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GDL: AGVDE bietet elf Euro Stundenlohn für Lokführer

26.08.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Der Arbeitgeberverband Deutscher Eisenbahnen (AGVDE) bietet der GDL für Lokomotivführer als Einstiegsvergütung einen Stundenlohn von 11 Euro plus Zulage an. Das lehnt die Gewerkschaft jedoch ab und sagt, Bezahlung in dieser Höhe sei üblicherweise nur bei Hilfsarbeitern üblich, nicht aber bei hochqualifizierten Triebfahrzeugführern.

Die GDL fordert 17 Euro, beim DB-LfTV kriegen Berufsanfänger derzeit 16 Euro in der Stunde. Die Gewerkschaft sieht darin „eine Masche“, das Lohnniveau im allgemeinen auf Mindestlohnniveau zu drücken. Der DGB fordert als gesetzlichen Mindestlohn 7,50 Euro. Die GDL sagt, Mindestlöhne seien etwas für schwache Gewerkschaften und mit ihr werde es keine Bezahlungen auf Hilfsarbeiterniveau geben.

17 Responses

  1. 17 Euro – bei einer 40-Stunden-Woche würde das etwa 2700 Euro im Monat machen…dafür studieren (Bau-)Ingenieure einige Jahre…

  2. Schade, dass Kommentare inzwischen erst freigeschaltet werden müssen. Das nimmt etwas den Reiz zu kommentieren, da man u.a. nicht weiß ob schon mal jemand etwas dazu gesagt hat…


  3. Stefan Hennigfeld
    26.08.10 um 11:26

    Hallo Timo,

    wir versuchen die Kommentare so schnell es geht freizuschalten, ich denke, die sechs Minuten bei Dir waren jetzt auch nicht sooooo lange ;)

    Leider geht es nicht mehr anders, Spambots sortiert das System zwar automatisch aus, aber mittlerweile werden wir auch immer wieder ganz gezielt von Lohnschreibern aus bestimmten (politischen) Richtungen belästigt, so daß wir keine andere Wahl hatten.

    Zum Thema: Ich persönlich bin der Auffassung, daß die Tarifparteien jeden Lohn vereinbaren dürfen, den sie wollen und daß sie niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig sind. Aus ordnungspolitischen Gründen ist es wichtig, daß bei allen EVU dasselbe gezahlt wird, zumindest bei denen, die miteinander im Wettbewerb stehen. Jetzt kann man auch über einen gesetzlichen Mindestlohn reden, aber wenn wir uns die Gehaltskategorien angucken, dann sehen wir, daß Lokomotivführer davon nicht betroffen sind. Um zu verhindern, daß der Wettbewerb „über die Löhne“ ausgetragen wird, spielt es keine Rolle, ob die Leute 11 Euro oder 17 Euro verdienen. Jeweils plus Zulagen.

    Mich persönlich stört aber, daß die GDL offensichtlich jeden Bezug zur Lohnrealität vieler anderer Menschen verloren hat. 11 Euro ist bei weitem kein „Hilfsarbeitergehalt“ und hat mit Mindestlohn kaum noch was zu tun. Der DGB fordert 7,50 Euro Mindestlohn, ich kenne auch Gewerkschafter, die fordern 10 Euro, die wissen aber, daß man 10 Euro fordern muß, um 7,50 Euro zu kriegen.

    Es gibt in Ostdeutschland Tarifverträge, da verdienen Friseurinnen etwa 3 Euro in der Stunde. Die arbeiten Vollzeit und gehen am Monatsende mit 550 Euro nach Hause. Das ist Niedriglohn und diese Menschen wären von einem gesetzlichen Mindestlohn betroffen. Lokomotivführer nicht.

    Stefan

  4. Danke für das schnelle Freischalten. „Manuelle“ Spammer sind natürlich ärgerlich. Ihr könntet allerdings schon vor dem Kommentieren auf das Freischalten hinweisen.

    Und wegen dem Inhalt bin ich ganz deiner Meinung!


  5. Jürgen E.
    26.08.10 um 21:42

    Mich persönlich stört aber, daß die GDL offensichtlich jeden Bezug zur Lohnrealität vieler anderer Menschen verloren hat.

    Den Bezug zur Realität vieler Menschen mit gleichen Bildungsvoraussetzugen hat die GDL noch nie gehabt. Aber ich will nicht tiefer schürfen. Ein Triebfahrzeug- oder Lokführer braucht nun mal nicht die Voraussetzungen eines Diplomingenieurs.

