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Der Müngstener steht weiter still – Kann man das Aboticket kündigen?

02.02.11 (VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Sperrung der Müngstener Brücke dauert länger und länger, seit November mittlerweile. Im März soll sie wieder befahrbar sein – frühestens. Für Pendler bedeutet das eine extreme Verschlechterung der Verkehrssituation. Der Busersatzverkehr verlängert die Fahrzeit ganz massiv, ebenso der „Umweg“ durch Wuppertal – und zwar auch dann, wenn diese längere Fahrt nicht extra kostet. Deshalb stellen sich vor allem Abokunden die Frage, ob und wie man das Ticket außerordentlich kündigen kann. Wer nicht zum Spaß mit dem Zug fährt, sondern weil er zur Arbeit, zur Schule oder zur Ausbildung muss, der ist auf einen zuverlässigen Betrieb angewiesen.

Wer nur zwischen Remscheid und Solingen pendelt, der hat in der Regel ein VRR-Aboticket. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Ticket von DB Regio, den Stadtwerken Solingen (SWS) oder den Stadtwerken Remscheid ausgestellt wurde – die Tarifbedingungen sind im ganzen VRR-Geltungsbereich die gleichen.

So kann man das Ticket jederzeit mit einer Frist von sechs Wochen ordentlich kündigen, wenn das Abo bereits mindestens ein Jahr bestand. Im ersten Jahr ist eine Kündigung regulär nur möglich, wenn man für die Monate, die das Abo bestand, die Differenz zwischen dem regulären Monatspreis und dem verbilligten Abopreis bezahlt.

Diese Regelung gilt auch für Leute, die z.B. aus Remscheid nach Leverkusen, Köln oder Bonn pendeln. Für solche Bahnkunden kommt zwar der VRS-Tarif zur Anwendung, der jedoch im Hinblick auf Aboregelungen und deren Kündigung dem VRR-Tarif gleicht.

In § 313 BGB ist eine außerordentliche Kündigung vorgesehen, wenn die Geschäftsgrundlage gestört wird oder wegfällt. Das könnte bei der ungeklärten Situation der Müngstener Brücke durchaus der Fall sein. Wenn man also außerordentlich kündigen will, wäre das eine mögliche Begründung. Wenn das Verkehrsunternehmen die Kündigung annimmt, ist man fein raus.

Sollte das Verkehrsunternehmen die Kündigung jedoch nicht anerkennen, muss man sich die Frage stellen, ob man es bei einem relativ geringen Streitwert wirklich auf ein Gerichtsverfahren ankommen lassen möchte, oder ob es nicht einfacher ist, den jeweiligen Differenzbetrag zu bezahlen.

Denn dann kommt man ohne Rechtsberatung und individuelle Betreuung nicht weiter. Dem Vernehmen nach jedoch werden Kunden auf dieser Relation jedoch aus den Abotickets rausgelassen – aus Kulanz, wie es heißt. Was aus PR-Sicht deutlich besser ist, als einen Prozess zu verlieren. Und auch billiger.

Nichtsdestotrotz gibt es Situationen – und die jetzige auf der Müngstener Brücke ist so eine – die für Fahrgäste nicht akzeptabel ist. Da ist selbst der tägliche Stau auf der A 1 und dem Kölner Ring das kleinere Übel. Und während der Zug in Solingen-Schaberg endet, haben Autofahrer damit kein Problem. Freie Fahrt für freie Bürger. Aber leider nicht mit der Bahn.

5 Responses


  1. dbfan_2011
    02.02.11 um 16:51

    Auf dem gesperrten Streckenabschnitt gibt es ja Schienenersatzverkehr. Dadurch dauert die Fahrt zwar länger, aber Sicherheit hat die höchste Priorität. Wenn bei jeder Baumaßnahme die Preise der Abo-Tickets (teilweise) erstattet werden, hätte die DB ja gar keinen Gewinn mehr dadurch. Also muss man halt früher losfahren. Ist doch kein Drama, oder?


  2. Anti DB AG
    02.02.11 um 18:19

    Ist doch kein Drama, oder?

    Nur so Trainspotter wie du tun sich täglich die Fahrzeitverlängerung und die Umsteigerei an. Kein PKW-Besitzer nutzt unter den Umständen freiwillig die Bahn.

    Sicherheit hat die höchste Priorität

    Deutsche Bahn und Sicherheit? Wie war das in Hordorf mit der fehlenden PZB-Ausrüstung. Die Müngstener Brücke hat man jahrelang vergammeln und rosten lassen. Erst jetzt wo das Eisenbahnbundesamt Druck macht wird etwas getan.


  3. Jürgen E.
    02.02.11 um 20:09

    @ dbfan_2011

    Du hast den Sinn der Artikels nicht verstanden. Kunden, die sich ihre Monatskarte jeweils am 1. des Monats in einem Kundenzentrum oder einer anderen Verkaufsstelle holen, können von Fall zu Fall entscheiden, ob sie das Angebot annehmen oder nicht. Bei einem Abovertrag wird aber automatisch am 1. eines Monats der Betrag für die Monatskarte vom Konto abgebucht. Es geht also lediglich darum, ob Kunden mit einem Abovertrag diesen vorzeitig bzw. außerordentlich kündigen können, weil sie angesichts der durch den Schienenerstatzverkehr verlängerten Fahrtzeiten nicht doch lieber das eigene Auto benuzten wollen.

    Ob verlängerte Fahrtzeiten ein Drama für die Betroffenen sind, solltest Du aber besser diesen einzelnen Leuten persönlich überlassen. Was für Dich vielleicht ein willkommener Spaß sein mag, wäre für mich eine Katastrophe.


  4. Autofahrer
    22.04.11 um 11:12

    Tja, die Müngstener Brücke ist wieder frei. Aber mir ist es egal. Mich hab die Bahn für alle Zeiten als Kunde verloren. Mein Ticket ist gekündigt, ich fahre wieder mit dem Auto.

  5. Und auch zurecht. Ich persönlich habe zwar schon lange kein Aboticket mehr, weil die Arbeit der Bogestra unter aller Sau ist, aber auch hier muss man rigoros kündigen!

    Es ist bedauerlich, dass der vermeintliche „Fahrgastverband“ Pro Bahn sich einen Dreck für die Interessen derer interessiert, die genug haben und wieder aufs Auto umsteigen. Pro Bahn ist dadurch nichts anderes mehr als Teil der riesigen Bahnlobby – zentrales stetig wiederkehrendes Argument der Bahnlobby ist übrigens die gelogene Behauptung, die Bahn habe keine Lobby. Im Gegenteil!

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