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Winfried Hermann fordert zusätzliche Leasingzüge

09.01.11 (Allgemein) Autor:Jürgen Eikelberg

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, Winfried Hermann (Bündnis 90 / Die Grünen), fordert die Deutsche Bahn in der Stuttgarter Zeitung dazu auf, zusätzliche Fernzüge zu leasen. Konkrete Vorschläge, wo man die herbekommen könnte, machte er nicht, sondern sagte vage, „in Europa gibt es dafür sicher Angebote“. Darüber hinaus kritisierte er den Börsenkurs der letzten Jahre.

Dabei ist seine Partei für den Börsenkurs unter Mehdorn maßgeblich mitverantwortlich gewesen. Während die Bahnreform 1994 und die Regionalisierung des Nahverkehrs 1996 das Ziel hatten, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, änderten sich die Forderungen aus der Politik mit dem Amtsantritt der rot-grünen Bundesregierung fundamental. Rot-Grün forderte die Bahn auf, „börsenfähig“ zu werden und wollte den Konzern anteilig an Investoren, wie z.B. Gazprom, verkaufen. Erst der CSU-Verkehrsminister Peter Ramsauer sagte die Privatisierung ab.

Auch die kurzfristigen Maßnahmen, die die Deutsche Bahn in diesem Winter bereits getroffen hat, verschwieg der Politiker. So wurden z.B. TGV-Triebzüge der französischen Staatseisenbahn SNCF angemietet, um damit den Verkehr zwischen Paris und Frankfurt am Main aufrecht zu erhalten. Süddeutsche ICE-Leistungen werden mit Rollmaterial der Schweizer Bundesbahnen gefahren, um im in anderen Teilen der Republik mehr Kapazitäten zu haben. Dazu kommen 15 Siemens Velaro, die Ende 2011 dem Verkehr übergeben werden sollen. Sie sind für den Inlandsbetrieb vorgesehen.

Prinzipiell wäre die Anmietung von Lokomotiven kurzfristig machbar. Gerade über die Weihnachtszeit wäre das auch konzernintern mit DB Schenker als Ausleiher realisierbar gewesen. Ein viel größeres Problem stellen dabei die Waggons da. Nirgendwo in Deutschland und in Europa dürften im großen Stil einsatzfähige und zugelassene Reisezugwagen rumstehen, die die Deutsche Bahn von jetzt auf gleich in den Verkehr bringen könnte.

Darüber hinaus fordert Hermann zweistöckige Wagen für den Fernverkehr. Diese „haben mehr Kapazität“. Er geht dabei jedoch nicht auf die Diskussion ein, die seit letztem Jahr geführt wird, die Bestellung der ICx-Triebzüge abzusagen und dafür fernverkehrstaugliche Doppelstockwaggons zu ordern.

Der Auftrag für die ICx, die zunächst die InterCity-Wagen und später die ersten beiden ICE-Generationen ersetzen sollen, hängt seit längerer Zeit in der Schwebe. Inwiefern die Gerüchte über Fernverkehrs-Doppeldecker realistisch sind oder ob man damit gezielt Druck beim Hersteller Siemens ausüben will, ist fraglich.

Darüber hinaus kritisiert Hermann sowohl die von der Bundesregierung ab 2011 geforderte jährliche Dividendenzahlung an den Bund in Höhe von 500 Millionen Euro als auch die Auslandszukäufe, zuletzt den britischen Verkehrskonzern Arriva. Angesichts des von der rot-grünen Bundesregierung geplanten Börsengang müssen Dividendenausschüttungen ohnehin in der mittelfristigen Finanzplanung vorgesehen gewesen sein.

Über die Gewinne des Arriva-Konzerns, der Geld in die Kassen der Deutschen Bahn spült, sagte Hermann ebenfalls nichts. Im übrigen hat Keolis, eine Tochtergesellschaft der SNCF, im Herbst 2009 eine Fusion mit Arriva sondiert. Die Gewinne wären dann nach Frankreich und nicht nach Deutschland geflossen.

12 Responses


  1. Bodo M. Menschenfreund
    09.01.11 um 09:39

    Auch wenn das jetzt niemand gerne hört: Die Strategie der Deutschen Bahn AG auf internationales Wachstum ist die richtige! Sonst entwickelt sie sich wieder zurück zum defizitären Staatsbetrieb. Dann muß aber, um auf dem nationalen Markt ein wieder akzeptables Angebot (auch bei Schnee und Eis!) zu sichern, der Konkurrenz auf Schienen das Netz in weit stärkerem Maß geöffnet werden, als es bisher von der Deutschen Bahn und der Politik zugestanden wird.


  2. Jürgen E.
    09.01.11 um 09:41

    Zu Winfried Herman:

    Was interessiert ihn sein Geschwätz von gestern!

    Der Auftrag für die ICx, die zunächst die InterCity-Wagen und später die ersten beiden ICE-Generationen ersetzen sollen, hängt seit längerer Zeit in der Schwebe.