    Und ich bezweifle, dass ein Universitäts- oder Hochschulabsolvent sich dazu hinreissen lässt, einen Zug zu führen.

  6. Das ist historisch so gewachsen: Eisenbahner waren (und sind nach wie vor) hochpriviligierte Leute. Das läßt sich zurückverfolgen bis zu Zeiten der preußischen Länderbahnen. Dort wurden immer schon Hilfs- und Anlernkräfte zu besten Bedingungen eingestellt, wurden Beamte etc. Nun sträuben sie sich natürlich, einen Teil ihrer Privilegien wieder abzugeben und haben Probleme damit, auf einmal nicht mehr in einer Monopolbehörde, sondern in einem am Markt stehenden Unternehmen zu arbeiten. Aber da müssen sie durch, Eisenbahnern wird es nicht besser gehen als dem Rest der Bevölkerung. Ihr Lohnniveau wird sich auf das anderer Anlernkräfte anpassen müssen. Und damit meine ich nicht nur Lokführer.


  7. Jürgen E.
    28.08.10 um 20:37

    Aber da müssen sie durch, Eisenbahnern wird es nicht besser gehen als dem Rest der Bevölkerung.

    Wollen wir es hoffen.

  8. Hallo zusammen,

    ich selbst bin seit etwa 15 Jahren Lokführer, mir macht meine Arbeit Spaß, obwohl sie durch diverse Umstrukturierungen immer monotoner wird (Begrenzung von Fahrzeuglizenzen und Einschränkungen von befahrenen Strecken durch Gründung von kleineren Teilnetzen).
    Zunächst einmal habe ich für meine Qualifizierung zum Lokführer auch einige Zeit gebraucht, Ausbildung zum Industrieelektroniker und anschließend die Lokführerausbildung (zusammen 5 Jahre). Sämtliche Lizenzerwerbe kommen auch nochmal auf ein halbes Jahr.
    Das war vor 15 Jahren, heute gehts mit einer Ausbildung zum Lokführer im Betriebsdienst (3 Jahre) oder Quereinsteigerqualifizierung in 1 Jahr (höchste Durchfallerquote). Genau gegen diese Kurzausbildung kämpft die GDL an!
    Die Arbeit ist heute für mich ähnlich wie Autofahren, setzt Euch aber mal in einen echten Simulator, es geht auch der z.B. im Verkehrsmuseum Nürnberg. Ihr werdet sehen, es ist nicht so einfach Strecke, Fahrplan, Signale, Geschwindigkeit, Fahrzeugbedienung, Sicherheitseinrichtungen, diverse Störungen und Fahrgastwünschen gleichzeitig gerecht zu werden!
    Nicht umsonst ist eine hohe Tauglichkeit und psychische Eignung von Nöten!
    Ich selbst habe nach 15 Jahren keine 2700 EUR brutto, hiervon sind noch gut 200 EUR abzuziehen!
    Spricht bitte auch mal jemand über unsere Arbeitsbelastung durch Wechseldienst (unregelmäßiger Schichtdienst, mit Wochenend- und Feiertagsschichten die oft erst eine Woche zuvor bekanntgegeben werden, dazu kurzfristige Abweichungen!), die Verantwortung die wir für Fahrgäste, Fracht und Technik tragen! Und das bei einem Renteneintritt von 67 +?!
    Durch den Wechseldienst ist eine regelmäßige Betreuung von kleinen Kindern nur mit sehr flexiblen Arbeitgebern möglich! Wo gibt’s die heute noch?
    Meine Frau würde deshalb gern zu Hause bleiben, das geht aber schon finanziell nicht!
    Sicher, es gibt geringbezahlte Arbeitskräfte wie Friseure und Sicherheitsdienste, diese sind aber mit Lokführern nicht vergleichbar!
    Auch mir sind die Streiks zuwider. Die DBAG begrüßt gleiche tarifliche Löhne bei allen EVU in Deutschland, am Zuge sind jetzt die privaten EVU, die sich natürlich verweigern.
    Ein Wettbewerb über die Löhne ist aber keine Lösung und dient niemanden! Demotiviertes Personal, wie heute schon beobachtbar, dient nicht der Kundschaft und sind für mich persönlich auch ein Gefahrenpotential (zumindest im Fahrdienst!)
    Denkt mal drüber nach!

