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Stuttgart Hauptbahnhof: Abriss wird vorbereitet

13.07.10 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

"Hau wech die Scheiße" - Motto der DB bei Stuttgart 21Im Rahmen der Bauarbeiten zu Stuttgart 21 bereitet man nun den Teilabriss des Stuttgarter Hauptbahnhofes vor. Schon im August soll es losgehen. Zunächst werden Rohr- und Elektroleitungen, Fenster und Innenausbau entfernt, danach wird das Gebäude stufenweise auf Erdgeschossniveau abgetragen.

Für den gesamten Abriss werden zwei bis drei Monate gebraucht. Alle anfallenden Stoffe sind dann Eigentum der mit dem Abriss beauftragten Firma Wolff und Müller. Der Zugang zum Bahnhof über den Nordausgang und auch die Zufahrtmöglichkeit für Taxen soll aber bis November bestehen bleiben.

Bild: Deutsche Bahn AG

4 Responses

  1. Ich finde es einfach nur Schade, dass sowohl Befürworter als auch Gegner des Projektes Stuttgart 21 mit Lügen arbeiten, um Anhänger für sich zu gewinnen.
    So sind Beiträge wie dieser tendenziös gegen das Projekt, indem Bilder des Stuttgarter Hauptbahnhofes im Zusammenhang mit dem Abriss gezeigt werden, die vermitteln sollen, dass das gesamte Bahnhofsgebäude abgerissen wird, um dadurch bewusst Proteste zu erzeugen. Die in diesem Beitrag veröffentlichte Ansicht des Bahnhofs wird auch nach dem Abriss der Seitenflügel noch genauso zu sehen sein. Das trifft auch auf das Bild der großen Schalterhalle in einem ähnlichen Bericht zu.
    Warum wird diese Diskussion um den Neubau des Stuttgarter Hbf auf eine politischen Ebene ausgetragen, bei der es nur um Machtkämpfe geht und nicht um die Sache? Wir wissen doch alle, dass Politik mehr und mehr dazu dient, das Volk zu belügen. Schockierend ist, wie gerne sich das Volk belügen lässt! Wird denn überhaupt nicht bemerkt, dass dieses Thema von politischen Parteien lediglich dazu missbraucht wird, um die nächste Wahl zu gewinnen? Es ist auch erschreckend, wenn man sich die Antworten derer anhört die gegen das Projekt Stuttgart 21 auf die Straße gehen, wenn man sie fragt, warum sie das machen. Dabei werden kleine Kinder vorneweg geschickt, die auf Schildern Parolen hochhalten. Warum geht wird eigentlich nicht gegen die Abzocke in der Gesundheitspolitik auf die Straße gegangen? Oder gegen den Wahnsinn, ein vielfaches der Kosten von Stuttgart 21 für die sogn. Rettung der Banken zu verbraten? Statt dessen wird hier versucht, mit unlauteren Mitteln ein Projekt zu verhindern, dass erstens nicht mehr verhindert werden kann, zweites gar nicht so schlecht ist, wie es allenthalben schlecht geredet wird und drittens wir doch froh sein können, wenn in unsere Region investiert wird.
    Man sollte sich doch mal vorstellen, was passieren würde, könnte das Projekt Stuttgart 21 doch noch gestoppt werden. Hat man sich den Stuttgarter Hauptbahnhof schon mal genau angesehen? – In welchem maroden Zustand er sich befindet, sodass man sich schon fast schämen muss, wenn man ankommende Gäste am Bahnsteig abholt? Um Abhilfe zu schaffen gibt es ja die Gegenvariante Kopfbahnhof 21 (K21)! Aber sind den die genannten Kosten dazu verlässlicher? Wenn K21 tatsächlich nur die Hälfte kosten sollte, was ist den in diesem Preis alles inbegriffen? Die Strecke nach Ulm? Ein Bahnhof am Flughafen/Messe? – Eher nicht. Und wann würde dann mit dem Projekt K21 begonnen werden? Muss dieses Projekt denn nicht geplant werden? Wird es für dieses Projekt keine Gegner geben? Die Finanzierung für Stuttgart 21 ist Projektgebunden, die kann nicht einfach auf ein ganz neues Projekt, Kopfbahnhof 21 übertragen werden. Also wann würde der Baubeginn für K21 sein? In 10 Jahren? In 20 Jahren? Hallo! Dann würde doch auch K21 wieder so viel kosten wie jetzt Stuttgart 21 und das ohne Neubaustrecke nach Ulm und ohne Anbindung an den Flughafen. Man kann also nur an die S21-Gegner appellieren, sich genau zu informieren und sich gewissenhaft zu überlegen, gegen was sie da eigentlich sind.


