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S-Bahn Rhein-Ruhr: Ein anrüchiges Problem im VRR?

27.10.11 (VRR) Autor:Stefan Hennigfeld

Mit der Einführung der ET 422 auf der S-Bahn Rhein-Ruhr im VRR hat es vor ein paar Jahren einen Qualitätssprung gegeben. Die noch von der Deutschen Bundesbahn angeschafften x-Wagen gehören größtenteils der Vergangenheit an und wurden durch sprintstarke, klimatisierte und barrierefreie Züge ersetzt. Aber dennoch: Aufgrund der fehlenden Toiletten in den neuen Zügen entstehen gelegentlich Überdruckprobleme mit anrüchigen Folgen.

Infolge dessen empfahl ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn einem Fahrgast vor einiger Zeit, er möge sein (kleines) Geschäft doch zwanglos im Papierkorb der ersten Klasse erledigen – schließlich saß da gerade keiner. Dummerweise kam just in diesem Augenblick ein anderer Mitarbeiter vorbei und traute seinen Augen nicht. Das Ende vom Lied: Derjenige, der dem Kunden nahelegte, den Mülleimer zur Toilette umzufunktionieren, wurde versetzt und mit einer Geldbuße belegt. Er klagte – erfolgreich.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf erkannte an, dass es von DB Regio NRW keine entsprechende Arbeitsanweisung gäbe. So war der Eisenbahner auf seine eigene Kreativität angewiesen. Was tun, wenn keine passende Konzernrichtlinie existiert? Und den Spott, der hereinbrechen würde, wenn selbst die Benutzung des (gar nicht so) stillen Örtchens reglementiert wäre, sollte man dabei auch nicht vergessen. Manche Dinge lassen sich einfach nicht regulieren.

Wohl aber ist es Sache des Bestellers, in diesem Fall des VRR, den Einbau einer Toilette vorzugeben oder nicht. Bei der S-Bahn tat er das bislang nicht. Pressesprecherin Sabine Tkatzik: „Mit der S-Bahn legen die meisten Fahrgäste nur sehr kurze Distanzen zurück, zudem fährt sie im dichten Takt und hält sehr häufig, so dass wir bei den ET 422 auf Örtlichkeiten verzichtet haben. Die RE-Züge, die im Verbundraum die regionalen und längeren Strecken abdecken, verfügen jedoch allesamt über sanitäre Anlagen.“

Will der VRR seinen Fahrgästen also demnächst empfehlen, für Notfälle stets einen Korken mitzuführen? Soweit will man wohl doch nicht gehen. Tkatzik: „Derzeit läuft die Neuausschreibung der Linien S 5 und S 8. In den dort zum Einsatz kommenden Triebzügen wird es wieder Toiletten geben.“ Na dann: Wasser Marsch!

3 Responses


  1. Beobachter
    27.10.11 um 11:21

    Das Verwaltungsgericht Düsseldorf erkannte an, dass es von DB Regio NRW keine entsprechende Arbeitsanweisung gäbe.

    Dann muss aber ganz schnell eine Arbeitsanweisung, genannt „Konzernrichtlinie“ her :). Es kann doch nicht angehen, das Eisenbahner zu einer eigenen Entscheidung genötigt werden – und wenn die falsch ist auch noch bestraft werden.


  2. bahnfahrer
    27.10.11 um 11:52

    Die Behauptungen von DB Regio – S-Bahn-Strecken würden ausschließlich von Kurzstreckenfahrgästen genutzt – sind schlichtweg falsch.

    Gerade auf der S 9 gibt es zwischen Wuppertal und Essen keine Alternative zur S-Bahn, da die S 9 die EINZIGE direkte Schienenverbindung zwischen den beiden Großstädten darstellt.

    Schnell ist diese S-Bahn dann auch noch nicht einmal, für das kurze Stück von Essen nach Wuppertal siehr der Fahrplan etwa 45 Minuten vor. Da wären Züge mit WC schon angebracht,

    Aber das ist nicht das einzige Problem. Auf vielen – noch viel längeren Strecken – werden die Fahrgäste zu bestimmten Zeiten (Wochenende früh morgens und täglich ab 21 Uhr) oft genötigt noch viel längere Strecken mit S-Bahn-Zügen ohne WC zurückzulegen.

    Wer zum Beispiel Samstag Abend um 21 Uhr Venlo in den RE 13 steigt und zum Beispiel nach Hagen Hbf fahren möchte wird genötigt die Langstrecke von Mönchengladbach bis Hagen fast 90 Minuten mit der S 8 zu fahren. Der RE 13 endet schon in MG. Ab dort keine andere Alternative.

    Wer im Bergischen Land wohnt und möglichst früh einen Fernzug in Dortmund / Düsseldorf erreichen möchte hat das gleiche Problem. Die ersten RE Züge fahren dort oft erst ab ca 7 – 8 Uhr.
    Wer früher fahren muss, dem bleibt nur der „lahme Ritt“ auf einer WC-losen S-Bahn.

    Hier sollten schnellstmöglichst Züge mit WC nachgerüstet werden, denn im Tarifgebiet des VRR werden fahrplantechnisch die Kunden genötigt Fernfahrten mit der S-Bahn zurückzulegen.

    Die oben beschriebenen Regional-Express-Lücken – auch einmal außerhalb der Ruhrgebietsmagistrale – zu schließen, wäre sicherlich nicht nur hinsichtlich des WC-Problems wichtig, auch die stetige Überbesetzung in den S-Bahnen insbesondere S 8 zwischen Düsseldorf und Wuppertal bzw auch S 9 zwischen Essen und Langenberg wären keine schlechte Idee

    mfg

    bahnfahrer


  3. Beobachter
    27.10.11 um 14:09

    @ Bahnfahrer

    Sicher gäbe es Verbesserungsbedarf bei den Fahrplänen sowohl im VRR als auch in anderen Verkehrsverbünden. Das hat aber nichts mit vorhandenen oder nicht vorhandenen Toiletten zu tun. Wie dürfen auch nicht vergessen, das die DB Regio die Triebwagen ET 423 und ET 422 beschafft hat, ohne das der Verkehrsverbund über eine Ausschreibung Einfluss auf die Ausstattung genommen hätte bzw. gehabt haben könnte.

    Die 45 Minuten Fahrzeit von Wuppertal nach Essen sind aber kein Zeitrahmen, wo es ein normaler Mensch nicht ohne Toilette aushalten kann. Selbst bei den 104 Minuten von Möchengaldbach nach Hagen sind nicht unbedingt kritisch. Ob eine Nachrüstung technisch machbar ist oder ob dann nicht Zulassungsprobleme auftreten könnten, kann ich nicht beurteilen. Zudem dürfte die Zahl der Reisenden die nach 22 Uhr von Venlo nach Hagen wollen sicher recht gering ausfallen.

    Aber wie schon im Artikel erwähnt, der VRR hat in den Ausschreibungsbedingungen für die S5/S8 bereits Toiletten vorgeschrieben. Somit kann die DB Regio NRW nicht mit ET 422 antreten, sondern muss neue Fahrzeuge bestellen.

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