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Deutsche Bahn setzt im Hönnetal betagte Triebzüge ein

12.05.11 (Allgemein, NWL) Autor:Sven Steinke

Bereits vor drei Jahren sorgten die VT 628 im Sauerland-Netz für viel ÄrgerSeit Montag setzt die DB Regio NRW auf der Linie RB 54 Unna – Fröndenberg – Menden – Balve – Neuenrade, der sogenannten Hönnetalbahn, Triebzüge vom Typ VT 628 ein. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen auf der Linie nicht mehr die niederflurigen Triebzüge der Baureihen VT 640 und VT 648 verkehren. Die regulären Fahrzeuge im Sauerland-Netz müssen die anstehende Hauptuntersuchung bis Dezember 2011 durchlaufen, wodurch ein Teil der Flotte nicht für den Fahrgastbetrieb bereitsteht. Daher helfen die betagten Fahrzeuge dort aus.

Seit Dezember 2004 setzt die DB Regio NRW, nach der gewonnenen Ausschreibung des Sauerland-Netzes, nur noch niederflurige Neufahrzeuge auf der Linie ein. Gerade für ältere und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste stellt nun der Einsatz der alten Fahrzeuge eine große Behinderung dar, weil beim Einstieg über die Treppen bis zu 80cm Höhenunterschied vom Bahnsteig in die Fahrzeuge überwunden werden müssen.

Darüber hinaus müssen die Fahrgäste weitere Einschränkungen hinnehmen, da die Fahrzeuge nicht klimatisiert sind. Wie bei den Fahrzeugen auf der Linie RE 17 (Hagen – Arnsberg – Bestwig – Warburg) sind regelmäßig die Sitze durchgesessen und die Böden der Sitze gebrochen, sodass es wahrlich eine Zumutung für die Reisenden darstellt, auf diesen Sitzen Platz zu nehmen. Fahrgästen, die an den Bedarfshalten Menden Süd, Volkringhausen und Küntrop aussteigen möchten, steht kein Haltewunschtaster mehr zur Verfügung, stattdessen müssen sie ihren Haltewunsch rechtzeitig beim Triebfahrzeugführer melden.

Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme mit dem Triebfahrzeugeinsatz im Sauerland-Netz. Schon der Betriebsstart missglückte damals, weil der Hersteller Alstom die neuen Fahrzeuge nicht rechtzeitig im vollen Umfang ausliefern konnte. Außerdem mussten die ausgelieferten Fahrzeuge zwischendurch zur Reparatur beim Hersteller, weil in Kurven teilweise die Trittstufen ausfuhren. Einige Linien mussten daher über Monate hinweg mit Ersatzfahrzeugen betrieben werden.

In den darauffolgenden Betriebsjahren gab es regelmäßig Probleme in der Adventszeit. Die Deutsche Bahn war über Jahre hinweg nicht in der Lage, die bestellten Kapazitäten für die Weihnachtsmarktbesucher bereitzustellen. Die in den Fahrplänen und Presseinformationen des Zweckverband-Ruhr-Lippe (ZRL) angegebenen Kapazitäten wurden auf den Linien RB 53 und RE 57 nicht selten unterschritten, sodass sogar Fahrgäste auf den Bahnsteigen zurück bleiben mussten.

Über Monate hinweg, war Lüdenscheid per Bahn nicht mehr erreichbar

Im Jahr 2008 wurden die Fahrgäste auf der Volmetalbahn zwischen Dortmund und Lüdenscheid sehr verärgert. Da drei Triebzüge der Baureihe VT 648 durch Unfälle für längere Zeit nicht zur Verfügung standen, mussten ersatzweise alte Triebzüge der Baureihe VT 628 den Betrieb auf der dortigen Linie RB 52 abwickeln. Im Sommer konnten diese die Fahrgäste zwar nach Fahrplan befördern, doch mit Einsetzen des Herbsts konnten die Fahrzeuge nicht mehr den steigungsreichen Abschnitt zwischen Brügge und Lüdenscheid überwinden.

Die Fahrgäste waren in dieser Zeit gezwungen, auf Busse mit längeren Fahrzeiten umzusteigen, wodurch einige Fahrgäste ihre Busanschlüsse in Lüdenscheid verpassten. Über Monate hinweg sorgte die mangelhafte Informationspolitik der Deutschen Bahn für zusätzliche Verärgerung. Immer wieder wurde ein Wiederinbetriebnahmetermin angekündigt, der anschließend an diesem wieder um wenige Tage nach hinten verschoben wurde.

Pendler, die die Information erhalten haben, dass die Züge wieder durchfahren, wussten erst in Brügge, dass sie wieder in den Bus umsteigen müssen und ihre Termine verpassen. Die Medien berichteten damals, dass der ZRL währenddessen Strafzahlungen in sechsstelliger Höhe einbehalten hat. Das hinderte die Deutsche Bahn aber nicht daran, diesen unliebsamen Zustand für die Fahrgäste aufrecht zu erhalten.

Nun also sind genau diese Fahrzeuge mit ihrer offenbar recht schwachen Motorisierung für Steigungsstrecken erneut im Einsatz – und sollen es auch über den Herbst hinweg sein. Ob dies problemfrei ablaufen kann, wird sich dann zeigen. Es bleibt zu hoffen, dass die DB dieses Jahr bei Problemen besser reagiert…

Bild oben rechts: Sven Stei?nke
Bild unten links: Stefan Hennigfeld

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