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Personalübernahme soll beim RRX stattfinden

14.01.16 (Hessen, Nordrhein-Westfalen, NVR, NWL, Rheinland-Pfalz, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Im Rahmen der anstehenden Betriebsaufnahme für die Leistungen des Rhein-Ruhr-Express streben die neuen Betreiber Abellio Rail NRW und National Express Rail gemeinsam mit DB Regio einvernehmliche Regelungen zur Personalübernahme an: Mitarbeiter, die im Konzern keine heimatnahe Beschäftigung mehr finden können oder einfach auf ihren angestammten Linien verbleiben möchten, können demnach zum neuen Betreiber wechseln.

Das hat DB Regio seinen Mitarbeitern Anfang Januar mitgeteilt und wurde auch auf Nachfrage erneut bestätigt: „Wir führen konstruktive Gespräche mit unseren Wettbewerbern, um den vom RRX-Verlust betroffenen Mitarbeitern Perspektiven auf ihren Strecken zu sichern. Denn der Nahverkehr braucht das regionale Know-how der Eisenbahner, die ihre Strecken zum Teil seit Jahrzehnten kennen, um reibungslose Übergänge zu Neubetreibern zu sichern. Dies gilt insbesondere für das Premiumprodukt RRX, an dessen Erfolg sich die gesamte Branche messen lassen muss.“

Abellio wird früher als National Exress starten. In einer Stellungnahme heißt es: „Wir arbeiten gemeinsam an einer Vereinbarung, die kurz vor dem Abschluss steht. Es ist uns durchaus bewusst, dass die Mitarbeiter eines unterlegenen Bieters in einem Ausschreibungsverfahren möglicherweise existentielle Ängste mit Blick auf ihre Zukunft haben. Und wir, im Fall des RRX als Gewinner einer Ausschreibung, haben selbstverständlich Interesse daran, gut qualifizierten und auf den künftigen Strecken erfahrenen Mitarbeitern eine berufliche Perspektive zu bieten. Da ist es nur ein logischer Schritt, dass die betroffenen Unternehmen aufeinander zugehen und an einer gemeinsamen Lösung arbeiten.“

Mit National Express wird man sich bei DB Regio ebenfalls zusammensetzen, die Gespräche werden kurzfristig beginnen. Das liegt zum einen daran, dass man bei National Express noch im Dezember selbst eine Betriebsaufnahme hatte und darüber hinaus die RRX-Leistungen erst ein Jahr nach Abellio starten wird. Zudem steht bei Abellio bereits im Dezember 2016 der Start des Elektronetzes Niederrhein an. Aber auch bei National Express hat man großes Interesse an der Übernahme qualifizierter Mitarbeiter.

National Express ist Tarifpartner der GDL und hat den Betreiberwechseltarifvertrag unterschrieben. Dieser legt Ansprüche der Arbeitnehmer fest, wenn im Rahmen eines Betreiberwechsels der bisherige Arbeitgeber Stellen abbaut und der neue Betreiber Mitarbeiter sucht. In diesem Tarifvertrag sind jedoch sowohl der Verbleib beim Altarbeitgeber als auch die Betriebsaufnahme mit vorhandenen Angestellten prioritär. Da Abellio und National Express jedoch hier massiv expandieren, müssen sie den Personalbestand aufstocken. Die Mitarbeiter, die von DB Regio zu den neuen Betreibern wechseln haben Anspruch auf die gleiche Bezahlung wie bislang und können auf Wunsch innerhalb des ersten halben Jahres jederzeit in den DB-Konzern und in dessen konzerninternen Arbeitsmarkt zurückkehren.

Gleichzeitig hat man auch bei DB Regio langfristige Wartungs- und Instandhaltungsaufträge gewonnen: So führt man an den Standorten Düsseldorf und Münster die Wartungsarbeiten für die Fahrzeuge von National Express durch, die auf der Rhein-Wupper-Bahn (RB 48) und dem Rhein-Münsterland-Express (RE 7) eingesetzt werden. Außerdem wurde kurz vor Weihnachten ein weiterer langfristiger Instandhaltungsauftrag durch den VRR gewonnen: DB Regio wird einige Fahrzeuge der Baureihe ET 422 an den Aufgabenträger verkaufen und in dessen Auftrag 15 Jahre instandhalten. Sie werden dann dem Unternehmen beigestellt, das das entsprechende Los in der S-Bahnvergabe für sich entscheidet.

Ob das DB Regio selbst oder ein anderer sein wird, ist noch offen, das Vergabeverfahren wird jedoch auf absehbare Zeit beginnen. Hierzu teilt man bei DB Regio der Belegschaft mit: „Es ist noch nicht sehr lange her, da wäre ein solches Modell in unserem Konzern undenkbar gewesen. Jetzt mach wir Geschäft da, wo der Markt es abfragt.“ So konnte man im Instandhaltungsbereich einen Teil der Planstellen dauerhaft im eigenen Haus absichern. Das gilt auch für das Dortmund-Sauerland-Netz, das zur Betriebsaufnahme im Dezember 2015 neu vergeben wurde. DB Regio konnte sich hier im Verfahren durchsetzen und damit ebenfalls langfristige Planungssicherheit schaffen. Dennoch wird der Marktanteil in Nordrhein-Westfalen auf unter fünfzig Prozent sinken – das ist praktischer Alltag in einem nicht mehr monopolisierten Markt.

Siehe auch: Es geht ja doch

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