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Multimodale Angebote ausbauen

29.05.17 (Kommentar, NVR) Autor:Stefan Hennigfeld

Hatte jemand von Ihnen mal das Vergnügen, in Köln in der Innenstadt Auto zu fahren? Ich sage Ihnen: Ich habe das einmal gemacht und nie wieder! Wann immer ich im Schatten des Doms zu tun habe, nehme ich den Zug. Die Züge sind ständig verspätet und überfüllt – wir kennen das und wissen, dass das mit der Knotenproblematik rund um Köln zu tun hat. Aber mit dem Auto in dieser Stadt umher zu fahren, das macht einfach keinen Spaß.

Ich verstehe daher jeden Kölner, der sich entscheidet, für die täglichen Wege ein Monatsticket im VRS zu kaufen. Und das gilt nicht nur für die Kölner selbst, sondern auch für die Einpendler aus dem Umland: Ob Hennef, Dormagen, Solingen oder was auch immer: Es ist eine Zumutung in dieser Stadt Auto zu fahren und deswegen kann das SPNV- und ÖPNV-Angebot gar nicht groß genug sein.

Eigentlich bräuchten die Kölner Verkehrsbetriebe, analog zu dem was in München betrieben wird, eine langfristig geplante Angebotsoffensive. Durch die Offensive 2010-2020 ist in München sichergestellt, dass es über die gesamte Dekade jedes Jahr verlässlich Leistungsausweitungen gibt, um dem gestiegenen Fahrgastandrang gerecht zu werden.

Das sagt nichts über kleine und große Infrastrukturmaßnahmen aus, aber es zeigt, dass Bewegung in der Sache ist und Verbesserungen auf qualitativer und quantitativer Ebene in Städten dieser Größenordnung einfach notwendig sind – ganz gleich, ob das Bier aus Stangen oder Krügen getrunken wird.

Trotzdem ist das Auto in vielen Lebenssituationen unverzichtbar. Oder wie sonst soll der Kölner seine Kiste Gaffel-Kölsch aus dem Supermarkt nach Hause bringen? Etwa mit dem Bus? Und dann womöglich noch zwei weitere Einkaufstaschen dazu? Das ist irgendwie witzlos und aus gutem Grund hat man schon vor Jahren angefangen, Alternativen wie Bike- und Carsharing auf die Beine zu stellen. Dafür ist die Metamorphose vom Verkehrs- zum Mobilitätsverbund notwendig.

Schon vor fünf Jahren, als der VRS sein 25jähriges Bestehen gefeiert hat, war von solchen Dingen die Rede. Inzwischen hat man vieles davon erfolgreich in die Tat umgesetzt. Man braucht eben kein eigenes Auto mehr, wenn mehrere Carsharing-Autos stets verfügbar sind. Die meisten Fahrzeuge sind zwischen 20 und 23 Stunden am Tag Stehzeuge, so dass es nicht nur ungeheuer viel Verkehrsraum für den Autoverkehr geben muss, sondern in gigantischen Mengen auch Parkraum.

Großstädte sind perfekt geeignet, um hier gegenzusteuern. Und als nächsten Schritt gilt es, auch in den umliegenden Mittelstädten flächendeckende Möglichkeiten zum Bike- und Carsharing zu schaffen. Es gibt eben nicht nur die Millionenstadt mit den umliegenden Dörfern, sondern viele Städte im Umland dürften ebenfalls das Potential haben, alternative Mobilitätsformen am Markt anbieten zu können.

Nur keine Scheu, denn auch das gehört zur Verkehrswende. In einer Zeit, in der eben nicht jeder in der Innenstadt wohnen kann, sondern der Alltag oft durch Berufspendeln geprägt ist, muss man auch außerhalb gute Angebote machen. Dann können Bike- und Carsharing erfolgreich sein. Manchmal schafft sich auch das Angebot die Nachfrage.

Siehe auch: Köln: KVB-Rad mit hoher Nachfrage

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