  2. Matthes Weiss
    15.07.10 um 13:28

    @ Roland: S21 und K 21 haben mit Wendlingen – Ulm genau so viel zu tun wie K 21 oder Äpfel mit Birnen auf dem Markt. Sie liegen eben zufällig nebeneinander.
    Wenn man sich überlegt, für oder gegen was man ist, sollte man sich auch darüber klar sein, daß man ein Projekt nicht nur schlecht reden, sondern auch schön reden kann…
    Und klar, die Region Stuttgart kann froh sein, daß sie das Geld bekommt – ob man damit etwas sinnvolles anfängt, ist ja egal – hauptsache die anderen bekommen es nicht. Es wird aber nicht nur in Stuttgart so argumentiert und dabei übersehen, daß das Geld leider nicht auf den Bäumen wächst, sondern von uns allen als Steuern bezahlt werden muß. Anderswo wird bereits mit S21 so argumentiert, wie hier mit der Gesundheitstreform und den Banken; dort hätte man sich doch auch nicht derart an der Detailprüfung aufgehalten.
    Und so lange jeder sagt „Die andern (Gesundheit, Banken)machen es doch auch“, wird sich nichts ändern – vielleicht wäre es sogar leichter, bei einem (bestenfalls relativ) kleinen Posten wie S21 anzufangen.

  3. Warum wird diese Diskussion um den Neubau des Stuttgarter Hbf auf eine politischen Ebene ausgetragen, bei der es nur um Machtkämpfe geht und nicht um die Sache?

    Uns geht es neben der politischen Ebene auch um die Auswirkungen auf den Verkehr. Diese Diskussion wird schon seit Jahren auf verkehrlicher Ebene geführt, leider wurde sie von den Bürgern nicht wahrgenommen, obwohl natürlich die verkehrlichen Aspekte bei so einem Projekt in den Vodergrund gestellt werden müssen.

    Wir wissen doch alle, dass Politik mehr und mehr dazu dient, das Volk zu belügen. Schockierend ist, wie gerne sich das Volk belügen lässt! Wird denn überhaupt nicht bemerkt, dass dieses Thema von politischen Parteien lediglich dazu missbraucht wird, um die nächste Wahl zu gewinnen?

    Aber bestimmt nicht in diesem Blog.

    Statt dessen wird hier versucht, mit unlauteren Mitteln ein Projekt zu verhindern, dass erstens nicht mehr verhindert werden kann

    Warum nicht. Natürlich kann man Stuttgart 21 noch abblasen.

    zweites gar nicht so schlecht ist, wie es allenthalben schlecht geredet wird

    Was für Vorteile bietet S21 aus verkehrlicher Sicht denn? Die einzigen die mir einfallen sind, das man früher in Tübingen und am Flughafen ist. Aber sonst. Der Kopfbahnhof bietet selbst in seiner jetzigen Form wesentlich mehr Vorteile:
    1. Der Kopfbahnhof bietet bei K21 mit seinen 16 Bahnsteigen und 6 Zulaufgleisen erheblich mehr Kapazitäten, wo S21 mit seinen 8 Bahnsteigen und 4 Zulaufgleisen für das jetztige Bahnangebot gerade noch ausreichend ist. Mit S21 sind kaum noch Ausweitungen im zukünftigen Bahnangebot möglich.
    2. Mit K21 kann der sehr akktraktive Integrale Taktfahrplan eingeführt werden, der bereits in einer Vorstufe in vielen Teilen von Deutschland zu mehr Fahrgästen geführt hat und eins der Erfolgsrezepte der Schweizer Bahnen darstellt. Das ist möglich weil die Fahrpläne möglichst kurze Umstiegszeiten in den Knoten vorsehen. Konkret wird das erreicht in dem man für Stutgart eine Symmetriezeit einrichtet, hier würden sich sog. Voll- und Halbknoten anbieten. Das heißt die Züge aus allen Richtungen fahren wenige Minuten vor der vollen Stunde in K21 ein, die Fahrgäste haben kurz Zeit in alle Züge umzusteigen und kurz nach der vollen Stunde verlassen die Züge wieder in allen Richtungen den Kopfbahnhof. Bei S21 ist dieses Erfolgreiche Fahrplankonzept nicht möglich, weil zum einen zu wenig Bahnsteige vorhaden sind und sich die Züge alle die gleichen Zulaufgleise teilen müssen.
    3. Durch das sog. dreistöckige Tunnelgebirge beim Kopfbahnhof werden die Züge so zu den jeweiligen Bahnsteigen sortiert, dass sie keine anderen Züge behindern können, gibt es auf einem Zulauf Störungen oder Verspätungen werden die anderen Züge nicht behindert. Der Kopfbahnhof zählt bereits in der heutigen Form zu den pünktlichsten und betriebssichersten Hauptbahnhöfen Deutschlands. Bei S21 ist dies anders, hat ein Zug Verspätung sind sofort auch die anderen betroffen, weil alle Züge sich die gleichen wenigen Zulaufstrecken teilen müssen. So wird die Verspätung eines Nahverkehrszuges gleich auf den Fernverkehr in ganz Deutschland übertragen.
    4. Bei K21 ist man relativ frei in der Fahrplangestaltung, wohingegen bei S21 durch die mangelhafte Infrastruktur für die Zunkunft ein Fahrplan festzementiert wird, der sich nur durch weitere kostspielige Investitionen verändern lässt.

    und drittens wir doch froh sein können, wenn in unsere Region investiert wird.

