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Strecke nach Brilon Stadt feierlich eröffnet

10.12.11 (NWL) Autor:Sven Steinke

Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hat heute feierlich die Strecke zwischen Brilon Wald und Brilon Stadt samt dem neuen Bahnhof in Brilon feierlich für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) freigegeben. Mit einem Sonderzug reisten NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger (SPD), Franz Müntefering (SPD), Vertreter des NWL und aus den regionalen politischen Gremien zur Eröffnung an.

Vor über 30 Jahren wurde durch die damalige Bundesbahn der Personennahverkehr nach Brilon Stadt eingestellt. Seitdem war die 26.000 Einwohnerstadt nur noch mit mehreren Buslinien über die Bahnhöfe Bestwig, Olsberg und Brilon Wald an den Bahnverkehr angebunden. Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 ist Brilon wieder mit der Bahn erreichbar.

Direkt neben dem 110 Meter langen Bahnsteig wurde auch das Bahnhofsumfeld aufgewertet, dort entstand ein neuer Busbahnhof mit vier Haltebuchten, sowie ein Park und Ride-Parkplatz mit 18 Stellplätzen. Das Land NRW und die Stadt Brilon investierten in die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes rund 1,2 Millionen Euro. Die rund 1,7 Millionen Euro zur Herrichtung der Strecke und zum Bau des neuen Bahnsteiges teilen sich Land und Bahn, wobei sich die Eigenmittel der Deutschen Bahn nur auf einen Bruchteil belaufen.

Der neue Fahrplan wird erstmal sehr chaotisch aussehen. Unter der Woche fahren im Berufsverkehr durchgehende Züge von und nach Dortmund, in den übrigen Zeiten ein Pendelzug zwischen Brilon Wald und Brilon Stadt. Am späten Abend fahren wenige Züge aus Richtung Hagen nach Brilon. Am Wochenende fahren die Züge im stündlichen Wechsel nach Bestwig und Korbach. Der Fahrplan soll mit der vorraussichtlichen Inbetriebnahme des Kreuzungspunktes in Bigge im Jahr 2013 verbessert werden. Erst dann ist unter der Woche und am Wochenende ein einheitliches Betriebskonzept möglich, bei dem in Bestwig zwei Zugteile aus Brilon und Winterberg vereinigt werden und gemeinsam nach Dortmund fahren.

Dann würde ein stündliches Angebot im minutengenauen Takt bestehen. Weiterhin problematisch ist die Fahrt Richtung Osten. Mit dem geplanten Fahrplankonzept ab 2013 müssen Fahrgäste immer 45 Minuten am Bahnhof Brilon Wald auf den Anschluss Richtung Kassel warten. Ohne Änderung des grundsätzlichen Taktgerüstes auf der oberen Ruhrtalbahn ist hier keine Besserung in Sicht. Denkbar wäre beispielsweise eine acht Minuten frühere Abfahrt Richtung Westen und eine acht Minuten spätere Abfahrt Richtung Osten, womit sich die Züge jeweils zur Minute 15 und 45 in Brilon Wald treffen und ein sehr kurzer Anschluss ermöglicht wird. Für ein neues Fahrplankonzept wären allerdings weitere Investitionen in neue Kreuzungsstellen und Geschwindigkeitserhöhungen an der oberen Ruhrtalbahn und einigen Nebenbahnen dieser notwendig.

NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger eröffnete zusammen mit Brilons Bürgermeister Franz Schrewe die neue Station symbolisch mit durchtrennen eines Absperrbandes. Minister Voigtsberger sagte in seiner anschließenden Rede, dass der neue Bahnhof eine Bereicherung für das nordrhein-westfälische Schienennetz sei und wieß darauf hin, dass ein solches Projekt nur verwirklicht werden kann wenn alle über viele Jahre darauf hinarbeiten.

