VDV fordert offene Fahrzeugdaten
13.08.26 (Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert einen einheitlichen und herstellerunabhängigen Zugang zu Fahrzeugdaten bei Linienbussen. Hintergrund ist, dass Verkehrsunternehmen zunehmend Flotten mit Fahrzeugen verschiedener Hersteller betreiben. Proprietäre Cloud-Lösungen und unterschiedliche technische Schnittstellen verursachten dabei nach Einschätzung des Verbandes einen hohen Integrations- und Wartungsaufwand.
In einem neuen Positionspapier spricht sich der VDV deshalb für die konsequente Anwendung der VDV-Schrift 238 aus. Sie definiert eine einheitliche fahrzeugseitige Schnittstelle, über die relevante Betriebsdaten direkt im Fahrzeug bereitgestellt werden können. Nach Auffassung des Verbandes sollte dieser physische Zugang gegenüber herstellerspezifischen Cloud-Systemen grundsätzlich Vorrang haben.
Der VDV verweist darauf, dass ein standardisierter Datenzugang mehrere Vorteile bietet. Verkehrsunternehmen könnten Fahrzeuge verschiedener Hersteller einfacher in ihre bestehenden IT-Systeme integrieren. Gleichzeitig sinke die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und deren proprietären Lösungen. Auch der Aufwand für Wartung und Systempflege lasse sich verringern, da nicht für jede Fahrzeugserie eigene Schnittstellen entwickelt und dauerhaft betreut werden müssten.
Von besonderer Bedeutung ist der Datenzugang nach Angaben des Verbandes für Echtzeitanwendungen und die Betriebssteuerung. Werden Daten direkt im Fahrzeug bereitgestellt, stehen sie auch dann zur Verfügung, wenn die Mobilfunkverbindung zur Cloud gestört oder unterbrochen ist. Dies soll die Verfügbarkeit betrieblicher Informationen erhöhen und stabile Abläufe unterstützen.
Der VDV fordert zudem, den Umfang der verfügbaren Daten nicht zu stark einzuschränken. Gerade bei batterieelektrischen oder anderen emissionsfreien Antrieben benötigen Verkehrsunternehmen detaillierte Informationen zum Zustand des Fahrzeugs. Dazu gehören unter anderem Daten aus dem elektrischen Antriebsstrang sowie Diagnosewerte. Solche Informationen seien für Wartung, Fahrzeugverfügbarkeit und Einsatzplanung notwendig. Als Grundlage verweist der Verband auf die sogenannte VDV-Signalliste, in der die benötigten Datenpunkte definiert sind.
Neben betrieblichen Aspekten sieht der Verband auch Auswirkungen auf den Wettbewerb bei Fahrzeugbeschaffungen. Müssen bei jedem Herstellerwechsel neue proprietäre Schnittstellen integriert werden, entstehen zusätzliche Kosten und technische Abhängigkeiten. Ein einheitlicher Standard soll dagegen gewährleisten, dass neue Fahrzeuge unabhängig vom Hersteller ohne grundlegende Anpassungen an bestehende Systeme angebunden werden können.
Unterstützung sieht der VDV durch den europäischen Data Act. Dieser stärkt den Zugang von Nutzern zu Daten, die bei der Verwendung vernetzter Produkte entstehen. Aus Sicht des Verbandes schafft dies eine rechtliche Grundlage, um den Zugriff der Verkehrsunternehmen auf die Daten ihrer Fahrzeuge abzusichern.
Foto: Bogestra AG