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Sicherheit braucht klare Verantwortung

03.09.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Die schrittweise Rückkehr der Bonner B-Wagen ist zunächst eine gute Nachricht. Dass die Fahrzeuge nach auffälligen Radsatzwellen nicht einfach weiter eingesetzt wurden, sondern erst nach einem abgestimmten Prüfverfahren wieder auf die Strecke dürfen, ist richtig. Sicherheit darf im öffentlichen Verkehr nicht verhandelbar sein.

Gleichzeitig wäre es falsch, aus der aktuellen Lage die Forderung abzuleiten, ein Verkehrsunternehmen müsse für jeden denkbaren Serienfehler eine große Ersatzflotte vorhalten. Das wäre wirtschaftlich kaum sinnvoll. Fahrzeuge kosten Millionen, brauchen Abstellflächen, Wartung und Personal. Eine angemessene Reserve ist notwendig, eine zweite Flotte auf Vorrat nicht.

Entscheidend ist deshalb eine andere Frage: Wie lässt sich verhindern, dass technische Auffälligkeiten bei einer größeren Fahrzeugserie zu einer solchen Krise anwachsen? Dafür müssen Beschaffung, Qualitätssicherung, Wartung, Dokumentation und interne Entscheidungswege genau untersucht werden. Wann waren welche Auffälligkeiten bekannt? Wie wurden sie bewertet? Welche Konsequenzen wurden daraus gezogen? Und hätten Risiken früher begrenzt werden können?

Die angekündigte Aufarbeitung der Informations- und Entscheidungsabläufe ist deshalb kein Nebenthema. Sie ist zentral. Denn aus einer technischen Störung wird erst dann ein strukturelles Problem, wenn Warnzeichen übersehen, Informationen nicht weitergegeben oder Entscheidungen zu spät getroffen werden. Dabei trägt nicht allein die Geschäftsführung von SWB Bus und Bahn Verantwortung. Die Bundesstadt Bonn ist als Gesellschafter der SWB Bus und Bahn und zugleich als Aufgabenträger für den kommunalen ÖPNV gefordert. Sie muss sicherstellen, dass Qualität und Sicherheit gewährleistet bleiben.

Dazu gehört auch, zu prüfen, ob das Unternehmen über ausreichende Werkstatt-, Prüf- und Personalkapazitäten verfügt und ob die internen Kontrollmechanismen funktionieren. Das heißt nicht, dass die Politik in technische Detailentscheidungen eingreifen soll. Aber sie muss die Rahmenbedingungen setzen und kontrollieren, ob die Organisation robust genug aufgestellt ist. Wer als Gesellschafter Wirtschaftlichkeit verlangt, muss zugleich akzeptieren, dass technische Vorsorge, Instandhaltung und Reserven Geld kosten. Wer als Aufgabenträger ein verlässliches Angebot bestellt, muss darauf achten, dass das Unternehmen dieses auch sicher erbringen kann.

Kurzfristig sind die engmaschigen Ultraschallprüfungen der richtige Weg. Dauerhaft kann es aber nicht bei einem zusätzlichen Kontrollregime bleiben. Wenn alte Bauteile ersetzt werden müssen, muss dieser Austausch konsequent geplant und finanziert werden. Nur so wird aus einer Übergangslösung eine belastbare technische Perspektive.

Die erste Freigabe eines B-Wagens ist deshalb nur der Anfang. Am Ende sollte nicht nur der Fahrplan wieder stabiler sein. Das gesamte System muss danach belastbarer sein als zuvor. Daran müssen sich sowohl das Verkehrsunternehmen SWB Bus und Bahn als auch die Bundesstadt Bonn messen lassen.

Siehe auch: Bonn: B-Wagen kehren schrittweise zurück
Foto: Stadtwerke Bonn / Maximilian Mühlens

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