    Jörg


  9. Stefan Hennigfeld
    10.09.10 um 12:16

    Hallo Jörg,

    bei allem Respekt vor Deinem Beruf und Deiner Tätigkeit, niemand „mißgönnt“ Dir ein auskömmliches Gehalt. Und den allermeisten ist auch klar, daß Wettbewerb sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr nicht dadurch definiert werden darf, welcher Anbieter seinen Leuten das mieseste Gehalt zahlt. Zumal es ja nicht nur Lokführer, sondern auch wirkliche Hilfsarbeitstätigkeiten, wie z.B. Mülleimer leermachen o.ä. gibt.

    Über eins solltest Du aber mal nachdenken: Du gehörst einer Berufsgruppe an, die immer wieder als „Fahrer, die nicht lenken müssen“ geschmäht wird. Die Friseurin ist eine Handwerker-Gesellin, die nichts mit dem Klischee irgendwelcher Manta-Filme der 80er Jahre zu tun hat. Der Sicherheitsmann, der nach Mindestlohn bezahlt wird, ist auch mehr als einer „der an der Pforte rumsitzt und zuguckt wie die Zeit vergeht“. Aber wenn man sich als Lokführer dagegen wehrt, daß seine Arbeit mißachtet wird, dann sollte man das bei anderen Berufen selbst auch nicht machen.

    Stefan

  10. daß seine Arbeit mißachtet wird, dann sollte man das bei anderen Berufen auch nicht machen.

    Hallo Stefan,
    ich habe die beiden von uns beiden ins Gespräch gebrachten Berufe und die damit verbundene Arbeit weder mißachtet, noch ist es so daß ich behauptet habe, dies seien gering ausgebildete Arbeitnehmer. Sie werden auf jeden Fall viel zu gering bezahlt, ihre Arbeit ist wichtig und notwendig, dazu gehören auch die vielen Reinigungs- und Servicekräfte in allen Bereichen und doch ist ein Vergleich nicht angebracht. Ich bin überzeugt daß es viele Menschen gibt die für ihre gute Arbeit absolut unterbezahlt sind. Denen helfen auch keine Gewerkschaften und Betriebsräte weil sie in den Betrieben gar nicht erst zugelassen werden.
    Problematisch ist die Befristung von Arbeitsplätzen, Unterlaufen von Tariflöhnen, Zulassung und Schaffung von nicht sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen und das alles wird von unserer Regierung gleich welcher Fraktionen gefördert. Am Ende wundert sich jeder um rückläufige Einnahmen der Sozialkassen, Steuern und Kommunen.
    Heute regiert das Geld und vor allem die Kosten der Mitarbeiter für die Erwirtschaftung eines Kapitals für den Aktionär.
    In unserem Fall geht es doch um einen ruinösen Wettbewerb auf Kosten der Mitarbeiter mit dem arbeitgebergewollten Ziel die heute vereinbarten Tariflöhne abzusenken und zu unterlaufen. Deshalb ist es notwendig in allen EVU gleiche Rahmenbedingungen zu schaffen.
    Im übrigen halte ich die Diskussion um Lokführer und Ihre Gewerkschaft nicht für zielführend, solange hier Leute dikutieren die weder vom gegenwärtigen Tarifkonflikt, noch von der Arbeit eines Lokführers Ahnung haben.

    Jörg

  11. Man sollte aber mal das Arbeitsumfeld eines Lokführer sehen, gerade im Güterverkehr bei privaten EVU`s iste ein Lokführer Arbeitszeitlich sehr lange unterwegs. Ausßerdem ist er viel auf Montage und hat nicht wirklich was von zu Hause.
    Hinsichtlich der Qalifikationen, der Gefahren, des Wissen was ein Lokführer haben muss befinden wir uns mit 17€ bei einem gutem Stundenlohn der endlich mal dem Lokführer seine Arbeit dankt.
    Den Leuten die das Arbeitsfeld nich kennen sollte man die Chance geben mal rein zu schauen um dann hier mit reden zu können das gibt dem ein oder anderen eine ganz andere Sicht auf das geringe Gehalt von 11 €.
    Nur mal ein Beispiel wenn ich mit einem Vollzug Diesel oder anderen Gefahrgutstoffen stundenlang durch Deutschland fahre dann darf ich mir in dieser Zeit nicht einen Fehler erlauben oder nicht eine Sekunde lang unaufmerksam sein den was da raus kommt sieht man ja jetzt wieder am Unfall mit der HEX.
    Rein vom Arbeitsfeld darf man Lokführer und Friseurinin nicht vergleichen den das steht in keinster weise in irgend einem verhältnis.
    Das 3€ pro Stunde wenig ist weis ich selber aber es hat ja jeder selber in der Hand, den ich habe eine Freundin die bekommt 1300€ im Monat raus.


