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Diesel-Hybrid ist Brückentechnoligie und trotzdem erfolgreich

16.06.12 (VRR) Autor:Jürgen Eikelberg

Mit 30 Millionen Euro förderte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) von 2009 bis 2011 die Anschaffung von Linienbussen mit Hybrid-Antriebstechnologie durch die Verkehrsunternehmen in der Region. Mit dabei waren 16 Unternehmen, darunter auch ein privater Vertragspartner, die TRD-Reisen, die neben Reisebussen mit eigenem Angebot auch als Auftragnehmer für die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) mit 19 Linienbussen im Einsatz sind. Zeit, einmal Bilanz zu ziehen.

Am 15. Juni 2012 trafen sich auf dem Betriebshof der SWK STADTWERKE KREFELD mehr als 120 Politiker, ÖPNV-Praktiker, Medien- und Branchenangehörige, um den aktuellen Stand der Hybridtechnologie zu diskutieren und über 20 Hybridbusse aus dem Verbundraum in der Praxis zu erleben. NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger und Dr. Veit Steinle, Abteilungsleiter beim Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erläuterten strategische Ziele und Planungen ihrer Häuser. Martin Husmann, VRR-Vorstandssprecher, zog ein positives Fazit zum Förderprogramm.

„Das Land Nordrhein-Westfalen ist als verkehrsreichstes Bundesland höchst interessiert daran, den Verkehr ökologisch und wirtschaftlich zukunftsfähig zu entwickeln. Projekte wie die Hybridbusflotte im VRR markieren einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg“, betonte NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger. Er dankte für das große Engagement des Verkehrsverbunds, der sechzehn Verkehrsunternehmen und der fünf Hersteller. Dr. Steinle vom Bundesverkehrsministerium stellte den aktuellen Stand des Förderschwerpunktes Elektromobilität in Modellregionen dar: „Durch erfolgreiche Einzelprojekte wie der Hybridbuseinsatz im VRR, der in die Modellregion Rhein-Ruhr eingebunden ist, wird der Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität mit Leben und technischen Erfolgen gefüllt. Der ÖPNV ist ein vielversprechendes Einsatzgebiet für die Elektromobilität. Dies hat der VRR mit der Modellregion Rhein-Ruhr eindrucksvoll bewiesen. Deshalb wird die Bundesregierung dieses Thema auch weiterhin engagiert begleiten.“

Aus Sicht des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr bewertete der Vorstandssprecher Martin Husmann das Projekt positiv: „Wir haben mit der Hybridbusförderung unsere Zielsetzung erreicht: Die Fahrzeuge sind nahe an der Serienreife, der Markt hat sich überaus positiv und dynamisch entwickelt. In der anstehenden Konsolidierungsphase muss sich die Brückentechnologie hin zu einem Busantrieb ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe noch weiter bewähren. Der VRR wird auch weiterhin die Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien beobachten und gegebenenfalls zielorientiert fördern.“

Gastgeber Carsten Liedtke, Sprecher des Vorstands der SWK STADTWERKE KREFELD, war über die zahlreichen Besucher und deren Wissensdurst sehr erfreut. „Hier in Krefeld gehören Hybridfahrzeuge schon zum Straßenbild, sei es als Linienbus oder Abfallsammler, unsere Erfahrungen und auch die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung geben wir hier gerne weiter. Neue Technologien wie die Hybridtechnik lassen sich am besten in der gemeinsamen Diskussion bewerten und weiterentwickeln. Wir freuen uns, bundesweit an der Spitze dieser Entwicklung zu stehen und werden diesen Weg konsequent verfolgen.“

Krefeld setzt auch bei der Abfallentsorgung auf Hybrid-Antriebstechnologie. Dies habe dazu geführt, dass die Mitarbeiter die Leute raus klingeln müssen, weil sie das Müllauto nicht mehr hören, berichtete Voigstberger, der sich auf Gespräche mit Müllwerkern in Krefeld beruft.

Eingesetzt werden Busse von vier Herstellern, die sich in ihren Konzepten grundsätzlich unterscheiden. Mercedes-Benz, MAN, Solaris und Hess/Vossloh. Ein fünfter Hersteller, Volvo, ein Exemplar wurde von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu Demonstrationszwecken ausgeliehen, ist zwar auch im Markt, aber im VRR noch nicht vertreten. Je nach Konzept und Linienanforderungen unterscheiden sich die Fahrzeuge auch in der Ersparnis an Treibstoff und Emissionen. Das Projekt wurde auch wissenschaftlich begleitet. Hierbei wurde auch die Kundenakzeptanz untersucht, die durchweg positiv ausfielen. Besonders die fehlenden Geräuschmissionen vielen positiv auf.

Durch dieses Förderprogramm ist die Nachfrage nach Hybrid-Antriebstechnologie gestiegen, auch international.

Bild: Jürgen Eikelberg

3 Responses


  1. Hybridfan
    16.06.12 um 11:31

    Volvo ist sehr wohl im VRR vertreten: Die explizit erwähnte Firma TRD-Reisen setzt zwei Hybridbusse von Volvo ein.

  2. Ich kann den Begriff „Brückentechnologie“ nicht mehr hören: Er impliziert, dass er nur ein Zwischenschritt zur finalen Lösung wäre. Dabei zeigt doch die (nicht nur Technik-)Geschichte, dass es immer Fortschritt gibt und das, was heute als Lösung aller Probleme gesehen wird, in 20, 30 Jahren schon wieder „nur ein Zwischenschritt“ war. Im Begriff „Brückentechnologie“ schwingt für mich immer etwas Technik- und Fortschrittsfeindliches mit. Wer weiß? Vielleicht sagen wir eines Tages: „Reine Elektrofahrzeuge haben sich nicht als praxistauglich herausgestellt, wir bleiben bei Hybridfahrzeugen.“ Oder wir sagen: „Wir haben vor 30 Jahren auf 100 % erneuerbare Energien geplant und doch dabei gewusst, dass sie nachts bei Flaute nur in geringem Umfang unmittelbar anfällt. Jetzt nutzen wir wieder Kraftwerke, die nach unserem Willen elektrische Energie erzeugen.“

  3. @ Max

    Schon heute wissen wir, dass das Erdöl irgendwann zu Ende ist. Das werden wir zwar nicht mehr erleben, aber darauf muss man vorbereitet sein. Dann ist ein Diesel-Hybrid nicht mehr „zeitgemäß“.

    Darum macht man sich schon heute Gedanken, wie man den Strom für die Busse erzeugt, ohne gleich Millionen Kilometer Fahrdraht zu ziehen. Ob es dann die Brennstoffzelle oder Wasserstoff sein wird, wird man sehen.

    In so fern ist der Begriff „Brückentechnologie“ schon angebracht.

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