf internationaler Ebene fährt er in der Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien, den Niederlanden, der Slowakei, Spanien und den USA.

Bild: ODEG

2 Responses

  1. Der Begriff Stadtbahn klingt für Berliner (und Brandenburger) etwas befremdlich. So bedient OE 51 einen Teilabschnitt der einst privaten Brandenburgischen Städtebahn – damalige Gesamtstreckenführung: Neustadt (Dosse) – Rathenow – Brandenburg (Havel) – (an Belzig knapp vorbei) Treuenbrietzen. Andererseits hat die Linie OE33 mit diesen Strecken nichts zu tun, außer dass sie eben auch Treuenbrietzen berührt. Die Strecke Beelitz Stadt – Treuenbrietzen – Jüterbog führte früher in der nördlichen Komplettierung von Potsdam über Caputh nach Beelitz. Dieser nördliche Streckenabschnitt wird heute von einer Regionallinie zum Flughafen Schönefeld bedient.

    Der Begriff Stadtbahn ist hier historisch belegt durch die Verbindung zwischen Charlottenburg und Schlesischem Bahnhof (heute: Ostbahnhof) im Stadtgebiet von Berlin.

  2. Die Verantwortlichen bei den Aufgabenträgern haben das Vergabenetz auf den Namen Stadtbahn getauft, aus unserer Feder stammt die Bezeichnung nicht.

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