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RVK produziert grünen Wasserstoff

17.08.26 (go.Rheinland) Autor:Stefan Hennigfeld

Mit einem Spatenstich in der vergangenen Woche hat die Regionalverkehr Köln (RVK) in Mechernich den Bau einer eigenen Wasserstoffproduktion begonnen. Auf dem Gelände des geplanten Aus- und Weiterbildungszentrums für klimaneutrale und digitale Mobilität (AWM) entsteht eine Anlage aus Elektrolyseur und Tankstelle. Ende 2026 soll sie in Betrieb gehen. Damit will die RVK grünen Wasserstoff künftig nicht mehr ausschließlich beziehen, sondern einen Teil des Bedarfs ihrer eigenen Busflotte selbst herstellen.

Der Elektrolyseur ist auf eine Produktion von 36 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde ausgelegt. Ein Wasserstoffbus der RVK fasst in der Regel 16 Kilogramm. Rechnerisch können damit in einer Stunde etwas mehr als zwei Busfüllungen erzeugt werden. Für die Betankung der Busse sind zwei Zapfsäulen mit 350 bar vorgesehen. Eine vollständige Betankung soll weniger als zehn Minuten dauern. Zusätzlich entsteht eine öffentlich zugängliche Säule mit 700 bar, an der auch Pkw und Lkw Wasserstoff aufnehmen können. Weil sich Wasserstoff beim Tankvorgang erwärmt, wird er in der Anlage auf bis zu minus 40 Grad Celsius gekühlt.

Für die Versorgungssicherheit setzt die RVK auf mehrfach vorhandene Technik. Wichtige Komponenten werden doppelt installiert, damit Wartungsarbeiten oder Ausfälle nicht unmittelbar zu einem Produktionsstopp führen. Darüber hinaus sind Speicher vorgesehen, in denen Wasserstoff vorgehalten werden kann.

Planung und Errichtung übernimmt die Ingenion GmbH, Betreiber der Anlage wird nach Fertigstellung die RVK selbst. Die Komponenten befinden sich bereits in der Fertigung und wurden teilweise von RVK-Ingenieuren abgenommen.

Entscheidend für die Einstufung als grüner Wasserstoff ist die Herkunft des für die Elektrolyse benötigten Stroms. Die RVK hat die Stromversorgung ausgeschrieben; infrage kommen Wind- und Photovoltaikanlagen. Nach dem vorgesehenen Verfahren muss das Unternehmen nachweisen, dass die Anlagen des jeweiligen Stromlieferanten zu den Produktionszeiten des Elektrolyseurs tatsächlich erneuerbaren Strom ins Netz einspeisen. Die bei der Wasserstoffproduktion entstehende Abwärme soll später als Nahwärme für die Gebäude des AWM genutzt werden.

Das Vorhaben wird vom Bund gefördert. Insgesamt sind für Tankstelle und Elektrolyseur rund 15,1 Millionen Euro aus Mitteln des Bundes bewilligt. Davon entfallen 7,9 Millionen Euro auf die Tankstelle und 3,1 Millionen Euro auf den Elektrolyseur. Hinzu kommt ein bewilligter Aufstockungsantrag über 4,1 Millionen Euro. Die Förderquote beträgt bei der Tankstelle 80 Prozent und beim Elektrolyseur 45 Prozent.

Für die RVK geht es bei der Eigenproduktion nicht nur um die technische Versorgung der Fahrzeuge. Das Unternehmen will sich damit auch unabhängiger von Entwicklungen auf dem Wasserstoffmarkt machen. Zugleich eröffnet die eigene Herstellung von grünem Wasserstoff die Möglichkeit, am Handel mit Treibhausgasminderungsquoten teilzunehmen. Die daraus erzielten Erlöse sollen nach Angaben der RVK die Betriebskosten der Wasserstoffbusflotte entlasten. Durch die öffentliche Tankstelle steht die Infrastruktur zudem nicht ausschließlich dem eigenen Fuhrpark zur Verfügung.

Mechernich ist dabei nur einer von zwei Standorten, an denen die RVK künftig selbst grünen Wasserstoff herstellen will. Eine zweite Anlage entsteht am grünen Mobilhof in Bergisch Gladbach. Beide Anlagen sollen Ende 2026 in Betrieb gehen. Damit baut das Verkehrsunternehmen parallel an zwei Standorten eigene Produktions- und Betankungsstrukturen für seine Wasserstoffflotte auf.

Die Anlage in Mechernich ist zugleich Teil eines größeren Standortprojekts. Auf dem Gelände an der Peterheide soll das Aus- und Weiterbildungszentrum AWM entstehen. Vorgesehen sind eine Akademie, eine Fahrtrainingsfläche und ein Kompetenzzentrum. Das Gesamtprojekt befindet sich noch in der Planungsphase. Für das AWM mit einem Volumen von 114 Millionen Euro wurde ein Förderantrag bei der Bezirksregierung eingereicht; der Baubeginn ist für Mitte 2027 vorgesehen.

Tankstelle und Elektrolyseur werden dem künftigen Gebäudekomplex vorgelagert, damit sie unabhängig davon jederzeit erreichbar bleiben. Dadurch kann die Wasserstoffanlage bereits betrieben werden, bevor das AWM selbst fertiggestellt ist. Mit der für Ende 2026 vorgesehenen Inbetriebnahme beginnt in Mechernich damit zunächst die Energieproduktion; der Aufbau des Ausbildungs- und Kompetenzstandorts soll anschließend folgen.

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