Der Verbandsvorsteher des Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) Thomas Gemke machte deutlich, dass der NWL die zusätzlichen Betriebsleistungen von 130.000 Zugkilometern pro Jahr aus eigener Kasse ohne Unterstützung des Landes NRW finanziert. Die Mehrleistungen im Wert von rund einer Millionen Euro kann der NWL nur mit Kostensenkungen durch seine erfolgreiche Ausschreibungspolitik und der besseren Erlössituation durch massive Fahrgastzahlensteigerungen im westfälischen Raum finanzieren.

Der Landrat des Hochsauerlandkreises Dr. Karl Schneider, hofft dass die neue Verbindung von den Brilonern Bürgern und Gästen der Stadt rege genutzt wird, damit sich am Ende zeigt, dass die prognostizierten Fahrgastzahlen der Gutachter eintreten und sich die Reaktivierung gelohnt hat. Denn die Strecke ist ein Vorbild für einige andere Reaktivierungsprojekte in der Region wie zum Beispiel die Röhrtalbahn zwischen Neheim-Hüsten und Sundern.

Bürgermeister Franz Schrewe bedankte sich bei allen Beteiligten, die die Reaktivierung im Personenverkehr vorangebracht haben. Besonderen Dank richtete er dabei an den ehemaligen Kreisdirektor des HSK und ZRL-Verbandvorstehers Winfried Stork, der sich während seiner langjährigen Amtszeit in großem Maße für die Bahn einsetzte und die Reaktivierung vorangebracht hatte. Außerdem bedankte er sich beim österreichischen Holzwerkstoffhersteller Egger, ohne dessen Güterverkehr zum Briloner Standort die Reaktivierung sehr viel schwieriger und kostenintensiver geworden wäre.

Ein Kommentar

  1. Zum Winterfahrplan 1974/75 wurde der tägliche Heckeneilzug Bremen- Paderborn- Brilon- Frankfurt von der Almetalbahn genommen und über Warburg geführt. Seitdem ruht in Brilon der Personenzugverkehr. Doch bereits im Winterfahrplan 65/66 waren nur 3 weitere Triebwagenfahrten Montag bis Freitag Brilon Stadt- Brilon Wald auf der Strecke. Brilon Büren gab es nur das Eilzugpaar und Büren- Paderborn hatte auch nur 5 werktägliche Nahverkehrszugpaare, wovon die letzten 3 Zugpaare 1981 gestrichen wurden. Bezogen auf das geringe Zugangebot hat die Almetalbahn länger durchgehalten, als manche Strecke, die bis zu den Zugstreichungsjahren 1975 (Einführung der Wochenendruhe auf sehr vielen Zweigstrecken) oder 1982 noch viel mehr Zugfahrten hatten.
    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Almetalbahn
    Da so ein schlechtes Zugangebot bereits eine Defakto- Stilllegung ist, kann man hier also von einer Reaktivierung nach über 50 Jahren sprechen.
    Mit den Details der Reaktivierung und Fahrgastprognosen bin ich nicht befasst. Aber von der Gebietsstruktur dürfte hier ein anderer Zuwachs stattfinden, als auf der erwähnten Röhrtalbahn. Wieviele Pendler zwischen Brilon und Olsberg, Meschede und Bestwig unterwegs sind, weiß ich nicht. Und wenn man dort Pendler gewinnen will, muss auch dort die Vernetzung von Schiene und Bus stimmen. Aber zwischen Brilon Stadt und Brilon Wald könnte auch bei niedrigen Fahrgastzahlen die Netzwirkung zu Buche schlagen, indem Fahrgäste aus Brilon die Auslastung der ganzen oberen Ruhrtalbahn verbessern.
    Bei der Röhrtalbahn Sundern – Neheim Hüsten dürfte es dagegen schon im Binnenverkehr der Linie viele Fahrgäste geben. Das ist zwischen Brilon Wald und Brilon Stadt nicht möglich. Die Röhrtalbahn hatte 1965 noch 12 Zugpaare an Werktagen und Wochenendverkehr und benötigte für 14,3 km 32 Minuten. Ausgebaut müsste 20 bis 25 Minuten Fahrzeit möglich sein, so dass ein Treibfahrzeug einen Stundentakt ermöglicht. 20 Minuten Fahrzeit entspräche dem Ausbaustand der Schönbuchbahn.

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