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KVB stellt Hybridbus vor

14.07.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) haben gestern, am 13. Juli 2011, einen Hybrid-Solobus der Marke MAN Lion´s City der Presse vorgestellt. Er wird ab dieser Woche zu einem Vortest im Kölner Liniennetz eingesetzt, bevor dann im Dezember zunächst ein Bus im Leasingverfahren längerfristig im konkreten Liniendienst eingesetzt wird. Ein zweiter Bus soll 2012 folgen. In dem zunächst auf zwei Jahre angelegten Test erhofft sich die KVB qualifizierte Erkenntnisse darüber, ob sich eine stärkere Investition in dies Technik lohnt. In Deutschland sind bei 38 Verkehrsunternehmen etwa 70 Hybrid-Busse im Einsatz.

Jede Stadt, sogar jede Linie in einer Stadt hat unterschiedliche Anforderungen. Ein Hybrid-Bus spielt bei dichter Haltestellenfolge seine Vorteile aus, während er auf Strecken mit großen Haltestellenabständen eher fehl am Platze wäre. Dies geschieht in erster Linie dadurch, dass bei Bremsvorgängen die Reibungsenergie nutzbar gemacht, und nicht als abgehende Wärme verloren geht. Die gewonnene Energie wird im Fahrzeug gespeichert und beim Anfahren nach Zwischenstopps genutzt. Dadurch lässt sich der Verbrauch von Diesel-Kraftstoff und der Ausstoß von CO2 und weiteren Schadstoffen reduzieren. Laut MAN sind es 30 Prozent weniger Diesel-Kraftstoff und im Jahr bis zu zehn Tonnen CO2. Das erzielt nennenswerte Vorteile für den wirtschaftlichen Betrieb der ÖPNV sowie für den Klima- und Umweltschutz.

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Derko Simeunovic von MAN Truck and Bus erläuterte das Prinzip. Eigentlich ist es ein Diesel-Elektrischer Antrieb, den angetrieben wird der Bus von zwei Asychronen Elektromotoren mit einer Nennleistung von je 75 kW mit 3.000 Nm maximalem Drehmoment auf der Hinterachse. Zum Vergleich, der Lion´s City mit Diesel-Motor hat 213 kW (290 PS) und etwa die Hälfte des maximalen Drehmoments. Der Diesel-Motor dient lediglich zur Stromerzeugung. Diese wird in einem langlebigen und kostengünstigen Ultracap-System gespeichert, ebenso wie die beim Bremsen erzeugte Energie. Ultracaps sind keine Batterien, wie wir sie aus herkömmlichen Elektro- oder Hybrid-PKW kennen, sondern Kondensatoren, die sich sehr schnell aufladen und auch entladen können. Der Hybrid-Bus hat auch kein mechanisches Getriebe.

Für die Fahrer ist es auch eine gewaltige Umstellung. Statt eines Drehzahlmessers hat er ein Instrument im Armaturenbrett, das ihm zeigt, ob er im „grünen Bereich“ ist. Und das sowohl beim Anfahren, wie auch beim Bremsen. Damit nämlich die Bremsenergie auch in Strom umgewandelt werden kann, wird elektrisch gebremst. Nur bei einer Gefahrenbremsung wird die herkömmliche mechanische Bremse eingesetzt.

Die Einführung solcher alternativen Technologien erfordern auch umfangreiche Veränderungen im Betriebshof und in der Werkstatt. Vor allem muss das Personal umfangreich geschult werden. Der Test durch die KVB bezieht sich auf folgende Fragen:

  • Wie zuverlässig ist die noch neue Technologie im regulären Betrieb?
  • Wie gestaltet sich das Fahrverhalten der Hybridbusse?
  • Welche Faktoren bestimmen die Einsetzbarkeit der Hybrid-Busse im Netz der KVB?
  • Welche Differenzen stellen sich durch den Test unter realen Bedingungen im Vergleich zu den Angaben des Herstellers heraus?
  • Welche Lebensdauer haben die Energiespeicher und welche Folgekosten sind hiermit verbunden?
  • In welchen Bereichen muss das Fahr- und Werkstattpersonal geschult werden?
  • Welche konkreten Anforderungen bestehen an Wartung und Instandhaltung?
  • Lässt sich die Hybrid-Technik aktiv durch die KVB weiterentwickeln?
  • Welches spezielle Wissen, z. B. im Umgang mit dem elektrischen Hochvoltsystem, ist notwendig?

Im Anschluss an die Präsentation lud die KVB die Pressevertreter zu einer Probefahrt ein. Zunächst startete der Dieselmotor. Nach Angaben von Derko Simeunovic muss er einige Minuten warmlaufen. Dies geschieht aber nur beim ersten Start, außerdem läuft er dann im „Leerlauf“. Als der Bus dann anfuhr, verstummte der Motor. Der Bus setzte sich wie von Geisterhand in Bewegung. Sicher, er setzte dann von einer Elektronik gesteuert hin und wieder ein, aber bei jedem Stopp, ob an einer Ampel oder Haltestelle verstummte er durch die Start und Stopp Automatik sofort. „Jetzt ist er kaputt“, sagte Jürgen Fenske, Vorstandssprecher der KVB und Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsbetriebe (VDV), scherzhaft.

Das Anfahren ging dann völlig geräuschlos von statten. Für die Fahrgäste und Anwohner, sowohl im Bus als auch an den Haltestellen, wird es ein völlig neues Erlebnis sein. Kein dröhnender Dieselmotor, keine Abgaswolke aus CO2, Ruß und Gestank.

Mehr über den MAN Lion´s City Hybrid gibt es auf der Webseite des Unternehmens.
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Ein Kommentar

  1. Dieser Bus (M – AN 1085) war übrigens am Montag zu einem Testeinsatz auf der Linie 3A in Aachen.

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