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111 Jahre Elektrische in Cöln

17.06.12 (NVR) Autor:Jürgen Eikelberg

Am 15. Oktober 1901 schrieb der Kölner-Stadtanzeiger:

Schon in aller Herrgottsfrühe fanden die schmucken Wagen ihre Passagiere. Die Physiognomien der auf den Plattformen stehenden Fahrgäste zu beobachten, hatte seinen eigenen Reiz. Auf allen Gesichtern lag ein gewisser „verklärter Zug“, vom stolzen „civis Clonienis sum“ bis zur intimen Empfindung des Vergnügens an der jetzt endlich verwirklichten Fahrt mit „der Elektrischen“. Alle Welt freute sich über die verhältnismäßig sanften Fahrt, von Stößen und Räderlärm freien Lauf der Wagen und über ihre ebenso geschmackvolle als bequeme Einrichtung, bei der einer der Hauptvorzüge auch darin bestand, daß es dem Neuankömmling ermöglicht ist, ohne „Anstoß“ gegen die Extremitäten seiner fahrenden Mitmenschen auf seien Platz zu gelangen.

Normalerweise feiert man ja „runde“ Geburtstage. Also 100, 110 usw. Aber was ist in Köln schon normal, wenn irgendwo ein 11 schlummert. Und so ließ man den 110. Geburtstag der „Elektrischen“ einfach ausfallen. Statt dessen feierte man am Samstag, dem 16. Juni 2012 auf dem Neumarkt mit den Passanten den 111. Geburtstag. Mit dabei eine der ersten Elektrischen, die damals auf Kölner Gleisen fuhr. Eigentlich nicht ganz, die ursprünglichen Fahrzeuge haben die Zeit nicht überlebt. Die heutige Bahn wurde 1902 von van der Zypen & Charlier in Köln-Deutz gebaut und fuhr bis ca. 1961 (!) in Bonn. Sie entspricht aber den Bahnen, die damals bei den „Bahnen der Stadt Cöln“ im Einsatz waren. Diese wurden ebenfalls bei van der Zypen & Charlier gebaut.

Die „Elektrische“ beförderte schon 1901 rund 27 Millionen Fahrgäste und 11 Jahre später wurde die 100-Millionen Grenze überschritten. Irgendwie können es die Kölner mit der 11 nicht lassen. Bis 1903 wurde das damals rund 22 Kilometer lange Netz der Pferdebahn elektrifiziert. Eine Meisterleistung der Ingenieure. Dieses Netz wurde ständig erweitert und auch in die Vor- und Nachbarorte hinein getragen. Auf dem Neumarkt in Köln waren Kölner Bahnen der unterschiedlichsten Epochen ausgestellt, die sonst nur im Straßenbahnmuseum Thielenbruch zu besichtigen sind.

Jürgen Fenske, Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) hob die Bedeutung der Elektromobilität für den öffentlichen Nahverkehr hervor. „Bei der KVB ist E-Mobiltät seit 111 Jahren Realität.“ Jürgen Roters, Oberbürgermeister der Stadt Köln gratulierte zum Jubiläum. „ 111 Jahre Erste Elektrische zeigen, welche große Tradition dieses Kölner Unternehmen hat – und wir erinnern uns daran, dass hiermit auch ganz wesentlich das Wachstum der Stadt im Industrie- und Dienstleistungszeitalter verbunden ist.“

Roters wies darauf hin, das die Stadt ein sehr großes Engagement zur weiteren Entwicklung der E-Mobilität entfalte. Man arbeite zusammen mit dem Energieversorger RheinEnergie, der KVB und weiteren Anbietern an eine neue Dimension der zukunftsfähigen Stadt. „Es ist unumstritten, dass der öffentliche Nahverkehr seine starke Leistung weiterhin erbringen können muss. Wir fordern das Land und den Bund auf, nicht an den Finanzierungsgrundlagen des ÖPNV zu rütteln, denn Köln kann als strukturell unterfinanzierte Stadt notwendige Investitionen nicht alleine tragen. Die stetig steigenden Fahrgastzahlen im ÖPNV lassen den Ausbau und die Instandhaltung der Strecken auch in Zukunft unverzichtbar werden.“

Bild: Jürgen Eikelberg

3 Responses

  1. Herrlich, da feiert ein tramtastisches Verkehrsmittel einen närrischen Geburtstag außerhalb der Karnevalszeit. Was wären unsere Städte ohne die wunderbare „Electrische“ (Schreibweise ist Absicht), ohne unsere Bims und die freundlichen Trämli-Chauffeure?

  2. Wie konnte ich das übersehen? ;)

    Nachdem es in München kaum mehr eine Faschingstradition gibt und sie sogar weiter Jahr für Jahr zurückgeht, kann aber so ein Lapsus schon mal passieren. ;)

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