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Interview mit Martin Husmann

28.04.16 (Nordrhein-Westfalen, Verkehrspolitik, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

husmannMartin Husmann (60) ist Vorstandssprecher des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), unter dessen Dach auch das Kompetenzcenter Sicherheit für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist. Nicht erst seit Anfang Januar ist das Thema im Fokus der politischen und öffentlichen Debatte.

Herr Husmann, die Kölner Silvesternacht hat, weit über die ÖV-Branche hinaus, vieles verändert. Wie wollen Sie verhindern, dass sich so etwas wiederholt?

Unser Ziel ist es, Sicherheitspartnerschaften aufzubauen, wie man sie etwa aus München oder Hamburg kennt.

Was heißt das konkret?

Wenn kriminelle Banden rund um einen Hauptbahnhof und dessen Vorplatz Diebstähle begehen und Rauschgift verkaufen, dann müssen die Polizeien gemeinsam dagegen vorgehen – auch mit Unterstützung der Verkehrsunternehmen.

Bundes- und Landespolizei können gemeinsame Streifendienste an den Bahnhöfen und ihren Vorplätzen vornehmen. Hier können zudem auch die Sicherheitsdienste der Verkehrsunternehmen aktiv teilnehmen. Außerdem können die Leitstellen die Situation beobachten und frühzeitig die Polizei rufen, die dann Präsenz zeigt.

Weitere potentielle Partner sind die Ordnungsämter der Städte. Für Gespräche über die genaue Ausgestaltung sind wir weiterhin offen. Auch unsere Kollegen bei den kommunalen Verkehrsunternehmen sind herzlich eingeladen, sich in Zukunft verstärkt zu engagieren. Denn die U-Bahnebenen etwa in Dortmund oder Düsseldorf sind feste Bestandteile des Bahnhofes. Das gilt es bei lösungsorientierten Ansätzen zu beachten.

Aber dürfen denn private Sicherheitsdienste Polizeiaufgaben übernehmen?

Nein, dürfen sie nicht und das ist auch gut so. Allerdings haben auch die Mitarbeiter z.B. von DB Sicherheit oder PTS allgemeine Nothilferechte. Sie dürfen also tätliche An- oder Übergriffe abwehren und sie festhalten, bis die Polizei eintrifft.

Wir wollen auch keine schwarzen Sheriffs in den Zügen, sondern qualifiziertes Sicherheits- und Servicepersonal, das den Menschen das Gefühl gibt, gut aufgehoben zu sein.

Im Großraum Mitteldeutschland hat das Unternehmen Transdev erstmals überhaupt Frauenabteile eingeführt. Wie sehen Sie das?

Wir lehnen Geschlechterapartheid ab. Es passt nicht zu den Grundsätzen unserer Gesellschaft, dass im öffentlichen Raum eine Trennung zwischen Männern und Frauen stattfindet. Es dürfte auch unwahrscheinlich sein, dass Sexualstraftäter sich von solchen Abteilkategorien abschrecken lassen.

Im Eisenbahnverkehr an Rhein und Ruhr bedürfte die Einführung solcher Sonderabteile unserer Zustimmung und die werden wir, das kann ich jetzt auf Dauer so sagen, nicht erteilen.

Welche anderen Maßnahmen können in der Branche ergriffen werden?

Es braucht mehr Sensibilität. Es ist ein richtiger und wichtiger Schritt, dass die beiden großen Eisenbahnergewerkschaften ihre Mitglieder aktiv dazu aufrufen, Übergriffe zu melden, damit die Dunkelziffer heruntergeht. Wir wollen aber auch unsere Fahrgäste ermutigen, Strafanzeige zu erstatten.

Mit einer hohen Anzeigebereitschaft lässt sich darüber hinaus verhindern, dass die jeweils zuständige Polizei ihre Präsenz mit dem Argument, dass nur wenige Straftaten passieren, verringert. Dabei liegt es durchaus auf der Hand, dass sich die Kriminalstatistik dadurch zunächst kurzfristig verschlechtert.

Aber die Augen zu verschließen ist keine Lösung. Zwar kann die Eisenbahnbranche nur einen Teilbeitrag zum ganzen leisten, das wollen wir jedoch auf bestmögliche Art und Weise im Interesse der Allgemeinheit langfristig tun.

Herr Husmann, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Stefan Hennigfeld.

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