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Tot ziens, Abellio!

02.12.21 (Kommentar, NVR, NWL, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Das war es dann wohl: Zum 31. Januar hört ein Unternehmen mit über tausend Mitarbeitern auf zu existieren. Ein Unternehmen, das seit nunmehr 16 Jahren fester Bestandteil des SPNV zwischen Rhein und Weser ist. Abellios Start war mit den unvergessenen Abellio-Classic-Zügen ein Paukenschlag im damals noch verkehrsrot geprägten Ruhrgebiet. Wer ist denn das? So ein privater. Kann man da überhaupt mit dem VRR-Fahrschein fahren? Und warum sind da so alte Waggons, die man von früher kennt?

Es war zwar nicht der Beginn der bunten Bahnwelt, das ging schon früher los, aber hier entstand ein Unternehmen, das langfristig den Markt mitprägen sollte. Abellio war in Nordrhein-Westfalen über Jahre hinweg Qualitätsführer und mit der Tochtergesellschaft Westfalenbahn GmbH – deren Existenz langfristig gesichert wurde – hatte man nicht selten die Plätze 1 und 2 bei den Qualitätsrankings. Auch als die eingeführt wurden, war Abellio schon lange da.

Wir sprechen von einer Zeit, in der es aus dem DB-Konzern und dessen politischen Vorfeldorganisationen immer wieder hieß, dass eine ernsthafte Qualitätskontrolle, gar ein Vergleich verschiedener Netze untereinander etwas unstatthaftes sei. Sowas würden Aufgabenträger machen, um sich zu profilieren, aber Ranglisten der Qualitätsführer könne man gar nicht seriös erstellen. Heute ist es Alltag und zwar fast überall in der Republik.

Es war zudem die Abellio GmbH, die vor über zehn Jahren vor dem Bundesgerichtshof einen wegweisenden Beschluss erwirkt hat, der unter dem Namen Abellio-Urteil bis heute ein wichtiger Meilenstein in der Eisenbahngeschichte ist. Es ist nicht mehr möglich, Eisenbahnaufträge direkt an DB Regio zu vergeben, sondern diese müssen ausgeschrieben werden. Es war die damals noch in Essen ansässige Firma Abellio, die nicht tatenlos zugeguckt hat, wie ein Verkehrsminister versucht hat, mit der DB AG Deals am Vergabe- und Beihilferecht vorbei abzuschließen.

Hier gibt es berechtigte Ansprüche für alle und diese hat Abellio durchgesetzt. Wenn also etwas bleiben wird, dann wird es immer das Urteil sein. Auch in zwanzig oder vierzig Jahren, wenn der Eisenbahnverkehr vielleicht wieder ganz anders als jetzt organisiert sein könnte, das Abellio-Urteil wird immer Bestand haben. So wie man jetzt zunächst ein Rumpfunternehmen hat, das in den Netzen EMIL und STS rund 15,2 Millionen Zugkilometer im Jahr auf 1.125 Netzkilometern mit fünfzig Triebzügen fahren wird. Das ist solider Mittelstand und bei einem Betrieb in den schwarzen Zahlen auch durchaus zukunftsfähig.

Nur erstmal wird es ruckeln, aber hoffentlich kein Chaos geben. Sollte es jetzt einen Mitarbeiter-Exodus geben, sollten sich die Leute kurzfristig andere Stellen suchen, dann kann es auch mehr werden als ein wenig ruckeln. Dabei sind viele Menschen drauf angewiesen, dass sie verlässlich von Hohenlimburg nach Witten, von Emmerich nach Oberhausen oder von Remscheid nach Wuppertal kommen. Denn vor allem ist die Eisenbahn eins: Öffentliche Mobilitätsverfügbarkeit, auch in einer solchen Situation.

Siehe auch: Abellio: Betriebsende in NRW am 31. Januar

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