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SNCF stockt Keolis-Anteile auf – Pensionsfonds CDPQ bleibt an Bord

19.04.12 (Allgemein, Europa) Autor:Stefan Hennigfeld

Die französische Staatseisenbahn SNCF stockt ihre Keolis-Anteile auf siebzig Prozent auf. Ein Anteil von dreißig Prozent wird beim kanadischen Pensionsfonds Caisse de dépôt et placements du Québec (CDPQ) verbleiben. Die anderen beiden Anteilseigner Axa Pivate Equity und Pragma scheiden aus. Neuer Unternehmenschef wird David Azèma, bislang der zweite Mann in der SNCF. Er folgt auf Michel Bleitrach.

CDPQ ist ein langfristig agierender Fonds mit relativ geringen, dafür aber sicheren Renditeerwartungen. Genau das, was man im ÖPNV auf der Straße und auf der Schiene erwarten kann. Keolis ist auch in Deutschland unter der Marke eurobahn im SPNV aktiv. Sie betreibt Zugleistungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen. Dazu gehört auch der tägliche eurobahn-Sprinter, der schnellste Zug, der je zwischen Dortmund und Kassel gefahren ist. Außerdem betreibt die eurobahn mit der Linie RE 3 in Nordrhein-Westfalen einen RRX-Vorlauf.

David Azèma hat die eurobahn-Werkstatt in Hamm bereits im Herbst 2011 besucht. Er ist dabei nachts mit dem Schlafwagen von Paris nach Hannover gefahren, hat im ICE auf dem Weg nach Bielefeld gefrühstückt und ist dort in die eurobahn nach Hamm umgestiegen, um sich die Hauptwerkstatt anzugucken. Dabei wirkte das Unternehmen sehr positiv auf ihn. „Die Züge sind sauber und ansprechend gestaltet, wie auch die Büros. Die Werkstatt erweckte einen professionellen Eindruck“, sagte er in der Mitarbeiterzeitung Keolis Xpress.

Vor allem fiel ihm aber die gute Beziehung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften auf. „So würde ein Betriebsratsvorsitzender leider niemals das Unternehmenslogo auf seiner Kleidung tragen, wie ich es hier eben in Hamm gesehen habe. Dass Sie als ´eurobahner` hier solch eine gute Beziehung zu der Vertretung der Mitarbeiter/-innen führen, macht mich stolz.“ Und tatsächlich: Die eurobahn hat mit beiden großen Eisenbahngewerkschaften ein gutes Verhältnis und wendet den Branchentarifvertrag, den Rahmentarifvertrag und den Betreiberwechseltarifvertrag an.

Großes Lob hat er auch für die deutsche Keolis-Geschäftsführung rund um Hans Leister. „Keolis Deutschland ist Experte im deutschen Markt: Die Geschäftsführung ist bestens vertraut mit allen Marktbesonderheiten, Wettbewerbern und Wachstumsmöglichkeiten.“ Deshalb sollen unternehmerische Entscheidungen auch in Deutschland getroffen werden. Die Profitabilität soll durch Wachstum und Konsolidierung gestärkt werden. „Ich bin voller Zuversicht, dass Hans Leister und sein Team diese Herausforderung meistern werden.“

Und das obwohl ein großer Teil des deutschen Marktes noch immer abgeschottet ist: So gibt es in Frankreich überhaupt keine Stadtwerke, der kommunale ÖPNV, vom Bus bis zur Stadtbahn, ist dort vollständig im Wettbewerb vergeben. Das ist in Deutschland nur bedingt möglich, etwa durch Zukäufe von Subunternehmen, die im Auftrag etablierter Platzhirsche fahren. Im SPNV wurde jüngst die Bahnstromdiskriminierung durch DB Energie (zumindest formal) beendet. Mit dem Abellio-Urteil wurde zudem erreicht, dass Direktvergaben an die Deutsche Bahn nicht mehr möglich sind.

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