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Gute Jobs für gute Leute

06.09.18 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Alle reden von der Personalsituation und zum Beginn des Ausbildungsjahres muss man darauf hinweisen, wie wichtig der frühzeitige Kontakt mit guten potentiellen Bewerbern ist. Gerade bei der DB AG hat man erkannt, dass man den Luxus, alle möglichen Leute wegen Nichtigkeiten aussortieren zu können, nicht mehr hat. Nur weil einer im Anschreiben holprig formuliert und vielleicht sogar einen Kommafehler hat, ist er nicht per se ungeeignet, um als Lokomotivführer zu arbeiten.

Und nicht jeder, der in jungen Jahren Stress mit der Freundin hat und deshalb seine Lehre abbrechen möchte, ist deshalb für immer verloren. Ja, entsprechende sozialarbeiterische Begleitung kann oft dafür sorgen, dass jemand weitermacht – und dem Konzern damit bis zur Rente erhalten bleibt. Die Zeiten, dass man aus einem riesigen Bewerberwust die besten heraussuchen kann und alle anderen werden mit maximaler Arroganz aussortiert, sind vorbei.

Die Zahl der Schulabgänger sinkt und die Baby-Boomer gehen reihenweise in den Ruhestand. Und auch was die Erwachsenen-Ausbildung betrifft, so kann man längst nicht mehr aus dem Vollen schöpfen. Es gab eine Zeit, da haben gerade die Wettbewerbsbahnen davon profitiert, dass die zuständigen Sozialleistungsträger im großen Stil die Ausbildung Langzeitarbeitsloser finanziert haben.

Das ist auch heute noch eine legitime Säule in der Personalgewinnung. Aber eben nur noch eine von vielen: Durch die bessere Konjunktur ist es in vielen Bundesländern schlicht nicht mehr möglich, darauf zu hoffen, Arbeitslose einzustellen. In manchen Regionen der Republik herrscht faktisch Vollbeschäftigung und die paar Arbeitslosen, die es noch gibt, sind 1. zu wenig und 2. in manchen Fällen aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht oder nicht mehr in der Lage, in ein Arbeitsverhältnis einzutreten.

Also muss man anderweitig nach Personal gucken. Dazu gehört, dass man frühzeitig Schulpartnerschaften ins Leben ruft, um Kontakt mit potentiellen guten Bewerbern zu kriegen. Und ja, auch die selbstfinanzierte Ausbildung ist wichtig. Manch einer ist vielleicht in einer unzufriedenen beruflichen Situation und würde gerne Lokomotivführer werden – kann aber nicht, weil er nicht arbeitslos ist und somit auch keiner für die Ausbildung bezahlt.

Unternehmen, die motivierte und erfahrene Leute auf eigene Kosten ausbilden, die haben am Ende auch die loyaleren Mitarbeiter. Wer sich als Arbeitgeber von Anfang an fair zeigt, der bekommt diese faire und loyale Behandlung in der Regel auch von seinen Leuten zurück. Die Zeiten, dass die Mitarbeiter nur als Kostenfaktor gesehen werden und dass man mögliche Sparmaßnahmen durch Arbeitsplatzabbau realisieren muss, sind vorbei.

Heute sind die Mitarbeiter keine Kostenpunkte mehr, sondern das entscheidende Humankapital beim Erfolg des Unternehmens. Dass hier in den letzten Jahren ein Wandel in der Wahrnehmung stattgefunden hat, ist ein Grund zur Freude – nicht nur in der Eisenbahnbranche, sondern insgesamt in unserer Gesellschaft. Denn ohne seine Menschen ist ein Unternehmen gar nichts.

Siehe auch: Ausbildungsstart in der ÖV-Branche

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