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Länderverkehrsminister kritisieren Bundesverkehrsminister Ramsauer

20.04.12 (Hessen, Rheinland-Pfalz) Autor:Jürgen Eikelberg

Die Verkehrsminister der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz, Dieter Posch und Roger Lewentz kritisieren die Haltung von Peter Ramsauer, keine Güterausweichstrecken für die stark belastete Mittelrheinschiene auszuweisen. Ramsauer begründete gegenüber der Verkehrsministerkonferenz seine Ablehnung einer Ausweichstrecke mit zu erwartenden Widerständen in den Regionen, in denen dann eine solche neue Streckenführung vorgesehen werde.

„Mit großer Empörung habe ich in der heutigen Verkehrsministerkonferenz die Ablehnung von Bundesverkehrsminister Ramsauer zur Ausweisung einer Güterverkehrs-Ausweichstrecke für die beiden Eisenbahnlinien im Mittelrheintal zurückgewiesen“, so die harsche Kritik von Infrastrukturminister Roger Lewentz an der Haltung des Bundesverkehrsministers im Kampf gegen die steigende Lärmbelastung im Mittelrheintal. Die Argumentation des Bundesministers sei eine Flucht aus der Bundesverantwortung, da es sich bei den Eisenbahnstrecken im Mittelrheintal um einen europäischen Güterverkehrskorridor mit weiter deutlich wachsendem Frachtaufkommen handele, kritisierte Lewentz.

Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Dieter Posch betonte, dass alle Möglichkeiten zur Reduzierung des Bahnlärms genutzt werden müssen. „Auf die Planung für eine Ausweichstrecke kann nicht verzichtet werden“, so Posch. Allerdings sei auch klar, dass angesichts langer Planungs- und Finanzierungszeiträume von einer Neubaustrecke keine schnelle Lärmentlastung zu erwarten ist, sagte Posch. Deshalb müssten jetzt auch alle technischen und betrieblichen Möglichkeiten auf den Bestandsstrecken genutzt werden.

Das gemeinsame Vorgehen von Hessen und Rheinland-Pfalz unterstreicht die hohe Bedeutung der Lärmbelastung mit dem Ziel, ein insgesamt leiseres Rheintal für alle zu erreichen. Das Problem der Verkehrsbelastung Mittelrheintal muss an der Wurzel gepackt werden, so die beiden Minister Posch und Lewentz. Sie verwiesen darauf, dass dazu das Bundesverkehrsministerium in der sogenannten Mittelrheinstudie für den Schienenverkehr Köln-Karlsruhe neue, grundsätzliche Überlegungen anstelle. Es wäre gut, wenn der Bundesverkehrsminister die Ergebnisse dieser Studie abwarten würde, bevor er eine Ausweichstrecke ablehnt.

Eine der effektivsten Maßnahmen zur Halbierung des Lärms ist die Ausrüstung von Güterwagen mit lärmarmen Bremssystemen. Die Rollgeräusche eines Güterzugs können so um bis zu 10 Dezibel gemindert werden“, sagten die Minister. „Hier muss langfristig gedacht, aber kurzfristig gehandelt werden“.

Das Lärmminderungspotenzial leiser Güterwagen sei bei weitem nicht ausgeschöpft. Lärmarme Kunststoffbremssohlen sind seit zehn Jahren Stand der Technik. „Es ist nicht akzeptabel, dass einmal zugelassene Güterwagen mit veralteten lauten Bremsen aufgrund ihrer langen Lebensdauer noch 40 Jahre in Betrieb bleiben‘“, kritisierte Posch.

Er forderte stärkere wirtschaftliche Anreize zur Umrüstung alter Wagen und die klare Ansage mittelfristiger Einsatzverbote für diese Wagen: „Das entsprechende Eckpunktepapier der Bundesregierung und der DB AG wird mit seinen geringen Anreizen seinem Anspruch nicht gerecht. Eine verbindliche gesetzliche Regelung, wie sie auf Initiative der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz im Bundesrat beschlossen wurde, sei nach wie vor erforderlich. „Es reicht nicht, wenn Bundesminister Ramsauer heute erneut auf Lärmschutzwände und Schallschutzfenster setzt“, sagte Lewentz. Dies sei eine inhaltlich dürftige Argumentation, ohne dass tatsächliche Zukunftsoptionen durch den Bundesverkehrsminister aufgezeigt würden. Rheinland-Pfalz sei sich mit Hessen einig, dass auf eine Ausweichstrecke als Zukunftsplanung  beginnend mit dem nächsten Bundesverkehrswegeplan ab 2015 nicht verzichtet werden könne. Lewentz und Posch erklärten erneut ihre Bereitschaft, bei der Findung einer Ausweichstrecke unterstützend mitzuarbeiten.

