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London: Debatte um Uber-Verbot

29.09.17 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Die Verkehrsbehörde Transport for London (TfL) weigerte sich vergangene Woche, die Ende September auslaufende Betriebserlaubnis für den app-basierten Fahrdienst Uber in London zu verlängern. Das Unternehmen habe sich als untauglich für den Betrieb eines öffentlichen Fahrdienstes erwiesen, so dass im Interesse der öffentlichen Sicherheit der zukünftige Betrieb zu untersagen sei.

Als Gründe wurden unter anderem ein mangelhafter Umgang mit Kriminalität unter den Fahrern sowie der Einsatz der Software Greyball genannt, mit der die Nutzung durch behördliche Testkunden festgestellt und automatisch unterbunden werden sollte. Uber hat, vertreten durch die internationale Anwaltskanzlei Hogan Lovells, mittlerweile Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt.

Diese hat aufschiebende Wirkung, so dass Beobachter davon ausgehen, dass Uber den Dienst in der britischen Hauptstadt zumindest noch ein weiteres Jahr betreiben kann. Am vergangenen Montag wurde durch den erst im vergangenen Monat ernannten Uber-Chef Dara Khosrowshahi ein offener Brief veröffentlicht, in dem er bei den Londonern für „Fehler, die wir gemacht haben“ um Entschuldigung bat.

Khosrowshahi erklärte, „im Interesse von Millionen Londonern“ halte man am Widerspruch fest, „wir müssen uns aber verändern“. Weiter: „Wir werden nicht perfekt sein, aber wir werden Ihnen zuhören; wir werden anstreben, langfristige Partner von den von uns bedienten Städten zu sein und unser Geschäft mit Bescheidenheit, Integrität und Passion betreiben.“

Auf Twitter erklärte er: „Wir sind weit von der Perfektion entfernt, haben aber 40.000 lizensierte Fahrer und 3.5 Millionen Londoner sind von uns abhängig. Bitte arbeitet mit uns, um Dinge richtig zu machen.“ Mittlerweile haben über 800.000 Menschen eine Pro-Uber-Petition auf der Seite change.org unterschrieben, welche den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan (Labour) auffordert, die Entscheidung von TfL zu revidieren.

Die britische Tagespresse nimmt auch vermehrt die Position von Verbrauchern und Uber-Fahrern ein, anstelle einseitig der Politik und den alteingesessenen Taxiunternehmen zu folgen. Die konservative Tageszeitung Daily Telegraph veröffentlichte am Mittwoch einen Kommentar der Schriftstellerin Allison Pearson mit dem Titel „Als junge Frau ein Taxi nehmen war früher ein gefährliches Geschäft“, in dem die Londoner Entscheidung harsch kritisiert wird.

David Sinclair, selbst seit zehn Monaten Uber-Fahrer, beklagte im Magazin Spectator Bürokratie und schikanös wirkende amtliche Interventionen. „Durch das Verbot von Uber bekämpft London die Zukunft“, so Sinclair. Andererseits fordern auch in anderen Regionen Taxiunternehmer mittlerweile ein Verbot des Uber-Betriebs. So verwies Stephen Flynn, Vorsitzender des Vorstandes der Glasgow Taxis Limited, auf die von seinen Fahrern bestandenen Ortskunde- und Kundenserviceprüfungen der Stadt Glasgow.

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