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Nachvollziehbar, aber falsch

22.05.17 (Kommentar, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Es ist verständlich, wenn die Unternehmen, die auf der Schiene Güter speditieren und dabei in Konkurrenz zum Lastwagen stehen, aus ihrer Sicht eine Senkung der Trassengebühren fordern. Das gilt analog auch für die Vertreter des SPNV, für die die Trassenpreise jahrelang eine reale Senkung der Regionalisierungsmittel und damit des faktischen Marktvolumens bedeutet hat – bis das neu in Kraft getretene Eisenbahnregulierungsgesetz hier zumindest die schlimmsten Exzesse verhindert hat.

Das Problem ist aber ein anderes: So naheliegend eine allgemeine Halbierung der Trassenpreise ja aus Sicht der Verkehrsunternehmen wäre, so schädlich würde sich das insgesamt auswirken. Denn – und das war ja an dieser Stelle auch schon mehrfach Thema in den vergangenen Jahren – es braucht mehr Kostengerechtigkeit und keinen Subventionswettlauf. Auch wenn es vermutlich schwerer durchzusetzen sein dürfte, aber der Ansatz müsste lauten, dass man gerade bei der Maut für Lastwagen deutlich aufschlägt.

Unabhängig von der Autobahnmaut, die die Bundesregierung dieser Tage durchgebracht hat, machen wir für Lastwagen mal ein einfaches Rechenbeispiel: Ein eine Tonne schwerer VW-Golf belastet die Straße pro Achse mit 500 Kilogramm. Ein dreißig Tonnen schwerer Lastwagen belastet die Straße pro Achse mit 7,5 Tonnen, also 15 mal so stark.

Nach der Regel des vierten Faktors, an der sich Straßenbauingenieure orientieren, ist die Belastung nicht 15 mal so stark, sondern 15⁴, sprich 50.625 mal so stark. Weil der Lastwagen außerdem vier statt zwei Achsen hat, belastet er die Straße in etwa soviel wie hunderttausend Autos. Entsprechend sind es die vielen Lastwagen, die sich viel stärker an den Kosten für die Straße beteiligen müssten. Eine Lastwagenfahrt ist viel zu billig.

Wenn man zudem ein mehrjähriges Mautmoratorium macht und die Maut danach senkt, dann entstehen natürlich marktverzerrende Effekte, die zu Lasten der Schiene gehen. Denn während die Straße auskömmlich durch die öffentliche Hand finanziert wird, will DB Netz Rendite sehen. Darüber wurde letzten Donnerstag gesprochen. Wobei die Frage der Kostengerechtigkeit sich nicht nur zwischen Schiene und Straße, sondern auch auf der Schiene.

Die bereits angesprochene Vierte-Faktor-Regel gilt auch zwischen einer achtzig Tonnen schweren Regionalbahn und einem viertausend Tonnen schweren Güterzug. Auch hier ist die Belastung wesentlich größer, so dass ein Großteil der Aufwendungen, die DB Netz wegen verschlissener Gleise und zerbröseltem Schotterbett hat, durch den Güterverkehr zustande kommen. Die Belastung durch Regionalzüge kann man auf einer normalen Eisenbahnstrecke hier fast schon vernachlässigen.

Dass der Regionalzug dennoch ein vielfaches an Trassenpreise zahlt, kann man natürlich mit der Takttrasse begründen – aber es sorgt faktisch dafür, dass der Güterverkehr aus den Regionalisierungsmitteln mitfinanziert wird. Hier jetzt noch höhere öffentliche Zuwendungen zu fordern, um die viel zu billigen Lastwagenfahrten auszugleichen, ist der völlig falsche Weg. Aus Sicht der Eisenbahn nachvollziehbar, insgesamt aber falsch.

Siehe auch Halbierung der Trassenpreise gefordert

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