LVB testen Bodycams
29.09.26 (Sachsen) Autor:Stefan Hennigfeld
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) testen erstmals Bodycams bei Fahrausweisprüfungen. Freiwillig teilnehmende Mitarbeiter tragen die Kameras im Dienst. Ziel ist es, Beschäftigte und Fahrgäste in kritischen Situationen besser zu schützen, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und Vorfälle im Ernstfall nachvollziehen zu können.
Eine dauerhafte oder anlasslose Aufzeichnung ist nach Angaben der LVB nicht vorgesehen. Die Bodycams dürfen nur in klar definierten Situationen aktiviert werden, insbesondere wenn eine Eskalation droht oder bereits begonnen hat. Das sichtbare Tragen der Kameras soll zugleich eine abschreckende und deeskalierende Wirkung entfalten. Erfahrungen anderer Verkehrsunternehmen hätten gezeigt, dass schon die erkennbare Präsenz einer Bodycam das Verhalten in angespannten Situationen beeinflussen könne.
Die LVB sehen die Kameras als zusätzlichen Baustein ihres bestehenden Sicherheitskonzepts. Dazu gehören bereits Schulungen und Deeskalationstrainings für Mitarbeiter sowie die Videoüberwachung in den Fahrzeugen. Entscheidend sei, Konflikte möglichst zu vermeiden und die Beschäftigten im direkten Kontakt mit Fahrgästen besser zu schützen.
Vor dem Einsatz werden die beteiligten Mitarbeiter geschult. Dabei geht es insbesondere um die Voraussetzungen für die Aktivierung, die Kommunikation gegenüber Fahrgästen sowie um Datenschutz und Dokumentation. Die Aufnahmen dürfen ausschließlich zweckgebunden verarbeitet und nur so lange gespeichert werden, wie es für den jeweiligen Zweck erforderlich ist. Fahrgäste sollen transparent über den Einsatz informiert werden.
Vorgestellt wurde das Pilotprojekt beim Mobilitätstraining am vergangenen Samstag in der Angerbrücke. Dort informierten die LVB gemeinsam mit dem Fahrgastbeirat über das Vorhaben. Weitere Partner waren das Kompetenzcenter Barrierefreiheit der Stadt Leipzig, die Verkehrswacht Leipzig und der Präventionsdienst der Polizei Leipzig. Auch der Behindertenverband Leipzig sowie der Blinden- und Sehbehindertenverband waren mit Beratungsangeboten vertreten.
Neben dem Thema Sicherheit ging es bei der Veranstaltung damit auch um Barrierefreiheit und den sicheren Zugang zum öffentlichen Verkehr. Die verschiedenen Angebote sollten zeigen, wie technische Maßnahmen, Schulungen und Beratung zusammenspielen können.
Sandy Brachmann, Bereichsleiterin Marketing der LVB, verwies dabei auf den möglichen deeskalierenden Effekt sichtbar getragener Kameras. Thomas Liebau, Leiter Fahrausweisprüfung, betonte den Schutz der Beschäftigten im täglichen Kundenkontakt.
Nach Abschluss der Testphase wollen die LVB die Erfahrungen systematisch auswerten. Untersucht werden soll vor allem, wie sich die Bodycams in kritischen Situationen bewähren, ob sie tatsächlich deeskalierend wirken und welchen Beitrag sie zum Schutz der Mitarbeiter leisten. Auf Grundlage dieser Ergebnisse soll entschieden werden, welche Rolle körpernah getragene Kameras künftig bei Fahrausweisprüfungen spielen können.
Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang