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Eisenbahnverkehr braucht langen Atem

21.09.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Neue Akkuzüge im Pfalznetz und ein langfristig gesicherter personenbedienter Verkauf in Landau wirken zunächst wie zwei verschiedene Themen. Tatsächlich geht es in beiden Fällen darum, ob Bahnverkehr für die Fahrgäste auf Dauer verlässlich organisiert ist.

Bei den neuen Fahrzeugen sollte weniger über die Antriebsart gesprochen werden als über ihre Qualität. Dem Fahrgast ist weitgehend egal, ob ein Zug seinen Strom aus der Oberleitung bezieht, aus einem Akku oder mit einem konventionellen Dieselantrieb fährt. Er erwartet moderne und komfortable Fahrzeuge. Vor allem aber erwartet er, dass sie zuverlässig kommen. Genau daran müssen sich die neuen Akkuzüge messen lassen.

Ein Fahrzeug, das 2026 in Betrieb geht, wird bei einer Lebensdauer von mehr als drei Jahrzehnten möglicherweise noch um das Jahr 2060 unterwegs sein. Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob die Züge in den ersten Jahren leise und störungsarm fahren. Ebenso wichtig ist, ob ihre Technik auch nach zwanzig oder dreißig Jahren noch zuverlässig beherrschbar ist. Gerade bei den Akkus wird sich zeigen müssen, wie gut das Konzept auf Alterung vorbereitet ist.

Natürlich muss nicht derselbe Batteriesatz bis 2060 halten. Aber der Austausch der Speicher muss technisch und wirtschaftlich beherrschbar bleiben. Ersatzteile, Batteriemodule und Fachwissen müssen verfügbar sein. Vor allem darf nachlassende Speicherleistung nicht dazu führen, dass Umläufe irgendwann nur noch mit knappen Reserven gefahren werden können oder Züge wegen zu geringer Reichweite liegenbleiben. Auch Ladeinfrastruktur und Werkstätten müssen über Jahrzehnte verlässlich funktionieren.

Dass die Umstellung des Pfalznetzes in mehreren Stufen erfolgt, ist deshalb folgerichtig. Neue Fahrzeuge allein reichen nicht. Die Infrastruktur muss zu ihnen passen. Wer heute ein neues Antriebskonzept einführt, übernimmt Verantwortung für mehrere Jahrzehnte Eisenbahnbetrieb.

Dasselbe Prinzip gilt beim Reisezentrum in Landau. Der digitale Vertrieb wird weiter wachsen, das Deutschlandticket wird überwiegend online verkauft und viele Fahrgäste brauchen für einfache Fahrten keinen Schalter mehr. Daraus folgt aber nicht, dass persönlicher Verkauf überflüssig wäre. Es gibt weiterhin Menschen ohne sicheren digitalen Zugang, Reisende mit komplexeren Verbindungen und Kunden, die bei Tarifen oder Buchungen Beratung benötigen.

Der Aufgabenträger tut deshalb gut daran, den besetzten Verkaufsschalter vertraglich abzusichern. Ein öffentliches Verkehrssystem muss auch für diejenigen zugänglich bleiben, die nicht jede Leistung per App erledigen können oder wollen. Digitalisierung darf Service ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen.

Beide Entscheidungen zeigen, worauf es im Nahverkehr ankommt: auf langfristige Verlässlichkeit. Der neue Zug muss nicht nur heute überzeugen, sondern möglichst noch 2060 seinen Dienst tun. Und der Fahrgast muss auch dann einen Ansprechpartner finden, wenn der digitale Weg nicht weiterhilft. Moderne Technik ist wichtig. Dauerhafte Qualität ist wichtiger.

Siehe auch: Akkuzüge starten im Pfalznetz
Foto: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

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