„Viele Menschen in unseren Flusstälern wehren sich schon heute gegen Bahnlärm. Wir Länderverkehrsminister nehmen dies sehr ernst und stehen an ihrer Seite“, so die Minister. Minister Lewentz sieht allerdings auch die rheinland-pfälzische CDU und FDP gefordert. Auch von dort müsse auf den Bundesverkehrsminister eingewirkt werden

4 Responses

  1. Man kauft günstige Grundstücke und meckert dann über die Bahn. Typisch.

    Vergleichen wir mal die Begebenheiten früher und heute:

    Früher: KEIN Gemecker !
    – Dampfloks deutlich lauter und dreckiger
    – Ausschließlich Kltozbremsen, welche die Rollgeräusche erhöht
    – Schienenstöße
    – Bahnübergänge waren länger zu
    – durch Stückgut auf fast jedem Bahnhof zusätzliche Rangierfahrten

    Heute: Nur noch gemecker!
    – Fahrzeuge sind deutlich leiser
    – durch Scheiben- und Kunststoffbremsen auch Rllgeräusch minimiert
    – durchgehende Gleise ohne Stöße
    – BÜs werden kürzer geschlossen (minimum 15 Sek vor zug und nach dem Zug dank Achszähler direkt wieder hoch)
    – Kaum noch rangierlärm auf bahnhöfen

    Es gibt bestimmt noch weitere Punkte.

    Wenn ich mir die neuen Kesselwagen so anhöre, diese sind ja schon gefährlich leise! Kann mir keiner sagen, das man durch diese Wagen wach wird.

    Der Strassenlärm ist deutlich lauter. Aber es ist in den Köpfen drin….BAHN IST LAUT.

    *kopfschüttelnde Grüße*

    Jens


  2. Edmund Lauterbach
    20.04.12 um 11:31

    Genau. Ich will sofort die Dampfloks zurück.
    Früher gab es keine Fahrgastbeschwerden, keine schimpfenden Anwohner, die Bahn durfte so laut sein wie sie wollte, fahren, wenn sie es für nötig hielt, usw.
    Fast wie in Seehofers Hobbykeller.


  3. Bahnfahrer
    20.04.12 um 16:42

    Sie haben durchaus Recht…..

    Unterhalten Sie sich aber mal mit Anwohnern im Rheintal, bei denen die Güterzüge direkt am Garten bzw. Haus vorbeifahren. Und das Tag und Nacht.
    Zur Zeit der Dampflok waren bei weitem nicht soviele Züge unterwegs wie heute, die Mobilität war halt eine andere.

    Das Dilemma ist, dass unsere Verkehrspolitik durch die etablierten Parteien weiterhin auf das Auto und den Lkw setzt, anstatt dafür zu sorgen, dass lärmmindernde Maßnahmen konsequent finanziert werden! Für was ist der Staat denn ansonsten da? Wenn nicht für das Gemeinwohl?
    Oder verwechsle ich Parteieninteressen mit dem Staat?

  4. Wo gedenken denn die Minister soll so eine Alternativstrecke verlaufen? Beim Bau der NBS durch den Westerwald hätte bereits auf eine Trassierung für den Güterverkehr Rücksicht genommen werden sollen statt diese nur dem ICE3 vorzubehalten. Eine Bündelung mit dem Verkehrsweg der A3 wäre dann aber nicht möglich gewesen.
    Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wollte man eine Entlastungsstrecke bauen: http://de.wikipedia.org/wiki/Strategischer_Bahndamm die zugehörigen Bahnstrecken sind heute jedoch größtenteils demontiert oder nur noch eingleisig.

    Eine Güter-Neubaustrecke parallel zum Mittelrheintal würde unweigerlich eine erneute Landschaftszerschneidung bedeuten und auf große Proteste im Westerwald, Taunus oder – falls linksrheinisch geführt – in der Eifel und auf dem Hunsrück führen. Weiterhin würde diese Strecke aufgrund der Topographie wohl nur aus Brücken und Tunneln bestehen, aus Lärmschutzgründen vmtl. überwiegend aus letzterem – die Baukosten würden somit in astronomische Höhen gleiten.

    Sinnvoller wäre ein Ausbau des GESAMTEN Bahnnetzes, d.h. Wiederherstellung der Zweigleisigkeit und Elektrifizierung bestehender Strecken, damit sich der Güterverkehr auf dem gesamten Netz verteilen könnte und nicht nur im Rheintal kanalisiert würde.

    In Belgien wurde z.B. eine quasi schon abgeschriebene Bahnstrecke modernisiert, elektrifiziert und dient heute dem Nord-Süd-Güterverkehr. (http://de.wikipedia.org/wiki/Athus-Maas-Linie)
    Dabei sollten in Deutschland nicht nur noch existierende (z.B. Eifelstrecke, Siegstrecke), sondern auch auf bereits abgebaute Bahnstrecken (z.B. Ahrtalbahn, Vennbahn) in Betracht genommen werden.

    Ein umfassender Beitrag zu diesem Thema speziell in Bezug auf die Eifelstrecke vom Oktober 2010 befindet sich in meinem Blog:
    http://kyllbruecke.blogspot.de/2010/10/eifelstrecke-als-rheintal.html

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