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Mehr Gleise brauchen mehr Züge

31.08.26 (Kommentar) Autor:Stefan Hennigfeld

Der Ausbau des Knotens Köln ist dringend notwendig. Die S-Bahn-Stammstrecke ist heute heillos überlastet, und besonders am Hauptbahnhof stoßen Gleise und Bahnsteige regelmäßig an ihre Grenzen. Zwei zusätzliche S-Bahngleise am Breslauer Platz lösen zwar nicht alle Probleme der weiterhin weitgehend zweigleisigen Stammstrecke. Sie schaffen aber an einem besonders kritischen Punkt zusätzliche Kapazität.

Wenn künftig je zwei Gleise pro Fahrtrichtung zur Verfügung stehen, können Züge gleichzeitig halten, Verspätungen besser abgefedert und Rückstaus auf die Hohenzollernbrücke reduziert werden. Deshalb wäre es falsch, den Nutzen des Projekts kleinzureden, nur weil nicht sofort die gesamte Stammstrecke viergleisig ausgebaut wird. Zugleich muss der weitere Ausbau Richtung Bergisch Gladbach konsequent folgen. Ohne das zweite Gleis zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach bleibt dort ein wesentlicher Engpass bestehen.

Neue Infrastruktur allein reicht jedoch nicht. Entscheidend ist, dass anschließend tatsächlich mehr Züge fahren. Zwischen Köln und Bergisch Gladbach sind zunächst ein Zehn-Minuten-Takt und perspektivisch annähernd fünf Minuten vorgesehen. Solche Leistungsausweitungen müssen nicht nur geplant, sondern dauerhaft finanziert und bestellt werden.

Dafür braucht der zuständige Aufgabenträger ausreichend Finanzmittel. Die Regionalisierungsmittel des Bundes allein werden auf Dauer nicht jede gewünschte Angebotsausweitung tragen können. Auch das Land Nordrhein-Westfalen ist deshalb gefordert, zusätzliche Verkehrsleistungen bei Bedarf mit eigenen Haushaltsmitteln langfristig abzusichern.

Es wäre widersinnig, Milliarden in neue Gleise und Bahnsteige zu investieren und anschließend beim laufenden Betrieb zu sparen. Gleichzeitig müssen die Eisenbahnverkehrsunternehmen in der Lage sein, den zusätzlichen Verkehr tatsächlich zu fahren. Dafür braucht es rechtzeitig Fahrzeuge, Lokführer, Werkstattkapazitäten und weiteres Personal. Die Vorbereitung auf den Mehrverkehr muss deshalb lange vor Fertigstellung der Infrastruktur beginnen.

Auch die Bedingungen der Finanzierung durch den Bund gehören genau geprüft. Insbesondere muss geklärt sein, ob Rückforderungen möglich wären, wenn die mit dem Ausbau begründeten zusätzlichen Eisenbahnleistungen später gar nicht oder nur teilweise bestellt werden. Es wäre fatal, zusätzliche Infrastruktur zu schaffen, sie anschließend nicht vollständig zu nutzen und dadurch womöglich auch noch finanzielle Risiken auszulösen.

Köln braucht deshalb nicht nur einen Bauplan, sondern einen belastbaren Betriebs- und Finanzierungsplan für die Zeit danach. Infrastruktur, Bestellmittel, Landeszuschüsse, Fahrzeuge und Personal müssen zusammen gedacht werden.

Der Erfolg des Projekts bemisst sich am Ende nicht daran, wie viele neue Gleise im Kölner Hauptbahnhof gebaut wurden. Entscheidend ist, ob darauf anschließend dauerhaft mehr Züge zuverlässig fahren – und ob diese Leistungen auch durch den Aufgabenträger bestellt werden können.

Siehe auch: Ausbau am Kölner Hauptbahnhof geplant
Foto: go.Rheinland / Smilla Dankert

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