    Aber nicht in völlig unsinnige Projekte mit sehr wenig Nutzen. Keine Sorge auf Baden-Württembergs Schienen gibt es noch genug Engpässe die es gilt zu beseitigen. Wie die eingleisige Gäubahn und Murrbahn oder die überlastete Rheintalstrecke. Außerdem war mal angedacht die Südbahn, Bodensee-Gürtelbahn und die Hochrheinbahn zu elektrifizieren. Vor wenigen Jahren war Baden-Württemberg auch mal in der Bahn-Fachwelt für seine großen Erfolge in der regionalen Erschließung bekannt, seitdem Stuttgart 21 konkreter geworden ist, verändert sich in diesem Bereich kaum noch etwas.

    Man sollte sich doch mal vorstellen, was passieren würde, könnte das Projekt Stuttgart 21 doch noch gestoppt werden. Hat man sich den Stuttgarter Hauptbahnhof schon mal genau angesehen? – In welchem maroden Zustand er sich befindet, sodass man sich schon fast schämen muss, wenn man ankommende Gäste am Bahnsteig abholt?

    Natürlich haben wir uns schon mal den Stuttgarter Hauptbahnhof angesehen. In anderen Städten werden an den Hauptbahnhöfen Sanierungsmaßnahmen mit zweistelligen Millionenbeträgen durchgeführt und dann sehen sie aus wie neu. Der Frankfurter Hauptbahnhof ist ein schönes Beispiel, wie man mit wenig Geld auch ohne Kellerbahnhof den Bahnhof verschönern kann.

    Um Abhilfe zu schaffen gibt es ja die Gegenvariante Kopfbahnhof 21 (K21)! Aber sind den die genannten Kosten dazu verlässlicher?

    Bei K21 sind nicht nur Maßnahmen am Bahnhof selbst inbegriffen, sondern auch Maßnahmen an den Zulaufstrecken die die Betriebssicherheit erhöhen. So sollen zwischen dem Hauptbahnhof und Bad Cannstatt zwei zusätzliche Gleise durch den sog. Rosensteintunnel entstehen und das Gleisvorfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofes in seiner Betriebsführung optimiert und saniert. Außerdem soll eine Ring-S-Bahn zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen realisiert werden.

    Wenn K21 tatsächlich nur die Hälfte kosten sollte, was ist den in diesem Preis alles inbegriffen? Die Strecke nach Ulm?

    Die Neubaustrecke nach Ulm ist ein eigenes Projekt, welches erst ab Wendlingen beginnt. Wobei dieses Projekt auch umstritten ist. Überlegt mal wofür hier Millardenbeträge verbuddelt werden, für zwei ICE/IC pro Stunde und an anderen Stellen wie auf der Rheintalbahn sind kaum noch Kapazitäten frei und man weiß nicht wie man das wachsende Güterverkehrsaufkommen bewältigen soll.

    Dann würde doch auch K21 wieder so viel kosten wie jetzt Stuttgart 21 und das ohne Neubaustrecke nach Ulm und ohne Anbindung an den Flughafen.

    Der Kellerbahnhof und die Neubaustrecke sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe, die unabhängig voneinander realisiert werden können. Wobei Stuttgart 21 ohne Neubaustrecke natürlich überhaupt keinen verkehrlichen Nutzen mehr hätte. Der Flughafen ist schon etwas länger durch die S-Bahn angebunden.

    Man kann also nur an die S21-Gegner appellieren, sich genau zu informieren und sich gewissenhaft zu überlegen, gegen was sie da eigentlich sind.

    Gegen den neuen Herzinfarkt Europas.

  4. Vielen Dank für die „Gegenkommentare“ und die Diskussion auf fachlich / sachlicher Ebene.
    Leider scheint die Auseinandersetzung auf diesem Niveau nicht selbstverständlich zu sein.
    Schon allein, dass einem auf der Homepage von K21 der Countdown bis zur nächsten Wahl entgegenprangt, sagt doch sehr viel darüber aus, um was es in Wahrheit geht.
    Und dass die S21-Gegener nun auch noch zu kriminellen Mitteln greifen, indem sie S21-Werbeplakate mit geschmacklosen Parolen überkleben, kann Bürgern, die sich ernsthaft mit der Sache auseinandersetzen keine Sympathien entlocken.

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