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Wupper-Express: Ein guter Einsatz von Pönalemitteln

25.10.12 (Kommentar, NVR, VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Insgesamt 500.000 Euro steuert der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zur Modernisierung des Rollmaterials auf der Linie RE 4 bei – Geld, das vollständig aus Pönalemitteln stammt. Auch wenn es ordnungspolitisch umstritten sein mag, aber der Ansatz, kurzfristige und spürbare Verbesserungen für die Kunden einzuführen, ist ein gutes Zeichen. Geld, das der Aufgabenträger spart, weil die Züge verspätet, verdreckt oder auch gar nicht fahren, wird transparenten und positiven Zwecken zugeführt.

Im aktuellen Fall wurden die Pönalemittel im Fahrplanjahr 2011 einbehalten. Auch damals schon gab es viele Schlagzeilen im VRR – leider häufig auch negativ. Wer erinnert sich nicht an hilflose Schulkinder, die morgens um sieben gottverlassen am kalten Bahnsteig standen, weil die Nordwestbahn nicht gefahren ist? Oder an teilweise erhebliche Unterkapazitäten der Eurobahn? Was in Bayern schon lange üblich ist, wird jetzt auch in Nordrhein-Westfalen gemacht.

Gewiss, es stellt sich schon die Frage, ob man bei den Verkehrsunternehmen nicht falsche Anreize setzt, wenn man von dem Geld, das man ihnen eigentlich vorenthält, das Rollmaterial verbessert. Auf der anderen Seite: Was soll denn mit dem Geld passieren? Niemand will Pönale, alle wünschen sich einen reibungslosen Betrieb. Doch wenn man das Geld in der Haushaltsplanung von Anfang an einkalkuliert, dann ist es auch nicht recht – erst in diesem Jahr gab es branchenintern große Diskussionen darüber.

Ausgerechnet die Verbesserung auf der Linie RE 4, die die wichtige Düsseldorfer Ost-West-Achse bedient, ist dabei ein wichtiges Zeichen. Gerade im Verkehrsministerium denkt man schon seit Jahren nur noch an den Rhein-Ruhr-Express – und ist auch bereit, diesen mit massiven Angebotsverschlechterungen im Rest des Landes zu erkaufen, auch auf anderen wichtigen Verkehrsrelationen. Deshalb kann man dem VRR nur doppelt gratulieren, dass man sich eine wichtige Linie ausgesucht hat – die auf einer Magistrale fährt, deren stiefkindliche Behandlung hoffentlich jetzt ein Ende hat.

Gerade zwischen Hagen und Mönchengladbach haben viele Kunden in letzter Zeit unter den technischen Problemen der Eurobahn gelitten. Wenn statt einer Doppeltraktion nur ein Triebwagen gefahren ist, konnte es im Berufsverkehr manchmal ganz schön kuschelig werden. Auch Zugausfälle gab und gibt es insbesondere vor dem Hintergrund der schwierigen Personalsituation immer wieder. Deshalb ist es richtig, das Geld dort zu investieren. Dabei ist die aktuelle Maßnahme erst der Anfang. Es muss weitergehen, denn der Kunden steht im Mittelpunkt der Eisenbahn – und das nicht aus lauter Idealismus, sondern weil die tatsächliche Konkurrenz vier Gummireifen hat und in der Garage steht.

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