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Stadtbahn Heilbronn: VCD fordert runden Tisch und Ausschreibung

09.03.12 (Baden-Württemberg) Autor:Stefan Hennigfeld

Angesichts der bestehenden Probleme beim Betrieb der Stadtbahnlinie S 4 auf der Strecke zwischen Heilbronn und Öhringen fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) die Einführung eines runden Tisches, um die Sachstände mit allen Beteiligten zu besprechen und verbindliche Lösungen zu vereinbaren. Letzten Montag hat ein totes Tier in der Oberleitung die Stromversorgung für mehrere Stunden unterbrochen, die Fahrgäste standen ohne Informationen an den Haltestellen und es gab keinen Ersatzverkehr.

VCD-Regionalvorstand Hans-Martin Sauter: „Dieser schwarze Montag war für die Fahrgäste ein neuer Höhepunkt in einer scheinbar endlosen Pannenserie. So kann es nicht weitergehen.“ Der VCD kritisiert, dass sich weder die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) und DB Regio als Verkehrs-, noch die Deutsche Bahn als Infrastrukturbetreiber verantwortlich fühlen. Immer wieder gäbe es auf Heilbronner Stadtgebiet Verspätungen, vorzeitige Kurzwenden oder Totalausfülle.

Sauter: „Die Fahrgäste beklagen vor allem, dass sie oft überhaupt nicht informiert werden und ärgern sich zurecht. Offenbar verderben bei der Stadtbahn Heilbronn zu viele Köche den Brei.“ Deshalb fordert man eine engere Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Landkreis Heilbronn sowie dem Land Baden-Württemberg als Aufgabenträger, DB Netz und Stadtwerke als Heilbronn als Infrastrukturunternehmen, DB Regio und AVG als Verkehrsbetriebe.

Darüber hinaus kritisiert der VCD die Direktvergabe der künftigen Stadtbahn Nord ab 2013 an AVG und DB Regio. Sauter: „Solche Geheimabsprachen führen zu überteuerten Kosten und bringen für die Fahrgäste keine Verbesserungen, das kann man eindeutig bei der S 4 sehen. Da diese Unternehmen offenbar noch nicht einmal in der Lage sind, eine einzige S-Bahnlinie ordentlich zu betreiben, ist abzusehen, dass sich das Chaos auf der S 4 ab 2013 auch ins Neckartal verlängern wird.“

Beim VCD verweist man auf das Abellio-Urteil, das Direktvergaben im Nahverkehr vergangenes Jahr verboten hat. Man solle statt dessen eine Ausschreibung „nach Recht und Gesetz“ machen. Die geltende Rechtsprechung ermöglicht allerdings erhebliche Leistungsausweitungen bei bestehenden Vergaben ohne dass es einer neuerlichen Ausschreibung bedarf. Zudem gibt es für andere Eisenbahnverkehrsunternehmen die Möglichkeit, die Vergabe juristisch anzufechten.

5 Responses


  1. stuttgarter
    09.03.12 um 13:53

    in welchem takt soll die stadtbahn überhaupt ins neckartal nach sinsheim/bad rappenau und mosbach fahren?

  2. Im Prinzip in einem „ungefähren 20/40-Takt“ laut Aussagen des zuständigen Planers im Heilbronner Landratsamt (siehe Heilbronner Stadtbahnzeitung Ende 2011). Das ist derselbe Murks wie auch bei der S 4 Heilbronn – Öhringen: Die Stadtbahn fährt an allen Anschlüssen zum übrigen Bahn- und Busverkehr, der in der Regel auf einem 30/15-Takt aufbaut, vorbei. Deshalb fordert der VCD die generelle Umstellung der Heilbronner S-Bahn auf einen 30-Minuten-Takt, so wie das im Rahmen eines Integralen Taktfahrplanes notwendig ist.

    Mehr dazu im Detail:
    http://stadtbahn.wordpress.com


  3. stuttgarter
    09.03.12 um 21:00

    interessant, vielen dank dafür.
    kann mir noch jemand sagen wie die regionalzüge dann künftig fahren sollen? takt? zuglauf?


  4. Murmeltier
    10.03.12 um 22:27

    Der RE Neckarelz – Ulm fährt nur noch Neckarsulm – Ulm und die RB Jagstfeld – Sinsheim entfällt. Ansonsten keine Änderungen.

  5. Nicht ganz. Die bisherige RB (Ulm–)Stuttgart–Heilbronn–Neckarelz (früher bis Heidelberg und Kaiserslautern) soll künftig nach Osterburken fahren auf den 30er Knoten (wohl Kompensation für DB, da zudem eine sinnvolle Einbindung der Frankenbahn in das Stadtbahn-Netz bislang politisch torpediert wurde). Der VCD fordert, dass die zweigleisige Hauptbahn im Neckartal nicht komplett zu einer S-Bahnstrecke herabgestuft wird. Eine Möglichkeit wäre, dass der (sinnlose) stündliche Linienwechsel beim RE Heilbronn – Mannheim aufgegeben wird und der RE künftig beschleunigt jede Stunde über Sinsheim fährt. Eine halbe Stunde später könnte dann die bisherige RB beschleunigt über Neckarelz hinaus bis Heidelberg fahren. Dort gäbe es optimale Anschlüsse zum IC von/nach Darmstadt – Frankfurt. Damit gäbe es eine Alternative zur Fahrt über Mannheim. Eine S-Bahn ist eine S-Bahn und kein Interregio. Deshalb sind die bisherigen Planungen für die Stadtbahn Nord großer und teurer Murks. Aus Richtung Neckarelz ist man künftig deutlich länger bis Heilbronn unterwegs (Stadtbahn bummelt auf neuer Strecke durch die Innenstadt), nach Stuttgart muss man zusätzlich mit Wartezeiten umsteigen.

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