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Studie zum Deutschlandtakt ist erschienen

24.08.15 (Fernverkehr, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Studie zur Durchführbarkeit eines Deutschlandtaktes, deren Erstellung Teil des Koalitionsvertrags von CDU/CSU und SPD ist, wurde jüngst im Berliner Bundesverkehrsministerium vorgelegt. Obwohl in den letzten Jahren zahlreiche neue Schnellfahrstrecken eröffnet worden sind, konnten die Fahrgastzahlen im SPFV nicht merklich gesteigert werden. Bei der Betrachtung des Modal Split fällt auf, dass die Schiene insgesamt auf extrem niedrigem Niveau konstant ist – zumindest bundesweit im Durchschnitt, regional sehen die Werte teilweise deutlich anders aus.

Als besonderes Hindernis für eine verstärkte Nutzung der Schiene wird häufig genannt, dass der Widerstand zum Wechsel auf die Bahn sehr hoch ist, wenn Reisende auf ihrem Weg den Zug wechseln müssen und durch nicht hinreichende Abstimmung zwischen den einzelnen Zugangeboten unattraktive Umsteigezeiten entstehen. Hierdurch werden die Fahrzeitgewinne durch Nutzung von Fernverkehrszügen auf Neubau- und Hochgeschwindigkeitsstrecken für Reisende mit Umsteigezwang häufig neutralisiert. Vor diesem Hintergrund wird immer wieder gefordert, durch einen Deutschlandtakt mit im gesamten Netz abgestimmtem Taktangebot die Wegekette im System Eisenbahn attraktiver zu gestalten.

Die Untersuchung Deutschlandtakt ist als eine Machbarkeitsstudie konzipiert. Als Basis dienen mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmte Datengrundlagen, Definitionen und Untersuchungsrandbedingungen. Die Prüfung der Machbarkeit im Projekt Deutschlandtakt soll zeigen, ob basierend auf Nachfragedaten zum Verkehrsaufkommen des Ministeriums und unter Berücksichtigung bestehender Angebotsplanungen der Aufgabenträger für den SPFV und den SPNV sowie dem Kapazitätsbedarf im Schienengüterverkehr ein netzweit vertaktetes und aufeinander abgestimmtes Schienenverkehrsangebot mit attraktiven Anschlüssen, kurzen Reisezeiten und hoher Verlässlichkeit möglich ist.

Beim gewählten methodischen Ansatz wird ein digitales und mikroskopisches Gesamtnetzmodell genutzt. Mit Hilfe dieses Gesamtnetzmodells kann die Machbarkeitsstudie auf Basis der Angebotskonzepte aus der Bedarfsplanüberprüfung des Ministeriums umgesetzt werden. Im Rahmen eines Paradigmenwechsels der Infrastrukturplanung wird mit den Erkenntnissen der Machbarkeitsstudie erstmals eine „fahrplanbasierte Infrastrukturplanung“ für die Bundesverkehrswegeplanung untersucht. Hierdurch soll durch fokussierte Aus‐ und Neubaumaßnahmen eine bestmögliche Lösung für Taktverkehre geprüft werden. Bislang wurden Eisenbahnstrecken in Deutschland stets unabhängig vom späteren Verkehr geplant, dieser fügte sich dann in die Infrastruktursituation ein.

Das führte einerseits dazu, dass man auf einigen Relationen zwar relativ hohe Höchst- aber nicht besonders hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erreicht (etwa Köln-Rhein/Main oder München-Nürnberg). Andererseits wurden Ausweich- und Überholstellen oft sehr schnell aus- und abgebaut, wenn sie gerade im laufenden Fahrplanjahr nicht planmäßig genutzt worden sind. Dies war insbesondere in den Nullerjahren in der Vorbereitung auf den später abgesagten Börsengang der Deutschen Bahn der Fall.

In Zukunft soll die Infrastruktur, wenn es denn soweit kommt, an die Zielfahrpläne angepasst werden. Inwieweit auch eine besonders robuste Infrastruktur vorgehalten wird, etwa Ausweich- und Überholstellen, die nicht im Planbetrieb, wohl aber bei im Verspätungsfall zum Einsatz kommen um den Betrieb selbst möglichst stabil zu halten, wird dann eine andere Frage sein. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden Halb- bzw. Stundentakte angewandt, je nach Frequentierung der jeweiligen Linien. Von „Fahrgastverdichtung“, wie es in der Vergangenheit oftmals hieß, ist keine Rede mehr. Sowohl umsteigende als auch durchfahrende Fahrgäste können von diesem Konzept profitieren.

Neben der konzeptionellen Konkretisierung eines Deutschlandtakts ist der Zeitpfad einer Implementierung besonders zu beachten. Der Deutschlandtakt kann nicht mit einem Fahrplanwechsel eingeführt werden, da eine Einführung eines Deutschland‐Takts ein mehrjähriger Prozess ist, der in Abhängigkeit von Infrastrukturmaßnahmen und betrieblichen Konzepten nur sukzessive geplant und umgesetzt werden kann. Die Machbarkeitsstudie bildet einen Prozess ab, der über mehrere Stufen entwickelt wird – auch das ist bei der Umsetzung von Taktfahrplänen üblich. Die Studie steht zum Download bereit.

Siehe auch: http://www.zughalt.de/?p=48996

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