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Starkes Chaos statt starker Schiene

04.08.22 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Zurecht wird dieser Tage eine organische Fortsetzung des Neun-Euro-Tickets gefordert. Es wäre schade, wenn man Ende des Monats zum Status Quo ante zurückkehren würde und alles sähe aus, als hätte es dieses in der Eisenbahngeschichte einmalige Aktionsangebot niemals gegeben. Dennoch braucht man gerade jetzt, trotz Urlaubszeit und hohem Krankenstand, eine verlässliche S-Bahn.

Natürlich hat DB Regio viele Leistungen erst Ende Januar kurzfristig übernommen, aber das Unternehmen hat sich aus freien Stücken auf die Übergangsvergaben beworben und möchte durch das Ausscheiden von Abellio Rail NRW seinen eigenen Marktanteil zwischen Rhein und Weser erhöhen. Dafür muss man aber auch in der Lage sein, die Aufträge auszuführen. Dass wie am vorvergangenen Wochenende der S-Bahnverkehr nahezu vollständig eingestellt wird, geht einfach nicht.

Selbst in Zeiten, in denen die alte Behördenbahn komplett abgewirtschaftet hatte, war der S-Bahnverkehr in den Metropolen stets von solcher Priorität, dass er gelaufen ist. Einzelne Zugausfälle wegen Personalmangel mögen ja noch vertretbar sein, zumindest wenn man mittel- und langfristig die Personalbestände aufstockt, aber dass man gerade jetzt zu einem ausgedünnten Sonderfahrplan übergeht, ist das Gegenteil von guter Werbung für die Eisenbahn.

In der kommenden Woche enden zudem die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen, das heißt dass nicht nur der Schülerverkehr wieder anläuft, sondern viele Berufspendler kehren aus dem Urlaub an ihren Arbeitsplatz zurück und müssen verlässlich von A nach B kommen. Hier es richtig, dass die Aufgabenträger auch öffentlich sagen: So geht es nicht, hier muss was passieren. Wenn man so eine Vorstellung präsentiert bekommt, da ist es nicht genug, hinter den Kulissen zu sprechen, sondern da muss die betroffene Öffentlichkeit sehen, dass es Konsequenzen hat und dass etwas passiert.

Auch der neue Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) gerät hier gleich in seinen ersten Amtswochen in eine Eisenbahnkrise hinein, um die er sich aber kümmern muss. Denn natürlich sind chaotische Zustände bei der Eisenbahn auch dann ein Problem der Landespolitik, wenn die Legislaturperiode gerade erst angefangen hat und die Koalition aus CDU und Grünen in dieser Anfangsphase nur ungern mit solchen Problemen assoziiert werden möchte

Wenn dann noch in Düsseldorf eine Polizeimeldung dazukommt, dass man einen nahezu schrottreifen Bus aus dem Schienenersatzverkehr rausgezogen und die Weiterfahrt untersagt hat, dann ist das Chaos perfekt. Natürlich kommt auch der Busverkehr an seine natürlichen Grenzen: Weder Busse noch Busfahrer gibt es unbegrenzt und wenn die Eisenbahn parallel zu ihren erheblichen Bauaktivitäten auch noch ungeplante Zugausfälle wegen fehlender Triebfahrzeugführer dazukommen oder ganze Linien wegen nicht besetzter Leitstellen plattgemacht werden, dann kommt man auch hier an die natürlichen Grenzen. Dennoch setzt dieser Schrottbus in Düsseldorf dem ganzen nochmal die Krone auf.

Siehe auch: Massive Zugausfälle bei DB Regio NRW
Foto: Deutsche Bahn AG / Georg Wagner

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