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Steht der Peißnitzexpress vor dem Aus?

22.01.12 (Allgemein, Ostdeutschland) Autor:Jürgen Eikelberg

Parkeisenbahnen entstanden wie die „richtige“ Eisenbahn in England. Dort ließen sich reiche Adelige auf ihren großen Anwesen Miniatureisenbahnen bauen, mit denen sie mit ihrer Familie umherfuhren. Schnell gelangte diese Idee auch nach Deutschland und die ersten Parkeisenbahnen wurden anlässlich von Reichsgartenschauen 1938 in Essen und 1939 in Stuttgart errichtet. Sie sind kommerzielle Parkeisenbahnen. Auch an anderen Orten in der Bundesrepublik entstanden zu den Bundesgartenschauen Parkeisenbahnen. Teilweise wurden sie wieder abgebaut.

Einen vollkommen anderen Weg beschritt die DDR. Dort entstanden seit den 1950er Jahren in verschiedenen Städten nach sowjetischen Vorbild 14 Pioniereisenbahnen. Hier sollten die Jugendlichen auf spielerische Weise an die Eisenbahn heran geführt werden, indem sie schon in jungen Jahren altersgerecht Verantwortung übernahmen. Bei allen Pioniereisenbahnen war die Deutsche Reichsbahn aber für den Betrieb verantwortlich und „echte“ Reichsbahner fuhren die Loks und waren als Ausbilder tätig. Aus dem Kreis der jugendlichen Mitarbeiter der Pioniereisenbahnen rekrutierte die Reichsbahn einen Teil ihres Personals.

Nach der Wende zog die Reichsbahn die Unterstützung weitgehend zurück, vor allem stellte sie nicht mehr das Personal. Die Berliner Parkeisenbahn ist eine gemeinnützige Einrichtung, die sowohl von Spenden als auch von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen wird. Ein Unterstützung durch die öffentliche Hand gibt es kaum. Dafür ist die Liste der Sachspender umso größer und die Arbeit wird in gewohnter Weise fortgesetzt.

Der Peißnitzexpress, einer Parkeisenbahn auf der Peißnitzinsel in Halle (Saale), steht aber möglicherweise vor dem aus. Am 15.12.2011 hat der Rat der Stadt Halle beschlossen, die bisherigen Zuschüsse in Höhe von 95.200 Euro an die Parkeisenbahn zu streichen. Es klafft also pro Monat eine Finanzierungslücke von fast 8.000 Euro.

Auch der Förderverein Parkeisenbahn „Peißnitzexpress“ e.V. ist als gemeinnützig anerkannt und es gibt auch zahlreiche Unternehmen, welche den Peißnitzexpress unterstützen. Dennoch braucht er weitere Unterstützer aus den Reihen der Eisenbahnfreunde.

Hierzu hat der Förderverein einen offenen Brief veröffentlicht und bittet darin um Unterstützung zu einer Unterschriftenaktion bzw. Petition im Internet.

Bild: Ralf Lobys (Lizenz: CC BY 2.5)

2 Responses

  1. In Zeiten in denen Billionen in Banken und Milliarden in nutzlose Prestigeprojekte gepumpt werden, reicht das Geld nicht einmal aus um nichtmal 100.000€ jaehrlich fuer ein Stueck deutscher Parkeisenbahngeschichte zusammenzukratzen, und zwar eines, das Jugendliche von der Strasse herunterlockt und in ein Hobby einfuehrt, welches Verantwortungsbewusstsein, Teamwork, Technik lehrt, Perspektiven in die Berufswelt aufzeigt?!

  2. @QQ: Sie haben offenbar nicht verstanden, dass 1. keine Billionen in Banken, 2. keine Milliarden in Prestigeprojekte (=! Projekte mit Prestige) gesteckt werden und dass 3. die knapp 100.000 EUR aus dem Haushalt der Stadt Halle an einen einzigen Verein fließen. Ich kann angesichts der Finanzlage der Kommunen die Entscheidung der Stadt Halle gut verstehen.

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