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Wahlen in Großbritannien

14.06.17 (Großbritannien) Autor:Max Yang

Am vergangenen Donnerstag fanden in Großbritannien vorgezogene Parlamentswahlen statt. Das Ergebnis war für die bisher regierenden Konservativen enttäuschend, die nach dem Verlust der parlamentarischen Mehrheit nun mit einer anderen Fraktion zusammenarbeiten müssen. Im Rahmen der Wahlnachlese kam die Frage auf, ob Wähler angesichts die SPNV-Krise im Netz Southern den Drang hatten, die regierenden Konservativen abzustrafen.

Die Bahnstrecken von Southern ziehen sich unter anderem durch die Wahlkreise Croydon, Eastbourne und Brighton-Kemptown, die von den Konservativen diesmal nicht gehalten werden konnten. Im ebenfalls im Southern-Netz liegenden Hastings konnte die britische Innenministerin Amber Rudd (Conservatives) ihren Sitz nur sehr knapp halten.

Im Mai veröffentlichte die Association of British Commuters (ABC, „Verband britischer Pendler“) Wahlprüfsteine auf ihrer Website und forderte eine öffentliche Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Govia Thameslink Railway und dem Verkehrsministerium, garantierte Zugänglichkeit für mobilitätseingeschränkte Reisende sowie eine unverzügliche Sonderkündigung des Vertragsvertrages.

Darüber hinaus fordert ABC weiterhin die Veröffentlichung des sogenannten „Gibb Report“. Dabei handelt es sich um einen im staatlichen Auftrag von Chris Gibb (einer derzeit bei Network Rail tätigen Führungskraft mit 35 Jahren Branchenerfahrung) erarbeiteten Untersuchungsbericht, der sich mit Ursachen und möglichen Lösungen für die Southern-Krise beschäftigt und dessen Veröffentlichung vor der Wahl monatelang hinausgezögert wurde.

Mick Cash, Generalsekretär der Gewerkschaft RMT (Rail, Maritime and Transport Workers Union), interpretierte das Wahlergebnis wie folgt: „RMT fordert, dass die Entfernung der Zugbegleiter rückgängig gemacht wird und die Gewerkschaft wird Theresa May und die Verkehrsstaatssekretäre in ihrer Minderheitsregierung bei jedem Schritt belästigen, während wir unseren Kampf verstärken, um Sicherheit und Zugänglichkeit zu den Leistungen vor private Gewinne und Gier zu setzen.“

Darüber hinaus wolle die Gewerkschaft RMT die laufende Kampagne zur Verstaatlichung der Eisenbahn intensivieren, denn „die konservative Regierung kollabiert in Chaos und gegenseitigen Schuldzuweisungen“. Emily Yates, Mitgründerin der ABC erklärte, dass vom Bahn-Chaos betroffene Wähler sich der Geheimhaltung des Gibb-Reports durchaus bewusst waren. Die weiter andauernde Unterdrückung sei eine Beleidigung für die Pendler im Süden Englands.

„Nach diesem drastischen Ergebnis hoffen wir, dass Abgeordnete aller politischen Fraktionen endlich aufstehen und unsere Forderung nach einer unverzüglichen Freigabe mittragen“, so Yates weiter. Die City A.M. zitierte einen Sprecher von Govia Thameslink/Southern, der einen direkten Zusammenhang ablehnte: „Es gab ähnliche Ergebnisse in vielen Teilen des Landes, die nicht vom Arbeitskampf der Gewerkschaft betroffen waren.“

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