  12. Stefan Hennigfeld
    05.02.11 um 16:33

    Die Lohnfindung ist ausschließlich Sache der Tarifparteien. Sie dürfen sowohl 11 Euro als auch 17 Euro vereinbaren, ohne daß sie dafür irgendwem gegenüber Rechenschaft ablegen müssen.

    Die Behauptung, 11 Euro pro Stunde sei ein „Mindestlohn“, die zeigt aber, daß die GDL von den Lebensrealitäten vieler Menschen nichts zu kennen scheint.


  13. Jürgen E.
    05.02.11 um 16:51

    Nur mal ein Beispiel wenn ich mit einem Vollzug Diesel oder anderen Gefahrgutstoffen stundenlang durch Deutschland fahre dann darf ich mir in dieser Zeit nicht einen Fehler erlauben oder nicht eine Sekunde lang unaufmerksam sein den was da raus kommt sieht man ja jetzt wieder am Unfall mit der HEX.

    Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen der Entlohnung und dem Überfahren von Haltesignalen.

  14. @ Jürgen E. Du siehst bestimmt auch keinen Zusammenhang zwischen Flugzeugabsturz und Pilotenlohn. Dabei ist es ganz einfach zu verstehen: Je tiefer der Lohn desto schlechter der Arbeitnehmer und je mehr Arbeitszeit desto Leistungsschwächer wird der Arbeitnehmer.

    Die billige und dümmliche Aussage, dass ein Fahrzeug einfacher zu führern ist je weniger Freiheitsgrade aktiv gesteuert werden müssen ist falsch! Wäre dass so, wäre Fahrradfahren anspruchsvoller als LKW fahren und laufen auf zwei Beinen höchst Komplex. Vielleicht einfach mal nachdenken ob man nicht auf eine perfides Klischee hereingefallen ist

    Als Lokführer, Aircraft Engineer und Pilot kann ich euch mitteilen das Piloten und Lokführer etwa den gleich anspruchsvollrn Beruf haben und über die Veratwortung müssen wir auf Grund aktueller Ereignisse auch nicht reden.

    2700 Euro pro Monat ist ein stark unterderdurchschnittliches Einkommen: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1789/umfrage/durchschnittseinkommen-in-deutschland-nach-branchen/

    Es ist keine Frage wer hier vor wem keinen Respekt hat.

  15. @Bogestra, werden sie doch Beamter oder Eisenbahner. Dann können sie diese Privilegien auch genissen.

  16. Ich Danke dir Martin für deine Ausführliche Erklärung meines Beispiels, dacht es liegt klar auf der Hand was ich damit sagen wollte.

  17. Hallo,
    ich bin seit etwa einem Jahr mit der Ausbildung bei der Deutschen Bahn fertig.
    Und ich kann mich eigentlich nicht über mein Gehalt beklagen, und das obwohl ich in Bayern wohne und da die Mietpreise ganz schön hoch sind.
    Ich habe z.b im Dezember ein Netto Gehalt von etwa 2487€ gehabt und war richtig glücklich darüber, dagegen meine Freundin, die Friseurin ist bekommt nicht mal die hälfte und ich finde es persönlich ungerecht. Und ich meine mit knapp 22 Jahren 2487€ netto auf die hand bin ich gut bedient, natürlich is es nicht jeden monat so aber im Schnitt um die 2100€ und das reicht. Und dagegen ein Beamter bekommt nicht so viel! Aber ich gebe den anderen Lokführern hier auch recht.
    Was wir in der Ausbildung lernen is besonders im ersten Jahr recht streng. Und ich hatte leider schon einen PU. Und sowas geht eben auch auf die Psyche. Aber noch zum schluss man muss sich im klaren sein das man es einen vom gehalt her nie recht machen kann, und das finde ich schade. Unternehmen wie die DB hat hohe Einahmen, und selbst die Bahn beschäftigt Putzkräfte und die bekommen nicht gerade viel.

    Mit freundlichen Grüßen

    Fabi

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