Wer auf Wasserstoff setzt, muss ihn auch haben
17.08.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld
Wasserstoffbusse können nur dann zuverlässig fahren, wenn der benötigte Kraftstoff jederzeit verfügbar ist. Das klingt banal, ist aber genau der Punkt, an dem Wasserstoffprojekte in der Vergangenheit immer wieder ins Stolpern geraten sind. Im Schienenverkehr hat sich bereits gezeigt, dass technisch einsatzbereite Wasserstoffzüge zeitweise nicht fahren konnten, weil der Kraftstoff fehlte oder die Versorgung nicht zuverlässig funktionierte.
Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass die Regionalverkehr Köln künftig einen Teil ihres Wasserstoffs selbst produzieren will. Wer eine entsprechende Busflotte aufgebaut hat, sollte nicht dauerhaft davon abhängig sein, ob externe Lieferanten genügend Wasserstoff bereitstellen können. Die eigene Elektrolyse schafft keine vollständige Unabhängigkeit, erhöht aber die Kontrolle über einen für den Betrieb entscheidenden Faktor. Sie macht aus der Energieversorgung damit einen eigenen Bestandteil der betrieblichen Strategie.
Genau darin liegt der eigentliche Wert des Projekts in Mechernich. Es geht nicht nur um eine weitere Tankstelle und auch nicht nur um ein technisches Demonstrationsprojekt. Die RVK versucht, Fahrzeugflotte, Energieversorgung und Infrastruktur zu einem System zusammenzuführen. Das ist bei alternativen Antrieben zwingend notwendig. Neue Fahrzeuge allein machen noch keinen stabilen Betrieb.
Natürlich bleibt die Wirtschaftlichkeit eine offene Frage. Die Anlage wird mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert. Deshalb muss sich später zeigen, ob sie ausreichend ausgelastet ist, zuverlässig produziert und die Betriebskosten tatsächlich senken kann. Auch die öffentliche Tankmöglichkeit für andere Fahrzeuge kann dabei helfen – aber nur, wenn sie tatsächlich genutzt wird.
Die grundsätzliche Debatte über Batterie oder Wasserstoff wird damit nicht entschieden. Batteriebusse haben sich im Stadtverkehr längst etabliert und nutzen Strom ohne den zusätzlichen Umweg über Elektrolyse, Speicherung und Rückverstromung. Wasserstoff muss deshalb dort eingesetzt werden, wo er im konkreten Betrieb einen Vorteil bietet.
Für die RVK stellt sich diese Frage allerdings nur noch teilweise: Sie betreibt bereits Wasserstoffbusse und hat entsprechende Erfahrungen gesammelt. Gerade deshalb ist die eigene Produktion ein konsequenter nächster Schritt. Wer sich für Wasserstoff entschieden hat, muss dafür sorgen, dass die Fahrzeuge nicht wegen fehlenden Kraftstoffs stehen bleiben.
Entscheidend ist am Ende nicht, wie modern eine Technologie klingt, sondern ob sie morgens zuverlässig den Betriebshof verlassen kann. Wenn die RVK es schafft, ihren Wasserstoff verlässlich selbst zu erzeugen, zu speichern und zu vertanken, gewinnt sie ein Stück betriebliche Sicherheit zurück. Genau daran wird sich das Projekt messen lassen müssen.
Ein Bus kann noch so modern, leise und emissionsarm sein – ohne Energie bleibt er stehen. Wer auf Wasserstoff setzt, muss deshalb auch die Versorgung beherrschen, denn das Worst-Case-Szenario stehender Fahrzeuge muss vermieden werden.
Siehe auch: RVK produziert grünen Wasserstoff
Foto: Regionalverkehr Köln GmbH