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Ein Erfolgsmodell wird weiter geführt

30.11.11 (VRR) Autor:Jürgen Eikelberg

Für einen symbolischen Preis von einer Deutschen Mark kauften 1998 die Städte Düsseldorf und Kaarst sowie die Kreise Mettmann und Rhein-Kreis-Neuss unter Beteiligung der Stadtwerke Neuss und Stadtwerke Wuppertal die Bahnstrecken von Neuss nach Kaarst und von Düsseldorf-Gerresheim über Mettmann nach Dornap-Hahnerfurt und brachten sie in das zuvor gegründete Unternehmen „Regiobahn“ ein. Nach umfangreichen Sanierungen wurde am 26. September 1999 der Betrieb aufgenommen. Nach 500 Fahrgästen am Tag im letzten Betriebsjahr der Deutschen Bahn wurden 23.450 Kunden täglich im Jahre 2011. Grund genug, diese Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben.

Nach EU-Recht müssen Verkehrsverträge europaweit ausgeschrieben werden, das ist spätestens seit dem Abellio-Urteil klar. Doch hier liegt der Fall etwas komplizierter. Sowohl die Fahrzeuge, als auch die Werkstatt sind von Land gefördert worden, zudem sind die Fahrzeuge Sonderanfertigungen, die heute nicht mehr hergestellt werden können. Außerdem haben die Fahrzeuge ihre wirtschaftliche Nutzungsdauer noch nicht erreicht. Bislang erfolgte der Betrieb der S28 durch eine so genannte Auferlegung seitens des VRR.

Dennoch wird die Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft mbH auch nach dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 die S-Bahn Linie S 28 weiter betreiben. Vertragliche Grundlage dafür ist ein sogenannter Inhousevertrag, den die VRR AöR in Gelsenkirchen mit der Regiobahn bei einer Laufzeit von 10 Jahren (12/2011-12/2021) und einem Leistungsvolumen von rund 1,2 Mio. Zugkilometern im Jahr abgeschlossen hat. Voraussetzung eines solchen Vertrages sind u.a. identische Gesellschafter sowie der unmittelbare Einfluss der VRR AöR auf die Entscheidungen der Regiobahn über die direkte Vertretung in den Aufsichtsgremien sowie durch die Abordnung eines eigenen Geschäftsführers.

„Es handelt sich um eine bemerkenswerte Vertragsgestaltung – juristisch sicher gestaltet und für beide Partner wirtschaftlich ausgewogen. 2011 ist somit ein wichtiger Meilenstein in der fast 20 jährigen Geschichte der Regiobahn“ freut sich der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Christian Will.

„Damit hat die Regiobahn auch in der Zukunft einen festen Platz in der Unternehmenslandschaft des VRR. Für die Fahrgäste bleibt es bei einem verlässlichen Partner mit einem weit überdurchschnittlichen Qualitätsniveau“ so Martin Husmann, Sprecher des Vorstandes der VRR AöR und maßgeblicher Architekt des neuen Vertragsmodells.

Die Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft mbH hat schon zu Beginn ihrer Tätigkeit einen Subunternehmer mit der Gestellung von Triebfahrzeugführern beauftragt. Die heute zur Veolia-Gruppe gehörende Rheinisch-Bergische- Eisenbahn hat parallel dazu nach einer europaweiten Ausschreibung für weiter zehn Jahre den Zuschlag für die Subunternehmerleistung erhalten.

„Die bisher erfolgreiche 12-jährige Zusammenarbeit zwischen Regiobahn und RBE wird in den nächsten Jahren fortgesetzt. Mit unserer Unterstützung kann die Regiobahn auch in Zukunft schlank und ohne großen Overhead geführt werden“ hebt Hark Neumann, Prokurist der RBE hervor.

Die Verhandlungen über die lange geforderte Verlängerung nach Wuppertal erscheinen aussichtsreich. Und damit auch für die Sanierung der Güterverkehrsstrecke zu den Kalkwerken nach Dornap-Hahnerfurt.

Der Planfeststellungsbeschluss (Baugenehmigung) wurde im August 2009 durch die Bezirksregierung erteilt. Der Beschluss hat eine Gültigkeit von 10 Jahren. Die Finanzierung der jährlichen Betriebskosten für den Regiobahnbetrieb von Mettmann-Stadtwald – Wuppertal Hbf ist noch nicht entschieden. Die Entscheidung darüber soll jedoch noch im Dezember 2011 im Verkehrsministerium NRW erfolgen.

Ob es einen positiven Bescheid aus dem Verkehrsministerium in Düsseldorf für die jährlichen Betriebskosten geben wird, ist jedoch fraglich. Dieser Zuschuss müsste nämlich aus Landesmitteln gewährt werden. Für gewöhnlich fordert Horst Becker (Grüne) in solchen Fällen gerne höhere Bundesmittel aus den Regionalisierungsgeldern.

Erst nach dieser Entscheidung kann die Regiobahn eine Ausführungsplanung für den Bau der Strecke beauftragen. Nach Fertigstellung der Bauplanung kann mit der Ermittlung der Baukosten und der Beantragung einer Baufinanzierung beim VRR AöR erfolgen. Die Baukosten werden auf rund 40 Millionen Euro geschätzt.

Im Planfeststellungsverfahren wurden Landschaftspflegerische Begleitarbeiten auferlegt. Hier sind auf der Halde Hahnenfurth mehrere bestehende Biotope umzulagern und die neu zu erstellenden Biotope mindestens 2 Fortpflanzungsperioden (Kreuzkröte, Geburtshelferkröte) ruhen zu lassen, bevor die alten Biotope für die Gleisbauarbeiten entfernt werden dürfen. Dieser Umstand wird die Bauzeit beeinflussen. Mit Fertigstellung des Ausbaus könnte im Dezember 2014 gerechnet werden.

Auch eine Verlängerung der S28 über Kaarst hinaus nach Viersen bzw. Venlo wird schon lange gefordert. Grundsätzlich ist man dabei auch mit dem Kreis Viesen und der Stadt Willich gemeinsam bereit.

Die standardisierte Bewertung Regiobahn wurde durch das Ingenieurbüro TÜV Rheinland Grebner Ruchay Consulting GmbH im GJ 2010 erstellt. Der Kosten-Nutzen-Indikator für die Verlängerung bis zum Bahnhof Venlo wurde mit einer Kennzahl von 2,14 dargestellt. Eine neue Berechnung der Regiobahnverlängerung nur bis zum Bahnhof Viersen wurde im November 2011 mit der Kennzahl 1,49 durch das Ingenieurbüro bewertet. Eine Betriebskostenberechnung für diese Strecke wird noch durch die Regiobahn erstellt.

Die angesprochene Strecke ist im Gebietsentwicklungsplan enthalten und ist im Koalitionsvertrag in den Gremien des VRR zwischen CDU und B`90/Grüne als politisches Ziel aufgeführt. Im Landesverkehrsplan NRW und im Nahverkehrsplan ist die geplante Verlängerung noch nicht enthalten.

Ziel ist es, die Politik dazu zu bewegen, analog zum Fall der Regiobahn-Erweiterung nach Wuppertal, eine zusätzliche Finanzierung der Betriebskosten durch das Land/VRR zu erwirken.

Der Kreis Viersen mit Beteiligung der Städte Viersen und Willich müssen eine Entscheidung hinsichtlich der Übernahme der Betriebskosten erwirken.

Doch wann – und ob – es zu einer Verlängerung über Viersen bis nach Venlo kommt, steht nun wirklich in den Sternen.

Bild: Stefan Hennigfeld

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