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Bonn: Bilanz der Stellwerksumstellung

30.08.22 (NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Vor zweieinhalb Jahren ist eines der größten Infrastrukturprojekte von SWB Bus und Bahn in Bonn gestartet. Trotzdem haben die Fahrgäste bis zur Endphase im August kaum etwas davon mitbekommen. Auf der Stadtbahnstrecke zwischen Bonn Hauptbahnhof und Ramersdorf sind mehr als 200 Kilometer Kabel verlegt, 66 Weichen eingebaut und rund 230 Signale installiert worden. Siemens Mobility und die Stadtwerke-Tochter SWB Bus und Bahn haben jetzt Bilanz gezogen.

Nach vierzig bis fünfzig Jahren hat die alte Stellwerkstechnik ausgedient. Drei neue Stellwerke sind in den Bereichen Bonn Hauptbahnhof, Bundesrechnungshof und Ramersdorf in Betrieb genommen worden. „Die neue Technik ist weniger störanfällig und wir können sicher sein, dass Ersatzkomponenten langfristig dafür erhältlich sind. Dank der elektronischen Stellwerke verfügen wir über ein zukunftssicheres System, mit dem mehr Fahrzeuge durch das Streckennetz geleitet werden können“, fasst Anja Wenmakers, Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn, die Vorteile zusammen.

Stellen, an denen der Fahrbetrieb unterbrochen werden muss, sei es durch ein liegengebliebenes Fahrzeug, aufgrund eines Notarzteinsatzes oder während Arbeiten im Streckennetz, können jetzt einfacher über das Gegengleis umfahren werden. Für die Fahrgäste bedeutet das mehr Komfort und weniger Bahnersatzverkehr. „Dadurch, dass wir zusätzliche Signale installiert haben, verkürzt sich die Zeit in einigen Teilabschnitten, in denen Bahnen aufeinander folgen können“, erläutert Daniel Stecher, Bereichsleiter Fahrwege bei SWB Bus und Bahn.

„Die von uns in Bonn integrierte Technik bietet den höchsten Sicherheitsstandard, mehr als 99 Prozent Verfügbarkeit und verbessert so den Service für die Fahrgäste“, betont Heiko Müller, Leiter Nahverkehr Deutschland bei Siemens Mobility. „Siemens Mobility ist stolz, dass wir, zusammen mit den Stadtwerken Bonn, dieses Projekt, das komplett unter Corona-Bedingungen durchgeführt worden ist, pünktlich übergeben.“

Die Fachleute berichteten im Bilanzgespräch von den Auflagen, die gemacht wurden, um das vor Ort tätige Personal vor Infektionen zu schützen. Pläne und Absprachen sind deshalb auch weitgehend online erfolgt. Gearbeitet wurde während der zweieinhalb Jahre vor allem nachts, wenn keine Bahnen unterwegs waren. So konnte der Verkehr während der gesamten Montagezeit rollen. Unterbrochen wurde er lediglich während der Inbetriebnahme vom 2. bis 10. August 2022. Insgesamt handelt es sich um ein Projektvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Der Zweckverband Nahverkehr Rheinland bezuschusst die Arbeiten mit Fördersätzen zwischen 40 und 68 Prozent. In den kommenden Jahren werden sukzessive vier weitere Stellwerke in Bonn, Königswinter und Sankt Augustin modernisiert. Auch hier soll der Verkehr weitgehend aufrechterhalten werden. „Mein Dank gilt den Fahrgästen, die in dieser Zeit auf wechselnden Bahnersatzverkehr umgestiegen sind“, so Anja Wenmakers.

Foto: Stadtwerke Bonn / Meike Böschemeyer

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