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Grube will unabhängig vom Ausgang der Volksabstimmung Stuttgart 21 durchziehen

21.10.11 (Stuttgart) Autor:Niklas Luerßen

Bahnchef Rüdiger Grube will unter allen Umständen das sogenannte Immobilien- und Stadtentwicklungsprojekt Stuttgart 21 (S 21) umsetzen. Lieber lasse er sich rausschmeißen, als vom Projekt abzukehren. Aus seiner Sicht gäbe es kein Zurück mehr und er werde „keinen Faden“ nachlassen, um das Ziel zu erreichen. Denn in diesem Konflikt stehe die Verlässlichkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland auf dem Spiel.

Im Falle eines Scheiterns von S 21 bekäme die Bahn in ganz Deutschland Probleme. Aktuell plane sie Projekte in einem Gesamtvolumen von 80 Mrd . Euro. Wenn man nun trotz Planungs- und Baurecht hier lockerlassen würde, bekäme man kein Projekt mehr durch. „Dann fliegen mir die 80 Milliarden um die Ohren. Das kann ich mir nicht leisten“, so Grube. Mit ihm als Bahnchef sei eine Abkehr nicht zu machen. „Mit mir nicht. Lieber lasse ich mich rausschmeißen.“

Diese und ähnliche Worte fand Grube bei den Fischerwerken in Waldachtal-Tumlingen im Landkreis Freudenstadt. Im Betriebsrestaurant des Dübel-Herstellers saßen einige Unternehmen aus der Region, die mutmaßlich als Befürworter zum Projekt gezählt werden können. Darunter der Gastgeber Klaus Fischer selbst. Er wolle S 21, um wieder Investitionen in die Schiene in Baden-Württemberg zu erhalten, außerdem halte er die Volksabstimmung für „fragwürdig“. Grube vertraut aufs Wort vom Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dass S 21 weiterhin landesfinanziert werde, wenn zwar eine Mehrheit gegen die Landesfinanzierung stimmen, das Quorum jedoch nicht erreicht werden sollte. Nach Einschätzung von Grube würde auch der Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) eine solche formal-pro-S21 ausgehende Volksabstimmung akzeptieren.

Für Grube ist es unvorstellbar, dass das Land 1,5 Mrd. Euro Schadensersatz ohne Gegenleistung ausgeben sollte, dazu noch 1,3 Mrd. Euro für die Gleisvorbausanierung. Er vergleicht das mit den Hanseaten, die ebenfalls ungerne Geld ausgeben würden. „Aber sie zahlen dann doch, wenn es sich lohnt.“

Auf die provokante Frage eine Moderators, dass ihn doch niemand die Einhaltung des Kostenrahmens glauben würde, präzisierte er: „Ich habe nie gesagt, dass ich 4,08 Milliarden Euro auf Heller und Pfennig abrechnen kann. Aber die Größenordnung wird stimmen“. Den vertraglichen Maximalkostenrahmen von 4,526 Mrd. Euro hingegen möchte er unbedingt einhalten. Außerdem versprach er absolute Offen- und Ehrlichkeit. Sollten Kostensteigerungen bekannt werden, werde er dies umgehend mitteilen – auch weil auf dieser Welt ohnehin irgendwann „alles rauskommt“. Zudem will er sich nicht nachsagen lassen müssen, dass er die Katze erst nach der Volksabstimmung aus dem Sack lassen möchte und bis dahin negative Informationen zurückhalten werde.

Grube kündigte wiederum an, im Falle der einseitigen Kündigung der Finanzierungsvereinbarung eines Partners den Klageweg zu beschreiten, da er als Unternehmenschef keine Alternative habe, da er verpflichtet sei, jeden Schaden von der Firma abzuwenden. Es würden im Falle einer Kündigung jahrelange Rechtsstreitigkeiten drohen.

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