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Wird auf der Strecke Rinteln – Stadthagen bald wieder Linienverkehr betrieben?

01.07.11 (Allgemein) Autor:Test Kunde

Bereits im Jahr 1898 erhielt die Rinteln-Stadthagener Eisenbahngesellschaft (RstE) vom Königreich Preußen und im April 1899 vom Fürstentum Schaumburg-Lippe die Konzession zum Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen diesen beiden Städten. Den Bahnbau übernahm die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft, die auch nach der Eröffnung 1900 die Betriebsführung innehatte. Seit 1945 lag sie bei der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft, die einhundert Jahre lang eine der bedeutendsten Betreibergesellschaft von Privatbahnen war.

Der Personenverkehr wurde 1965 eingestellt, der Güterverkehr 2007. Seither finden fast nur noch Sonderfahrten mit Museumsbahnen statt. Allerdings wird die Infrastruktur noch für zwanzig Jahre erhalten bleiben.

Wie die Landes-Zeitung.de (Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung) berichtet, könnte nun eine Wende eintreten. Die aus einem Förderkreis hervorgegangene Bückebergbahn Rinteln-Stadthagen GmbH hat die Strecke gepachet. Im Zusammenhang mit dem Bahnfest in Obernkirchen hat die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) angekündigt, sie erwäge in den Jahren 2013 und 2014 mögliche Verbindungen zu überprüfen, um stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren. Darunter sei auch diese Strecke.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der sich immer für den Erhalt der Strecke eingesetzt und nicht unerhebliche Mittel bereit gestellt hat, sieht das als einen Erfolg seiner Arbeit. „Aus dem Landkreis Schaumburg geht ein wichtiges verkehrspolitisches Signal in Richtung Hannover“, so VCD-Landesvorsitzender Michael Frömming. „Die Bückebergbahn hat angesichts des Anschlusses an die S-Bahn Hannover ein hohes Potenzial für einen täglichen Schienennahverkehr. Es gibt keinen Grund, warum die CDU/FDP-Landesregierung in Hannover weiter daran festhält, derzeit keine einzige Bahnstrecke für den Nahverkehr zu reaktivieren.“, sagte er weiter.

Doch die Schlacht ist noch nicht gewonnen. Am 11. März 2011 äußerte sich David McAllister (Ministerpräsident Niedersachsen) zu dem Thema: „Die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke Rinteln-Stadthagen für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) ist aus volks- und betriebswirtschaftlichen Gründen schwierig, da ein Gutachten der LNVG für diese Strecke eine schlechte Kosten-Nutzen-Relation ergeben hat. Solange sich die Kosten nicht erwirtschaften lassen, haben potenzielle Betreiber kein Interesse an einem Bahnverkehr auf dieser Strecke.“

Frömmig hält dagegen. Die Zurückhaltung hinge mit der für 2014 anstehenden Überprüfung der Bundeszuschüsse für den regionalen Bahnverkehr zusammen. Es werde erwogen, die Höhe an die real anfallenden Kosten anzupassen und in Niedersachsen seien die Kosten durch Ausschreibungen erheblich gesenkt worden.

Von den Grünen erging an die LNVG die Forderung, jetzt eine Liste mit Reaktivierungsmaßnamen anzufertigen, damit Niedersachsen mit ambitionierten Konzepten in die Diskussion gehen könnte.

Alle Beteiligten müssten jetzt ihre Signale Richtung Hannover senden und die Frage wach halten. Der Landrat des Landkreises Schaumburg, Jörg Farr, hätte glaubhaft seien Unterstützung versichert, so Frömming. „Das ist eine der Top-Fünf-Strecken des Landes. Wenn der Landreis Schaumburg Signale in Richtung Hannover streut, wir wollen das, dann könnte Rinteln-Stadthagen eine der ersten Strecken sein. Von den auf der Liste angeführten Strecken sollten fünf bis zehn in den nächsten zehn Jahren reaktiviert werden. Und dafür brauchen wir Geld.“, sagte er.

Allerdings, so Enno Hagenah, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen in Niedersachsen, müsse auch eine Landesregierung mit grüner Beteiligung eine realistische Auswahl treffen und Karsten Peters, LNVG Pressesprecher, weist darauf hin, das erst wenn sich abzeichne oder feststehe, was es 2014 an Zuschüssen gebe, man die Strecken auswählen und eine Kosten-Nutzen-Rechnung für sei erstellen könne.

3 Responses

  1. Nicht wirtschaftlich? Es ist ein Fehler, sich einzelne Strecken herauszusuchen – die Bahn funktioniert nur als Gesamtnetz!
    Beim Strassenverkehr ist es ja genauso: Nebenstraßen sind auch nicht „wirtschaftlich“, doch würde man alle unwirtschaftlichen Strassen stillegen und abbauen, wären auch die „wirtschaftlichen“ Bundensstraßen und Autobahnen nutzlos!
    Wann kapiert das endlich mal einer?

  2. Eigentlich dürften die Regionalisierungsmittel nicht gekürzt werden. Schon gleichbleibende Mittel sind ja durch Inflation faktisch eine Kürzung. Wenn geringere Ausgabe für Zugangebote durch Ausschreibungen nur zu Mittelkürzungen führen, dann müssten die Länder eigentlich ein Interesse haben, möglichst wenig auszuschreiben, um die Mittel zu behalten. Gelder, die durch Ausschreibungen frei werden sollten per Gesetz nur für Maßnahmen ausgegeben werden dürfen, die zu besseren Angeboten führen, sei es durch Streckenausbau oder mehr Zugkilometer.
    Wichtig wäre noch ein Gesetz zur Einführung von Streckenkonten. Bahnhofsgebühren und Trassenpreise müssen auf ein Konto gehen, dass der Strecke zugeordnet ist, auf der die verdient wurden. Außer einem Renditeanteil von vielleicht 5% an den Streckenbetreiber und eine Struktursoli für aufwendige Bahnstrecken von einigen Prozent müssen alle Gelder transparent der Strecke zugeordnet werden, auf der die verdient wurden. Wir eine Strecke stillgelegt, bleiben die Gelder auf einem Sperrkonto, solange eine Reaktivierung möglich ist, so dass diese als Kapital für die Strecke erhalten bleiben. Wird eine Bahntrasse aufgelassen, geht das Geld entweder an die Besteller der Zugleistungen zurück oder an gemeinnützige Werke. Denn dann ist die Leistung Streckenerhalt ja nicht mit dem Geld betrieben worden und dann hat der (ehemalige) Streckenbetreiber auch keinen Anspruch darauf. Das wäre ein Anreiz an die DB, viel mehr in die Fläche zu investieren.

  3. @rudi1963,

    da stimme ich voll zu und kann das nur mit einem weiteren Beispiel stützen!

    “ Erst viele Flüsse bilden einen Strom „

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