    Die ICx werden doch schon in Krefeld gebaut. Man feilscht zur Zeit um den Preis.

  3. Die Grünen für den Börsenkurs verantwortlich? Wie kommen Sie darauf?

    Das war doch immer Mehdorns Lieblingskind. Ich erinnere mich noch gut, dass die Grünen das Kaputtsparen zu Gunsten der Bahn stets kritisiert haben.

    Und warum soll Hermann genau die nach Deutschland zu verleihenden Waggons benennen? Es fahren täglich aus dem Ausland Züge nach Deutschland also gibt es zugelassene Waggons. Es wäre also Sache der DB darzulegen, in welchem Umfang sie sich im Ausland um Züge bemüht hat und mit welchem Ergebnis.


  4. Frank van de Bongardt
    09.01.11 um 10:26

    Die ICx sind noch gar nicht bestellt. In Krefeld wird was ganz anderes gebaut..


  5. Dipl.-Ing.
    09.01.11 um 10:47

    Dazu kommen 15 Siemens Velaro, die Ende 2011 dem Verkehr übergeben werden sollen. Sie sind für den Inlandsbetrieb vorgesehen.

    Aber nur zwischen Aachen und Frankfurt. ;-)


  6. Jürgen E.
    09.01.11 um 17:50

    @ Frank van de Bongart

    Die ICx sind noch gar nicht bestellt. In Krefeld wird was ganz anderes gebaut..

    In Krefeld werden viele unterschiedliche Züge gebaut ;). Da habe ich schon so manche Exoten gesehen, die niemals auf deutschen Gleisen rollen werden.

    Aber dann müssten mich die Mitarbeiter von Siemens bewusst falsch informiert haben, als sie mir eine Rohkarosse als zukünftigen ICx vorstellten.


  7. Stefan Hennigfeld
    09.01.11 um 17:58

    Also angesichts der jüngsten Entwicklungen hin zu InterCity-Doppelstockwaggons, die man aus bestehenden Aufträgen nur abrufen muß, ist der ICx weiter entfernt als je zuvor. Meine persönliche Einschätzung ist wirklich die, daß der ICx frühestens dann wieder ein Thema sein wird, wenn ICE 1 und ICE 2 in rund zehn Jahren zur Erneuerung anstehen. Und dann halte ich auch eine Fortschreibung des Railjet-Konzeptes für wahrscheinlicher.


  8. Jürgen E.
    09.01.11 um 18:19

    @ Stefan Hennigfeld

    Tatsache ist aber, dass die ICE-Flotte stückzahlmäßig zu schwach auf der Brust ist. Hier sind Ergänzungsbestellungen dringend notwendig. Und die werden zur Zeit auch gebaut. Ob man das nun als ICx, als ICE 3+ oder als Velaro D bezeichnet ist wurscht.

    Interessant ist natürlich die Diskussion, ob man für den IC Doppelstockwaggons einsetzen sollte.


  9. Dipl.-Ing.
    09.01.11 um 18:20

    Und dann halte ich auch eine Fortschreibung des Railjet-Konzeptes für wahrscheinlicher.

    Lok-Wagengarnituren sind zu unwirtschaftlich.


  10. Stefan Hennigfeld
    09.01.11 um 18:35

    Nicht, wenn man die Loks (101 und 120) schon hat und wenn man die Waggons aus einem Rahmenvertrag nur abrufen muß. Und erst recht nicht, wenn sich die Aufgabenträger finanziell an den Zügen beteiligen (und sie im Gegenzug für Verbundfahrscheine freigegeben werden).


  11. Stefan Hennigfeld
    09.01.11 um 18:36

    @ Jürgen

    Der Velaro D wird 2011 ausgeliefert. Kann es sein, daß Du den im Rohbau gesehen hast und nicht den ICx?


  12. Dipl.-Ing.
    09.01.11 um 20:49

    Nicht, wenn man die Loks (101 und 120) schon hat

    Die Baureihe 120 ist von ihrer maximalen wirtschaftlichen Nutzungsdauer nicht mehr weit entfernt, die Zeit der 101 ist auch schon halb abgelaufen. Also müssen innerhalb der wirtschaftlichen Nutzungsdauer der Wagen neue Loks angeschafft werden, wodurch der erwähnte Vorteil zu nichte gemacht wird und Triebwagen gegenüber Lok-Wagenkompositionen in Anschaffung und Betrieb 30% billiger sind.

    und wenn man die Waggons aus einem Rahmenvertrag nur abrufen muß.

    Triebwagen kann man auch aus einem Rahmenvertrag abrufen, siehe TALENT 2.

    Und erst recht nicht, wenn sich die Aufgabenträger finanziell an den Zügen beteiligen (und sie im Gegenzug für Verbundfahrscheine freigegeben werden).

    Eine renditeorientierte DB will jeden Euro lieber selber verdienen.

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