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Ohne Datenqualität keine offenen Daten

24.09.18 (Kommentar, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Man kann den Verkehrsunternehmen angeblich nicht zumuten, ihre betrieblichen Daten mit der Konkurrenz, geschweige den mit dem Nutzer zu teilen. So argumentiert zumindest der VDV. Der Verband, der Marktabschottung, Protektionismus und den Erhalt nicht marktfähiger Monopole schon immer zur Staatsräson erklären wollte, stellt sich also auch hier – natürlich im Sinne des selbst definierten Branchenkonsens – dem Fortschritt entgegen.

Der Fahrgast wird ja schon merken, wenn sein Zug nicht kommt. Und wenn auf einer U-Bahnanzeige eine Viertelstunde lang steht, dass irgendein Zug „sofort“ kommt, obwohl weit und breit nichts in Aussicht ist, dann muss der Beförderungsfall halt Verständnis haben. Er ist ohnehin unmündig um die Komplikationen des Bahnbetriebs zu verstehen. Und die Zufriedenheit der Nutzer, so heißt in einem heute noch gültigen VDV-Positionspapier, ist ja ohnehin irrelevant.

Klar, man darf hin und wieder mit denen sprechen, ob sie zufrieden sind, aber Konsequenzen daraus kann man niemandem zumuten. Eine Aktualisierung gibt es nicht, das ist noch immer aktuell, unterschrieben vom inzwischen verstorbenen ÖPNV-Geschäftsführer Rainer Metz. Aber vieles spricht dafür, dass viele Unternehmen im VDV eine ganz andere Begründung haben als der VDV es offiziell vorgibt: Viele Unternehmen, ob die DB AG im Falle von Baustellen oder häufig auch die kleineren Busunternehmen, wissen nämlich in vielen Fällen gar nicht, wo ihre Fahrzeuge überhaupt sind.

Heute schon gibt es in modernen SPNV-Zügen die Möglichkeit, unter den Anschlusszügen auch die Busse kommunaler Verkehrsunternehmen in Echtzeitinformation einzupflegen. Viel zu oft macht man davon aber keinen Gebrauch und man kann nur darüber spekulieren, wie gut die Qualität der Leitstellendaten eigentlich ist. Es gibt ja gerade im Busverkehr auch in der Regel keinen Aufgabenträger, der für ein effektives Controlling verantwortlich ist.

Natürlich gibt es pro forma eine Aufgabenträgerschaft, aber alle praktischen Erfahrungen zeigen, dass bei fortgesetzten Schlechtleistungen kommunaler Unternehmen ebenjene Aufgabenträger auf Nachfrage oft gar nicht verstehen, was man von ihnen will. Für die Qualität des ÖPNV ist ja schließlich das zuständige Unternehmen verantwortlich.

Und wenn man es dann noch mit irgendwelchen Subunternehmen zu tun hat, weiß eben oft niemand, was gerade aktueller Sachstand bei der Betriebslage ist. Die privaten Subunternehmen sind im Bereich des Fernbusses im Moment ein Riesenthema, weil es in dieser von inhabergeführten Unternehmen geprägten Branche eine ganze Reihe schwarzer oder zumindest mal grauer Schafe gibt, wo niemand so genau weiß, was das eigentlich für Kaffeebuden sind.

Die Annahme, die Lukas Iffländer von Pro Bahn nicht zu unrecht hat, ist wahrscheinlich richtig: Der VDV möchte einfach die Blöße verhindern, dass die Fahrgäste und damit die Öffentlichkeit über den oft desolaten Zustand vieler Unternehmen im Land Bescheid wissen. Manche Erklärungen sind eben doch einfacher, als man gemeinhin denkt.

Siehe auch: Debatte über Open Data im ÖPNV

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