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InterCity-Finanzierung: Kritik von Mofair, VDV zurückhaltend

20.04.12 (Bremen, Fernverkehr, Niedersachsen, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

In dieser Woche wies die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) noch einmal auf ihr neues InterCity-Konzept von Bremen an die Nordsee hin, das im Dezember 2013 starten wird. Der eigenwirtschaftliche InterCity von Leipzig nach Bremen wird dort zum bestellten Regionalzug, der nach Norddeich Mole weiterfährt. Er ist daher im Regionalverkehrstarif zu nutzen und ist im Grunde ein regulärer Nahverkehrszug, der umlaufmäßig mit einem Fernverkehrszug verbunden ist.

Kritik kommt vom Privatbahnverband Mofair. Dort fordert man statt dessen, man müsse „Abstand nehmen von der Annahme, Fernverkehr könne grundsätzlich immer eigenwirtschaftlich betrieben werden“, so Verbandspräsident Wolfgang Meyer. „Es wird deutlich, wie willkürlich die Abgrenzung zwischen Regional- und Fernverkehr ist.“

Meyer: „Es kann nicht sein, dass die DB erst Leistungen im Fernverkehr abbaut, um dann unter Nutzung der Regionalisierungsmittel für den SPNV den Wettbewerb sowohl im Nah- wie im Fernverkehr zu verringern.“ Während der InterRegio durch mittlerweile größtenteils im Wettbewerb vergebenen Regionalverkehr ersetzt wurde, könnte das beim InterCity anders aussehen.

Beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ist man zurückhaltend. Pressesprecher Lars Wagner teilte auf Anfrage mit, dass die bisherigen Positionspapiere zum Wettbewerb Bestand haben. Der VDV ist demnach zwar generell für Wettbewerb, strebt aber dennoch eine Änderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes an, um Direktvergaben wieder zu ermöglichen. Eine Meinung hat der Verband weder zum konkreten Sachverhalt in Norddeutschland, noch zur Fernverkehrsfinanzierung insgesamt.

Das ist bei Mofair anders. Meyer: „Erst muss der Bedarf an Eisenbahnverkehr definiert werden, dann erst kann darüber entschieden werden, wie er zu erbringen ist, als Nah- oder Fernverkehr und zuletzt darüber, ob und welche Zuschüsse er braucht.“ Von aus öffentlichen Geldern bezuschussten Fernverkehrsleistungen solle daher der Betreiber mit dem besten Angebot profitieren und nicht per Automatismus die DB AG.

Dabei war der InterCity von Bremen an die Nordsee nur der Anfang. Auch in Rheinland-Pfalz strebte die Deutsche Bahn eine Alimentierung des Fernverkehrsangebotes auf der Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier an – ohne Erfolg. Aktuell laufen Debatten um „Fernverkehr“ in Gera, bei der Vorstellung des niedersächsischen Konzeptes forderten erste Politiker auch Fernverkehr in Bremerhaven. Ein aus München kommender ICE, der in Bremen endet, böte sich an.

Ein Kommentar

  1. Glückwunsch an Bremerhaven, Hude und Norddeich Mole im Nordwesten des Landes Niedersachsen für die ab Dezember 2013 neuen, schnellen und komfortablen Verbindungen im Personenverkehr! Schade, dass die Region Wilhelmshaven/Friesland und Wittmund nicht dazu gehört, sondern im Niemandsland liegt, so Hans-Joachim Zschiesche, Regionalvorsitzender im Regionalverband Ems-Jade des Fahrgastverbandes PRO BAHN.

    Während die Bahnstrecke Wilhelmshaven-Oldenburg weiterhin mit vielen Millionen Euro für den künftigen Güterverkehr (JadeWeserPort und Rhenus Midgard) fit gemacht wird, träumen unsere Politiker nur von diesen Zügen, lassen sich die Baustellen vor Ort erklären, vergessen aber den Personenverkehr ganz und gar dabei, so Zschiesche weiter. Nur, Güterzüge nehmen keine Fahrgäste mit!

    Gerade die vielen Bahnkunden in unserer Region nehmen die noch weiterhin andauernden Bauarbeiten mit samt dem 17monatigen Schienenersatzverkehr zähneknirschend zur Kenntnis oder haben diesen bereits den Rücken zugekehrt und fahren trotz der hohen Benzinpreise wieder mit dem Auto.

    Mögliche Verbesserungen im Dieselnetz Wilhelmshaven-Osnabrück KBS 392 werden von der Landesnahverkehrsgesellschaft Hannover und der NordWestBahn durchweg abgelehnt wie die Flügelung in Sande, neue Haltepunkte in Jaderberg, Hahn/Lehmden und Ostiem (Sande-Esens KBS 393) oder Einführung einer Regionalexpressverbindung (RE) für den Fernverkehr in der bereits ab Oldenburg-Osnabrück vorhandenen Zwischentaktlage.

    Am 27. April 2012 erfahren wir dafür im Rathaus Wilhelmshaven mehr über die kommenden Vollsperrungen im Jahr 2013 auf der dieser Strecke. Weiterhin wird die „Straßenbahn nach Osnabrück“, wie sie von Fahrgästen genannt wird, in unserer Region fahren, wenn sie fährt.
    Man darf gespannt sein!

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